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Auch ohne Arzneimittel-Rückstände Im Trinkwasser enthaltenes Lithium senkt die Suizidrate

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Studien belegen, dass im Trinkwasser enthaltenes Lithium die Suizidrate senkt. Dieses Wissen hält auch dann, wenn Arzneirückstände von Lithiumverschreibungen berücksichtigt werden, wie eine aktuelle Untersuchung für Österreich im Rahmen eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF zeigt.

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Lithium kommt in geringen Mengen natürlich im Trinkwasser vor. Dies hat einen positiven Einfluss auf die Suizidrate, wie Studien belegen.
Lithium kommt in geringen Mengen natürlich im Trinkwasser vor. Dies hat einen positiven Einfluss auf die Suizidrate, wie Studien belegen.
(Bild: gemeinfrei)

Wien – Kann das wirklich sein oder handelt es sich um einen Zufall, dachte der Mediziner Nestor Kapusta, als er von einer japanischen Studie erfuhr, die festgestellt hatte, dass sich der Gehalt von Lithium im Trinkwasser auf die Suizidrate auswirkt. Was bedeutet, dass in Regionen, wo sich mehr von dem Leichtmetall im Wasser nachweisen lässt, weniger Suizidfälle verzeichnet werden – das war 2009. Inzwischen ist die Forschung weiter und mehrere Studien weltweit bestätigen diesen Zusammenhang, der von großer Bedeutung für die Suizidprävention sein könnte.

Geographische Untersuchungen starten

Forscher der Suicide Research Group an der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien haben einen wesentlichen Beitrag zu diesen Erkenntnissen geleistet, und konnten den Einfluss von Lithium aus natürlichen Quellen auf die Suizidrate auch für Österreich belegen. In ihrer jüngsten Untersuchung hat sich ein Team um Nestor Kapusta in einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF nun auch die Auswirkungen der Verschreibungsrate von Lithium, das seit Langem in der Therapie von affektiven Erkrankungen eingesetzt wird, auf den Trinkwassergehalt näher angesehen.

Über 6.000 Trinkwasserproben analysiert

„Wir konnten bereits 2011 nachweisen, dass der Zusammenhang von Lithium im Trinkwasser und Suizid auch dann signifikant blieb, wenn sozioökonomische und andere Faktoren wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit, das Pro-Kopf-Einkommen, die medizinische Betreuungsdichte oder Geschlechterverteilung der Regionen berücksichtigt werden“, so Kapusta. In dieser groß angelegten Studie der MedUni Wien hatte ein interdisziplinäres Team den Zusammenhang der Lithiumwerte von 6.460 Trinkwasserproben mit den Suizidraten in allen österreichischen Bezirken untersucht.

Offene Frage – Medikamentenrückstände

Es sei aber die Frage offengeblieben, so der Wissenschafter, ob die in Österreich verschriebenen Lithium-Medikamente, die vor allem zur Behandlung von wiederkehrenden Depressionen und bipolaren (manisch-depressiven) Erkrankungen seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt werden, einen Einfluss haben könnten. Denn einerseits werden diese vergleichsweise hoch dosierten Medikamente von Risikopersonen eingenommen, was bekanntermaßen die suizidpräventive Wirkung erhöht, andererseits werden sie ausgeschieden und gelangen wie auch andere Medikamente ins Trinkwasser. „Die Dosierung in der Therapie ist um ein Tausendfaches höher als der natürliche Gehalt im Wasser“, erklärt Kapusta. So könnten Rückstände in diesem Fall aber eine positive Auswirkung auf die Bevölkerung haben.

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