Worldwide China

Studie belegt

Lernvorteile für Computerspieler

| Redakteur: Marc Platthaus

Sabrina Schenk und Boris Suchan haben die Lernleistung von Computerspielern getestet.
Bildergalerie: 1 Bild
Sabrina Schenk und Boris Suchan haben die Lernleistung von Computerspielern getestet. (Bild: RUB, Marquard)

„Computerspiele machen doof“ – die Meinung vieler Eltern kann, glaubt man Wissenschaftlern der Uni Bochum, so nicht mehr gehalten werden. In einer aktuellen Studie haben die Forscher Lernvorteile bei Computerspielern gegenüber Nicht-Gamern ausgemacht.

Bochum – Neuropsychologen der Ruhr-Universität Bochum haben Computerspieler und andere Probanden bei einer Lernaufgabe gegeneinander antreten lassen. Die Gamer schnitten signifikant besser ab und zeigten während des Tests eine höhere Aktivität in einem lernrelevanten Hirnbereich.

Wettervorhersage als Aufgabe

Das Forscherteam untersuchte 17 Freiwillige, die laut eigener Angabe mehr als 15 Stunden pro Woche actionbasierte Spiele auf dem Computer oder der Spielekonsole spielten. Zusätzlich gab es eine Kontrollgruppe mit 17 Teilnehmern, die nicht regelmäßig spielten. Beide Gruppen absolvierten den so genannten Wettervorhersagetest, einen etablierten Test, der das Lernen von Wahrscheinlichkeiten erfasst. Gleichzeitig zeichneten die Forscher die Hirnaktivität der Probanden mit der Magnet-Resonanz-Tomografie auf.

In jedem Testdurchgang bekamen die Teilnehmer eine Kombination aus drei Spielkarten gezeigt und sollten einschätzen, ob die Karten Regen oder Sonnenschein vorhersagen. Anschließend bekamen sie Feedback, ob ihre Antwort richtig war. Anhand des Feedbacks sollten sie mit der Zeit lernen, welche Symbolkombination für welche Wettervorhersage stand. Die Kombinationen waren dabei mit unterschiedlich hohen oder niedrigen Wahrscheinlichkeiten für Regen und Sonnenschein verknüpft. Nach Abschluss der Aufgabe füllten die Probanden einen Fragebogen aus, mit dem das erlernte Wissen über die Spielkarten und ihre Bedeutung abgefragt wurde.

Videospieler besser bei hoher Unsicherheit

Die Gamer waren deutlich besser darin, die Spielkarten mit den Wetterwahrscheinlichkeiten zu verknüpfen, als die Kontrollgruppe. Sie schnitten vor allem bei Spielkartenkombinationen mit hoher Unsicherheit gut ab – zum Beispiel, wenn eine Kombination in 60 Prozent der Fälle Regen und in 40 Prozent der Fälle Sonnenschein vorhersagte.

Die Analyse der Fragebögen ergab, dass die Spieler außerdem mehr Einsicht über die Bedeutung der Karten gewonnen hatten. „Unsere Studie zeigt, dass Videospieler besser darin sind, Situationen schnell zu erfassen, neues Wissen zu generieren und Wissen zu kategorisieren – und das vor allem in Situationen mit hoher Unsicherheit“, sagt Erstautorin Sabrina Schenk.

Diese Art des Lernens ging mit einer gesteigerten Aktivität im Hippocampus einher, einem Hirnbereich, der eine entscheidende Rolle für das Lernen und Gedächtnis spielt. „Wir glauben, dass Videospiele bestimmte Gehirnregionen wie den Hippocampus trainieren“, so Schenk. „Das ist nicht nur für junge Leute spannend, sondern auch für Ältere; denn im Alter führen Veränderungen im Hippocampus dazu, dass die Gedächtnisleistung nachlässt. Vielleicht könnte man das in Zukunft mit Videospielen therapieren.“

Originalpublikation:

Sabrina Schenk, Robert K. Lech, Boris Suchan: Games people play: How video games improve probabilistic learning, in: Behavioral Brain Research, 2017, DOI: 10.1016/j.bbr.2017.08.027

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44936264 / Wissenschaft & Forschung)