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Smartwatch erkennt Vorhofflimmern

Herzrhythmus-Studie: Per Smartwatch Schlaganfall-Risiko senken?

| Autor / Redakteur: Christine Vollgraf* / Dr. Ilka Ottleben

Eine Smartwatch mit einer App, die den Herzrhythmus aufzeichnen kann.
Eine Smartwatch mit einer App, die den Herzrhythmus aufzeichnen kann. (Bild: (c) Preventicus GmbH, Jena)

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Vorhofflimmern ist die häufigste Störung des Herzrhythmus überhaupt. Tendenz steigend. Die Erkrankung erhöht das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden deutlich. Problem: Da Vorhofflimmern oft nur anfallartig auftritt und keine Beschwerden verursacht, bleibt es häufig unerkannt. Nun kommt eine aktuelle Studie zu dem Ergebnis, dass kommerziell erhältliche Smartwatches diese Herzrhythmusstörung korrekt erkennen.

Berlin – Vorhofflimmern ist die weltweit häufigste Herzrhythmusstörung. In Deutschland leiden nach Angaben des Kompetenznetzes Vorhofflimmern etwa eine Millionen Menschen an dieser Erkrankung – oft auch unbemerkt.

Bei einem gesunden Menschen schlagen die zwei Vorhöfe des Herzens im gleichen Rhythmus wie die zwei Herzkammern. Durch diesen regelmäßigen Takt wird kontinuierlich Blut durch den Körper gepumpt und die Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Beim Vorhofflimmern gerät dieser regelmäßige Sinusrhythmus durch anormale elektrische Impulse aus dem Takt, die Vorhöfe schlagen unkontrolliert – sie beginnen zu flimmern. Manche Patienten spüren das als Herzrasen in Form eines schnellen, ungleichmäßigen Puls und sind bei Belastung schnell erschöpft. Andere Patienten merken hingegen nichts von ihrer Erkrankung, insbesondere wenn sie anfallartig in Episoden auftritt. Gerade das ist tückisch, denn die Herzrhythmusstörung kann dramatische Folgen haben.

Vorhofflimmern erhöht Schlaganfall-Risiko

Als Folge des Vorhofflimmerns fließt das Blut unregelmäßig und staut sich in den Vorhöfen. Dort kann es verklumpen und Blutgerinnsel bilden. Löst sich ein solches Gerinnsel und wandert mit dem Blutstrom ins Gehirn droht ein Schlaganfall.

Experten erwarten, dass Vorhofflimmern in den nächsten 40 Jahren bei über 55-Jährigen sogar doppelt so häufig auftreten wird. Die Einnahme von Blutgerinnungshemmern, sogenannten Antikoagulantien, kann dieses Risiko jedoch um bis zu 70 Prozent reduzieren. Problem dabei ist, dass Vorhofflimmern häufig unentdeckt und damit unbehandelt bleibt.

Dieses Video erklärt, wie ein Schlaganfall durch Vorhofflimmern entsteht ((c) Boehringer Ingelheim):

Vorhofflimmern per Smartwatch rechtzeitig erkennen

Man weiß, dass durch verstärkte und verlängerte Screenings des Herzrhythmus Vorhofflimmern häufiger rechtzeitig erkannt wird. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) um Professor Marcus Dörr von der Universitätsmedizin Greifswald und seine Schweizer Kollegen vom Universitätsspital Basel konnten in einer aktuellen Studie nun zeigen, dass Smartwatches hier eine Möglichkeit bieten, den Herzrhythmus bequem und vergleichsweise günstig zu überwachen.

