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Auch ohne Arzneimittel-Rückstände

Im Trinkwasser enthaltenes Lithium senkt die Suizidrate

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Keine Rückstände im Trinkwasser, bisheriges Wissen bleibt aufrecht

Um die Auswirkungen der Lithiumverschreibungen auf das Vorkommen des Leichtmetalls im Trinkwasser zu eruieren, haben der Suizidforscher und sein Team auf Basis der bisherigen Ergebnisse nun auch die geografischen Verschreibungsdaten aller Lithium-Medikamente in Österreich herangezogen. Mit dem Ergebnis, dass der Lithiumgehalt im Trinkwasser durch Verschreibungen so gut wie nicht beeinflusst wird. Auch die Suizidraten blieben im statistischen Mittel, ergänzt durch die Einberechnung der Verschreibungen, gleich. „Damit bleibt unser bisheriges Wissen aufrecht, dass Lithiumvorkommen im Trinkwasser eher aus natürlichen Quellen stammt und Auswirkungen auf die Suizidrate hat“, erklärt Kapusta.

Lithium ist kein Allheilmittel

Für die Medizin spricht es dafür, weiter an Lithium zu forschen und zu eruieren, welchen Einfluss auch Mikro-Dosen, wie sie im Trinkwasser vorkommen, auf den menschlichen Organismus haben. Gleichzeitig warnt Nestor Kapusta davor, Lithium als Wundermittel zu titulieren, wie es manche Berichte darstellen. Denn Suizid sei immer ein Phänomen, bei dem viele Faktoren zusammenkommen. Auch von der Überlegung das Spurenelement dem Trinkwasser beizumengen, hält Kapusta derzeit nichts. „Wir wissen nicht, wie sich solche geringen Dosen bei Schwangeren und Kindern auswirken. Lithium hat auch einen Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion. Da wäre weitere Grundlagenforschung nötig, um zu verstehen, ob Beimengungen unbedenklich sind.“

Forschung sieht Potenzial

Dass Lithium jedenfalls das Interesse der Forschung geweckt hat, zeigen laut Kapusta viele laufende Untersuchungen. So wurde festgestellt, dass bereits geringe Mengen des Leichtmetalls bei neurodegenerativen Erkrankungen wie etwa Alzheimer die Erkrankung verlangsamen, indem es das Absterben der Gehirnzellen hemmt. Auch Nestor Kapusta und sein Team stellen derzeit gemeinsam mit der Kollegin Gerda Egger vom Klinischen Institut für Pathologie und Daniel König von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Untersuchungen an bestimmten Gehirnzellen, den Neuroblastomzellen, an. „Es gibt Studien an Einzellern, die zeigen, dass Lithium über die Regulation eines Enzyms, des GSK-3, deren Lebensdauer um 5 Prozent verlängert. Das sind erstaunliche Wirkungen eines einfachen natürlich in der Umwelt vorkommenden Ions“, so Kapusta.

Originalpublikationen:

Helbich M, Leitner M, Kapusta ND: Lithium in drinking water and suicide mortality: interplay with lithium prescriptions, in: British Journal of Psychiatry; 207(1):64-71, 2015, doi:10.1192/bjp.bp.114.152991.

Kapusta ND, König D: Naturally occurring low-dose lithium in drinking water. In: Journal of Clinical Psychiatry; 76(3):e373-4, 2015, doi:10.4088/JCP.14com09574.

Kapusta ND, König D: Natural Lithium Contents in Drinking Water and Suicide Mortality Across the Globe, in: European Psychiatry 30: S. 28-31, 2015.

Nestor D. Kapusta, Nilufar Mossaheb, Elmar Etzersdorfer, Gerald Hlavin, Kenneth Thau, Matthäus Willeit, Nicole Praschak-Rieder, Gernot Sonneck, Katharina Leithner-Dziubas: Lithium in drinking water and suicide mortality, in: The British Journal of Psychiatry; 198 (5) 346-350, 2011, doi:10.1192/bjp.bp.110.091041.

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