Suchen

Pflanzenschutz Natürliche Wirkstoffe gegen Feuerbrand

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Wenn Blüten und Blätter von Obstbäumen plötzlich welken und sich dunkel verfärben, kann das ein Zeichen für Feuerbrand sein – eine gefürchtete Pflanzenkrankheit, die man normalerweise mit dem Antibiotikum Streptomycin bekämpft.

Firmen zum Thema

Mit Einzelblütentests können im Labor Wirkstoffe realitätsnah getestet werden. (Bild: TU Wien/Christian Gosch)
Mit Einzelblütentests können im Labor Wirkstoffe realitätsnah getestet werden. (Bild: TU Wien/Christian Gosch)

Wien/Österreich – An der TU Wien hat man nun umweltverträgliche Alternativen zum Antibiotikum Streptomycin gesucht und erfolgreich getestet. Heidrun Halbwirth wird dafür von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle mit dem KIWIE-Preis (Silbermedaille der Korea International Women's Invention Exposition) ausgezeichnet. Dieser Preis prämiert Forschungsarbeit, die in konkrete Erfindungen mündet.

Vom Apfel erzeugt, im Labor kopiert

Die chemische Strategie, mit der man den Feuerbrand in Zukunft bekämpfen will, hat man sich vom Apfel selbst abgeschaut: „Der Ausganspunkt unserer Forschung war ein Test von Wachstumsregulatoren, die man verwendet, damit Apfelbäume nicht zu groß werden“, erzählt Heidrun Halbwirth. „Erstaunlicherweise zeigte sich, dass diese Apfelbäume auch resistenter gegen Feuerbrand sind.“ Man untersuchte also, welche Substanzen für diesen Effekt verantwortlich sind – und wurde bei den Flavonoiden fündig. Flavonoide sind eine Gruppe von Pflanzenstoffen, die unter anderem auch in vielen Pflanzen die Blütenfarbe bestimmen.

Bildergalerie

Instabile Verbindung: Der Trick mit dem Enzym

Es ist allerdings nicht genug, diese Flavonoide künstlich herzustellen und zum Schutz gegen Feuerbrand auf die Pflanzen aufzusprühen. „So wie die Substanz beim Apfelbaum gefunden wurde ist sie industriell nicht nutzbar, weil sie sehr instabil ist“, erklärt Heidrun Halbwirth. Am Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften (AG Prof. Stich) wurde daher ein Verfahren entwickelt, die chemische Verbindung nutzbar zu machen. Ein stabiles Derivat des gewünschten Wirkstoffes wurde hergestellt, das man vor der Verwendung durch die Beifügung eines zusätzlichen Enzyms aktiviert. Danach kann die Substanz direkt auf die blühenden Apfelbäume aufgespritzt werden – der Wirkstoff entsteht dann direkt auf der Apfelblüte aus der frisch aktivierten, stabileren Substanz.

Auch Walnüsse helfen

Die Herstellung von umweltfreundlichen Wirkstoffen gegen den gefürchteten Feuerbrand beschäftigt die Forschergruppe um Heidrun Halbwirth schon seit Jahren. „Auch aus Walnüssen kann man einen Stoff gewinnen, der gegen Feuerbrand wirkt“, sagt Gruppenmitglied Christian Gosch von der TU Wien. In Labor- und Freilandversuchen erzielte man mit dem aus Walnüssen extrahierten Wirkstoff Juglon und den enzymatisch aktivierten Flavonoiden schon große Erfolge – auch Firmen zeigen bereits grosses Interesse an einer raschen Umsetzung in ein marktfähiges Produkt.

Auszeichnung für TU-Forscherin

Für Forscherinnen, deren wissenschaftliche Erkenntnisse sich unmittelbar industriell umsetzen lassen, wurde auch in diesem Jahr wieder der KIWIE-Preis der Korea International Women`s Invention Exposition vergeben. Heidrun Halbwirth bekam für die Arbeiten zur Feuerbrand-Bekämpfung die KIWIE-Silbermedaille zuerkannt. Vergeben wurde die Auszeichnung am 12.12. vom österreichischen Bundesminister für Wissenschaft und Forschung Karlheinz Töchterle. Schon im Vorjahr konnte Halbwirth eine KIWIE-Auszeichnung erringen, und auch ist es nicht der erste Preis für die Forscherin: Halbwirth konnte bereits den Förderpreis „PRIZE 2010“ vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend und einen Preis der Dr. Maria Schaumayer-Stiftung entgegennehmen. Unterstützt wird die industrielle Umsetzung der Erfindung vom Forschungs- und Transfersupport der TU Wien.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 30930910)