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Deutsche Akkreditierungsstelle

„Termintreue, Transparenz, Tempo“: Neue Gebührenverordnung der DAkkS erntet Kritik

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Gerade in Zeiten einer neuen Gebührenordnung wünscht sich Anton Blöth Termintreue, Transparenz und Tempo seitens der DAkkS.
Gerade in Zeiten einer neuen Gebührenordnung wünscht sich Anton Blöth Termintreue, Transparenz und Tempo seitens der DAkkS. (Bild: VUP e.V.)

Gebührenverordnung der DAkkS erntet Kritik // Die neue Gebührenverordnung der Deutschen Akkredi­tierungsstelle tritt am 1. Juli 2018 in Kraft. Kritiker befürchten u.a. steigende Akkreditierungskosten. Ein Gespräch mit Anton Blöth vom Deutschen Verband Unabhängiger Prüflaboratorien (VUP).

LP: Die neue Gebührenverordnung der DAkkS, die am 1. Juli 2018 in Kraft treten soll, wird vom Deutschen Verband unabhängiger Prüflaboratorien kritisch gesehen. Woran liegt das?

Anton Blöth: Die neue Gebührenverordnung wird nicht nur von uns kritisch gesehen. Ich habe bisher noch niemanden getroffen, der die Verordnung gut findet. Der Umstieg in eine reine Zeit- bzw. Aufwandsabrechnung mag ja auf den ersten Blick richtig und ein Beitrag für mehr Transparenz sein. Ferner ist mit der neuen Gebührenordnung auch der Weg frei in eine entfristete Akkreditierung. Aber, großes Aber: diese Zeitenwende hat einen entscheidenden Webfehler: es fehlen künftig jegliche Möglichkeiten und Vorgaben, den in Rechnung gestellten Arbeits- und Zeitaufwand der DAkkS nachvollziehen, kontrollieren oder gar eingrenzen zu können. In der alten Gebührenordnung gab es zumindest Rahmen- und Pauschalsätze für bestimmte Akkreditierungstätigkeiten. Damit musste die DAkkS zurechtkommen. Jetzt tickt allein die Uhr. Und wir alle wissen, dass die in der DAkkS manchmal ziemlich lange ticken kann.

LP: Was kritisieren Sie konkret?

Blöth: Wir alle kennen die Debatten um die Arbeitsweisen der Akkreditierungsstelle sowie die Kritik an schwerfälligen und v.a. langwierigen Bearbeitungs- und Entscheidungsprozessen. Wir wissen um die Größe dieser Baustellen und der neue DAkkS-Geschäftsführer ist um diese Aufgabe nicht zu beneiden. An dieser Stelle besteht allerdings die größte Sorge der Kunden der DAkkS, dass eben genau jene Baustellen, die regelmäßig in langen Bearbeitungszeiten enden, sich in nochmals steigenden Akkreditierungskosten niederschlagen. Ich weiß, dass das mancher in der DAkkS nicht gerne hört, aber diese Gebührenordnung ist wie eine verführerische Einladung zum Gelddrucken hinter blickdichten Vorhängen. Wer die Debatten vergangener Tage um die Akkreditierungskosten und Gebührenhöhen kennt, sollte wissen, dass das ein Sprengfass ist.

LP: Und was fordern Sie?

Ergänzendes zum Thema
 
Zur Person Anton Blöth

Blöth: Erforderlich sind Sicherungsmechanismen bestehend aus Kalkulation, Kontrolle und inhaltlichen Vorgaben (z.B. für Umfang, Tiefe und Frequenz von Begutachtungen), um eine nachvollziehbare und hinsichtlich des zeitlichen Aufwands eingrenzbare Aufgabenerfüllung durch die DAkkS zu gewährleisten. Die Umstellung auf reine Zeitgebühren kann nur akzeptiert werden, wenn es gelingt, die Prozesse der DAkkS effizienter zu gestalten. Ich bin froh, dass das auch Bundesministerin Zypries so sieht. Nachdem wir in unserer Kritik nicht nachgegeben haben, kam es Ende letzten Jahres zu einem Gespräch mit ihr. Es wurde ein Weg vereinbart, gemeinsam mit der DAkkS ein flankierendes Programm zur Stärkung von Transparenz, Effizienz und Kundenorientierung der DAkkS zu erarbeiten. Die Arbeiten dazu haben vor kurzem begonnen.

