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Elektrospinning macht es möglich Krankenhausmaske gibt Blick auf das Gesicht frei

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Ein Mundschutz im Krankenhaus soll Personal und Patienten vor Infektionen schützen. Nachteil herkömmlicher Krankenhausmasken ist aber, dass sie auch die Mimik des Tragenden verdeckt und damit die Unsicherheit des Patienten steigern kann. Am Empa haben nun Wissenschaftler eine Maske entwickelt, die durchsichtig ist, trotzdem aber den Schutz vor Viren und Bakterien aufrecht erhält.

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Hinter dem herkömmlichen Mundschutz können Patienten Gesichtregungen von ärztlichen Personal nicht erkennen. Dies führt zu zusätzlicher Unsicherheit.
Hinter dem herkömmlichen Mundschutz können Patienten Gesichtregungen von ärztlichen Personal nicht erkennen. Dies führt zu zusätzlicher Unsicherheit.
(Bild: - © M.Doerr & M.Frommherz GbR)

Dübendorf/ Schweiz – Wer zu einer Behandlung ins Krankenhaus muss, ist ohnehin nicht bester Stimmung. Beunruhigender noch ist die Situation für kleine Kinder oder Betagte, die, überfordert von Schmerzen und medizinischen Prozeduren, gesund werden sollen. Denn wie soll eine „Maskierte“ einem Kleinkind eine tröstende Geschichte vorlesen? Und wie soll ein geschwächter Patient begreifen, was die vermummte Gestalt mit der Spritze will? Einfacher ließe sich der Umgang mit Patienten gestalten, wenn Lippen und Mimik des Gesichts trotz Mundschutz zu sehen wären. Aus diesem Grund entwickeln Forscher der Empa in St. Gallen und des Essential-Tech-Programms der EPFL derzeit die „Hello Mask“, in die eine transparente Filterfolie integriert ist.

„Ein herkömmlicher Mundschutz besteht aus mehreren Lagen relativ dicker Fasern“, sagt Empa-Forscher Giuseppino Fortunato. Und obwohl die einzelnen Fasern der weißen oder grünen Masken durchaus durchsichtig sein können, führen ihr Durchmesser und die Verarbeitung dazu, dass auftreffendes Licht gestreut wird bis die Maske blickdicht erscheint. Die gesponnen Fasern der „Hello Mask“ sollen hingegen eine durchsichtige Fläche freilassen, die den Blick auf die Lippen freigibt und so auch eine nonverbale mimische Kommunikation mit den Patienten erlaubt.

Porengröße von nur 100 Nanometern

Damit aber auch die durchsichtige Folie Krankheitserreger aus der Atemluft der Träger filtert, darf sie lediglich winzige Poren enthalten. So werden beispielsweise Patienten mit einem geschwächten Immunsystem vor Infektionen geschützt. Auch in umgekehrter Weise soll die Maske Keime abhalten: Pflegepersonal und Angehörige von Menschen, die an hochansteckenden Krankheiten wie Ebola leiden, wünschen sich einen humaneren Umgang mit den Patienten, ohne ihre eigene Gesundheit zu gefährden. Die „Hello Mask“ soll so mehr Menschlichkeit in den Kontakt mit den hochansteckenden Kranken bringen.

Die Empa-Forscher haben feine Membranen mit einer Porengrösse von etwa 100 Nanometern mittels Elektrospinning hergestellt.
Die Empa-Forscher haben feine Membranen mit einer Porengrösse von etwa 100 Nanometern mittels Elektrospinning hergestellt.
(Bild: Empa)

„Wir können derartige feine Membranen mit einer Porengröße von etwa 100 Nanometern mittels so genanntem Elektrospinnen herstellen“, erklärt Fortunato. Die Herausforderung bei der Produktion einer solchen Maske ist allerdings, dass genügend Luft durch das engmaschige Material der Maske strömen kann. Momentan analysieren die Materialforscher, mit welchen Arten von Polymerfasern sich eine Folie mit maximaler Atmungsaktivität erzeugen lässt.

Bereits 2016 erhielten die beteiligten Forscher den „Challenge Debiopharm-Inartis Award“-Preis als Anschubfinanzierung. Das unter anderem von der Gebert Rüf-Stiftung und der Staub Kaiser-Stiftung finanzierte Projekt läuft noch bis Ende 2019. Das Essential-Tech-Programm der EPFL wird die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Produkts vorantreiben, damit die „Hello Mask“ möglichst rasch für die industrielle Produktion bereit steht.

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