In einer prospektiven kontrollierten Studie haben sie dafür an 508 Personen mit und ohne Vorhofflimmern untersucht, ob eine Smartwatch mit einer App zur Aufzeichnung des Herzrhythmus Vorhofflimmern akkurat detektieren kann. Hierfür wurden die Aufzeichnungen der Smartwatches durch einen automatischen Algorithmus hinsichtlich des Vorliegens von Vorhofflimmern analysiert. Die Ergebnisse wurden mit einem mobilen Elektrokardiogramm (EKG)-Gerät verglichen, bei dem für die Messung je zwei Finger der rechten und linken Hand auf eine Elektrode gelegt werden. Diese EKGs wurden anschließend von Ärzten ausgewertet, denen keine weiteren Informationen über die Teilnehmer vorlagen. Dabei zeigte sich, dass die Smartwatch mindestens genauso gut und akkurat wie das mobile EKG Vorhofflimmern detektieren kann. „Besonders wichtig war, dass durch die App nicht zu viele falsch-positive Befunde erhoben wurden. Also Vorhofflimmern angezeigt wurde, wenn tatsächlich keines vorlag“, sagt Dörr. Denn dies würde unnötige Untersuchungen und Kosten nach sich ziehen.

Signalstörungen durch Bewegung

Allerdings gab es noch Probleme mit der Qualität des Signals. Meistens traten diese Störungen auf, wenn die Träger sich bewegten. Dann konnte die Smartwatch den Herzrhythmus nicht immer korrekt erfassen. In der Studie konnten die Wissenschaftler aufgrund schlechter Signalqualität 20 Prozent der Daten nicht auswerten. „Eine mögliche Lösung könnte sein, neben der Verbesserung des Algorithmus, den Herzrhythmus nachts mehrfach automatisiert aufzuzeichnen, wenn man sich weniger bewegt“, so DZHK-Wissenschaftler Dörr. Die Studie zeigte außerdem, dass eine wiederholte einminütige Aufzeichnung ausreicht, um Herzrhythmusstörungen zuverlässig zu entdecken. Durch ein verlängertes Aufzeichnungsintervall von drei oder fünf Minuten konnten keine besseren Ergebnisse erzielt werden.

Smartwatch könnte diagnostische Lücke füllen

Bevor die Smartwatch jedoch tatsächlich für ein Screening bei Risikopatienten eingesetzt werden kann, sind noch weitere größere klinische Studien nötig. Dafür läuft schon eine EU-finanzierte Studie, die untersucht, ob mit einer Smartwatch beschwerdefreies Vorhofflimmern bei Risikopatienten zuverlässig erkannt werden kann.

Momentan bekommen Patienten mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern ein Langzeit-EKG, das den Herzrhythmus für bis zu 72 Stunden aufzeichnet. Wird in dieser Zeitspanne nichts entdeckt, kann man nach den Leitlinien theoretisch damit aufhören, den Herzrhythmus zu überwachen. Ist das Risiko sehr hoch, können in ausgewählten Fällen kleine implantierbare Ereignisrekorder hinter das Brustbein operativ eingesetzt werden. Eine teure und invasive Methode. Auch andere, externe Geräte zur Rhythmusüberwachung sind kostspielig und werden von den Krankenkassen nicht bezahlt. Eine Smartwatch ist hier vergleichsweise günstig und kann theoretisch von jedermann erworben werden. Sie könnte daher zukünftig die Lücke zwischen dem Langzeit-EKG und einem implantierten Gerät schließen.

Zukünftig könnten elektronische Armbanduhren daher eingesetzt werden, um den Herzrhythmus von Patienten mit einem erhöhten Risiko bequem und regelmäßig zu überwachen. Vorhofflimmern könnte so früher entdeckt und dadurch das Risiko für einen Schlaganfall deutlich reduziert werden.

Originalpublikation: Dörr M, Nohturfft V, Brasier N, Bosshard E, Djurdjevic A, Gross S, Raichle CJ, Rhinisperger M, Stöckli R, Eckstein J.: The WATCH AF Trial: SmartWATCHes for Detection of Atrial Fibrillation. JACC Clin Electrophysiol. 2019 Feb;5(2): 199-208. Epub 2018 Nov 28. DOI:10.1016/j.jacep.2018.10.006.

* C. Vollgraf: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), 13347 Berlin

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