LP: Wie wirkt sich die neue Regelung auf Ihre Mitgliedsunternehmen aus?

Blöth: Das Wirtschaftsministerium selbst geht davon aus, dass es durch die neue Gebührenverordnung zu Mehrkosten für die Wirtschaft kommt, unterlässt aber – wie eigentlich üblich – eine Rechtsfolgen- bzw. Kostenschätzung für die Betroffenen. Dabei ist schon aus dem Vergleich der bisher angesetzten (100 Euro/h) und zukünftigen Stundenverrechnungssätze (147, 116 und 120 Euro) ersichtlich, dass sich die Akkreditierung in Deutschland erheblich verteuern wird. Praxisnahe Modellrechnungen für typische Akkreditierungstätigkeiten zeigen, dass allein dafür Kostenerhöhungen von ca. 40 bis 100% für die Konformitätsbewertungsstellen drohen. Kommt das in dieser Dimension, dann ist zu befürchten, dass Konformitätsbewertungsstellen derartige Kostensteigerungen nicht kompensieren können und damit eine Marktbeeinflussung „qua jure“ droht, ebenso wie Benachteiligungen deutscher Konformitätsbewertungsstellen im internationalen und europäischen Wettbewerb. Auch ist nicht auszuschließen, dass Labore, die nicht zwingend auf die Akkreditierung angewiesen sind, künftig auf diese verzichten oder den Geltungsbereich ihrer Akkreditierung drastisch einschränken. Für das Akkreditierungswesen im Ganzen wäre das keine gute Entwicklung. Auch die DAkkS kann daran eigentlich kein Interesse haben. Noch einmal: Es geht nicht um eine Akkreditierung zum Nulltarif. Es geht darum, dass die Akkreditierung im wahrsten Sinne des Wortes ihren Preis wert ist. Und das ist sie aus unserer Sicht nur dann, wenn sie bei aller Notwendigkeit der Erfüllung hoheitlicher Aufgaben so effizient wie möglich, transparent und kundenorientiert erfolgt.

LP: Lassen sich noch Änderungen an der Verordnung vornehmen ?

Blöth: Die Gebührenverordnung ist ohne große Änderungen Ende Dezember 2017 verkündet worden und tritt am 1. Juli in Kraft. Das, was wirklich erforderlich ist und wir im Kern kritisiert haben, ließ sich schwerlich in der Verordnung lösen. Wichtig war daher, dass wir gemeinsam mit Frau Zypries, VdTÜV und BDI erreicht haben, dass bis zu ihrem Inkrafttreten ein flankierendes Maßnahmenpaket geschnürt wird, um eine nachvollziehbare, angemessene und effiziente Leistungserbringung der DAkkS zu befördern. Unseren Vorstellungen nach gehört dazu ein aussagekräftiger Kostenvoranschlag, der den Kunden darüber Auskunft gibt, wann, welche Arbeitsschritte der DAkkS in welchem vor allem auch zeitlichen und damit kostenmäßigen Umfang geplant sind. Dazu gehört auch die Festschreibung von Grundsätzen und Kriterien zur Tiefe, Umfang und Frequenz von Begutachtungen, einem der größten Kostenblöcke auf einer DAkkS-Rechnung. Notwendig ist last but not least ein transparentes Controlling v.a. auch administrativer Akkreditierungstätigkeiten, welches deren Plausibilität und Wirtschaftlichkeit regelmäßig evaluiert und dokumentiert, um daraus eine Art Benchmarking zu entwickeln. Die Deutsche Bahn hat sich ein Pünktlichkeitsziel gesetzt und dokumentiert dies –manchmal auch mit Schmerzen – gegenüber der Öffentlichkeit. Etwas Ähnliches kann ich mir gut für die DAkkS vorstellen, geht es bei ihr ja auch um Termintreue, Transparenz und Tempo. In Zeiten einer neuen Gebührenordnung mit reiner Zeitabrechnung umso mehr.

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