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Deutscher erhält Nobelpreis für Chemie Hell bekommt Chemie-Nobelpreis für Durchbruch bei Fluoreszenzmikroskopie

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Stefan Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen und Abteilungsleiter am DKFZ, wurde für seine „Entwicklung hochauflösender Fluoreszenz-Mikroskopie“ mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet.

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Stefan Hell freut sich über die höchste Auszeichnung für einen Wissenschaftler: Er erhält den Nobelpreis für Chemie.
Stefan Hell freut sich über die höchste Auszeichnung für einen Wissenschaftler: Er erhält den Nobelpreis für Chemie.
(Bild: dkfz.de )

Göttingen; Heidelberg – „Ich saß an meinem Schreibtisch als mich der Anruf aus Stockholm erreichte und die Freude bei mir ist riesengroß, dass die Arbeit von mir und meinen Mitarbeitern die höchste Auszeichnung erfährt, die man als Wissenschaftler erhalten kann“, freut sich Stefan Hell. Auch am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie ist der Jubel groß. Max-Planck-Präsident Martin Stratmann gratulierte dem frisch gekürten Nobelpreisträger: „Das ist eine wunderbare Würdigung der Pionierarbeiten von Stefan Hell. Es wird ein Wissenschaftler ausgezeichnet, der den Mut hatte gegen viele Widerstände, ausgetretene Pfade zu verlassen und vermeintliche Glaubenssätze in Frage zu stellen. Nur so kann in der Wissenschaft wirklich Neues entstehen“.

„Stefan Hell ist ein absoluter Ausnahmewissenschaftler“, schwärmt auch Professor Otmar Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums, an dem Hell Abteilungsleiter ist.

Die höchste wissenschaftliche Auszeichnung ist der Lohn für viele Jahre unermüdlicher Forschung, im Laufe derer Hell das Auflösungsvermögen der Lichtmikroskopie um das Zehnfache steigerte – also zehnmal kleinere Strukturen darstellen konnte, als man das bisher für möglich gehalten hatte. Er hat damit eine völlig neue Dimension der Mikroskopie erschlossen.

Revolution der Lichtmikroskopie

Mit seiner Erfindung der STED(Stimulated Emission Depletion)-Mikroskopie, die er 1999 experimentell realisierte, hat Hell die Lichtmikroskopie revolutioniert. Herkömmliche Lichtmikroskope haben eine Auflösungsgrenze, die durch die Wellennatur des Lichts bedingt ist: Objekte, die weniger als 200 Nanometer voneinander entfernt sind, können nicht mehr getrennt wahrgenommen werden. Die von Ernst Abbe entdeckte Auflösungsgrenze – in einer Jenaer Gedenkstätte in Stein gemeißelt – galt für mehr als ein Jahrhundert für praktisch unumstößlich.

Auch die häufig in der Biologie und Medizin eingesetzte Fluoreszenzmikroskopie musste bisher vor dieser Grenze halt machen. Dabei werden Moleküle der Zelle mit fluoreszierenden Farbstoffen markiert und mit Laserlicht einer bestimmten Wellenlänge gezielt „angeschaltet“, sodass sie leuchten. Liegen die Moleküle enger beieinander als 200 Nanometer, verschwimmen sie allerdings auch hier zu einem verwaschenen Fleck. Für Biologen und Mediziner bedeutete dies eine massive Einschränkung – denn für sie sind weitaus kleinere Strukturen in lebenden Zellen interessant.

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