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Analytik mit Quantenkaskadenlasern Medikament oder Plagiat?

| Autor / Redakteur: Dr. Anne-Julie Maurer* / Christian Lüttmann

Stellen Sie sich vor, Sie halten zwei Medikamente in Händen. Eines von beiden ist ein Plagiat, das andere ist das Original. Beide sind optisch identisch. Lassen sich die beiden Präparate trotzdem unterscheiden? Die Antwort lautet: Ja. Experten vom Fraunhofer Institut für Angewandte Festkörperphysik arbeiten an einem Quantenkaskadenlaser, der Medikamente in Bruchteilen einer Sekunde exakt identifizieren kann.

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Miniaturisierter, breitbandig spektral abstimmbarer Quantenkaskadenlaser mit Emissionswellenlängen im mittleren Infrarot-Bereich und hoher Scanfrequenz bis zu 1 kHz.
Miniaturisierter, breitbandig spektral abstimmbarer Quantenkaskadenlaser mit Emissionswellenlängen im mittleren Infrarot-Bereich und hoher Scanfrequenz bis zu 1 kHz.
(Bild: Fraunhofer IAF)

Freiburg – Qualitätskontrolle spielt in der Medizin eine besondere Rolle. Schließlich sollen die Medikamente beim Patienten die versprochene Wirkung zeigen. Die Zusammensetzung jeder Tablette eines Präparates muss daher exakt die gleiche sein. Um das schneller als bisher zu überprüfen, haben Forscher des Fraunhofer Instituts für Angewandte Festkörperphysik IAF in Freiburg ein neues Messsystem entwickelt, das auf einem speziellen Laser basiert: dem Quantenkaskadenlaser (QCL).

Wie das System Plagiate erkennt

Die Technologie hinter der Innovation ist die Rückstreuspektroskopie. Sie macht sich zunutze, dass jede chemische Substanz einen individuellen Anteil infraroten Lichts absorbiert. „Bestrahlen wir eine Substanz mit einer entsprechenden Lichtquelle, erhalten wir eine für den Stoff charakteristische Rückstreuung“, schildert Dr. Ralf Ostendorf, Leiter des Geschäftsfeldes „Halbleiterlaser“ am IAF. Durch den Vergleich mit Referenzproben können verdächtige Präparate somit erkannt werden.

Besonders gut eignet sich der Bereich des mittleren Infrarotspektrums, um Stoffe und Substanzen zweifelsfrei zu identifizieren. Das Licht hat hier eine Wellenlänge von drei bis zwölf Mikrometern. Moleküle weisen in diesem Spektralbereich ein charakteristisches Absorptionsverhalten auf, was das QCL-Messsystem hervorragend nachweisen kann, heißt es in einer Pressemeldung des Fraunhofer Instituts.

Schnell und exakt

Der QCL kann in wenigen Millisekunden gezielt auf einzelne Absorptionslinien innerhalb eines sehr breiten Spektralbandes eingestellt werden. Das bedeutet, dass in kürzester Zeit sehr viele Informationen zum Absorptionsverhalten einer Substanz ermittelt werden können.

„Mithilfe der hohen spektralen Brillanz des Lasers und der schnellen Wellenlängenabstimmung sind rasch sehr exakte Rückschlüsse möglich – ähnlich eines menschlichen Fingerabdrucks“, erklärt Ostendorf. Der entwickelte QCL schafft es somit, selbst kleinste Mengen einer bestimmten Substanz in Echtzeit nachzuweisen, was eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu bisherigen Systemen darstellt.

Echtzeitkontrolle am laufenden Band

Derzeit macht das Projekt-Team die Laser fit für den Einsatz in der Pharmabranche: Im Labor haben die Forscher mit ihrer Methode bereits zuverlässig die Wirkstoffe von Pillen gegen Kopfschmerz und Fieber ermittelt. In Zukunft soll die Technologie in der Massenproduktion von Arzneimitteln als Echtzeitkontrolle eingesetzt werden. Schon im Produktionsprozess sollen Präparate aussortiert werden können.

„Es lassen sich nicht nur rasch fehlerhafte Margen aussortieren, sondern auch Medikamentenplagiate zuverlässig aufspüren. Die aufwändige und teure händische Kontrolle im Labor wäre obsolet“, fasst Ostendorf den Mehrwert zusammen.

Aktuell suchen die Freiburger Forscher Industriepartner, um ihren Ansatz weiterzuentwickeln. „Erste Gespräche haben bereits stattgefunden. Im nächsten Schritt wollen wir mit unserer Sensorik auch einzelne Substanzen einer Wirkstoffmischung quantifizieren“, skizziert Ostendorf zukünftige Herausforderungen.

Über das Forschungsprojekt

Die präzisen Quantenkaskadenlaser entwickeln Forscher des Fraunhofer IAF gemeinsam mit Kollegen des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme IPMS in Dresden. Das Fraunhofer IAF arbeitet dabei an der Weiterentwicklung der Laserchips, das Fraunhofer IPMS ist für das miniaturisierte optische Beugungsgitter der Laser verantwortlich. Durch die Drehung dieses Gitters kann die Wellenlänge beim „Beleuchten“ der Substanzen kontinuierlich abgestimmt werden.

Die Ursprünge des Verfahrens liegen in dem Bereich der Sicherheitstechnik: Im EU-Projekt „Chequers“ entwickelt das Fraunhofer IAF beispielsweise einen tragbaren auf Quantenkaskadenlasern basierenden Detektor, der explosive oder toxische Substanzen berührungslos aus sicherer Entfernung erkennen kann.

* Dr. Anne-Julie Maurer: Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF, 79108 Freiburg

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