Einen marktfähigen, vollständig bio-basierten und nicht-toxischen Weichmacher für den Einsatz in Elastomeren und Thermoplasten will das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS gemeinsam mit Partnern entwickeln. Mit Rapsöl als Ausgangsprodukt sollen so etwa nachhaltigere Lösungen für Reifen und Verpackungen möglich werden.
In der Anlage von Glaconchemie in Merseburg sollen die neuartigen Weichmacher hergestellt werden.
(Bild: Glaconchemie)
Weichmacher werden genutzt, um Kunststoffe bereits im Herstellungsprozess oder bei der späteren Nutzung flexibler und biegsamer zu machen. Gängige industriell hergestellte Weichmacher wie Phthalate werden allerdings kritisch betrachtet, weil einige von ihnen potenziell gesundheitsschädlich sein können und/oder die Umwelt belasten.
„Solche Weichmacher kommen nicht nur in traditionellen Kunststoffen häufig zum Einsatz, sondern auch in Bio-Polymeren, deren Umweltverträglichkeit sie dann beeinträchtigen. Weltweit wird deshalb nach Alternativen gesucht, die eine mindestens vergleichbare Qualität zu bezahlbaren Preisen bieten und idealerweise aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden können“, sagt Dr.-Ing. Patrick Hirsch, Gruppenleiter „Nachhaltige Werkstoffe und Prozesse“, der das Projekt am Fraunhofer IMWS leitet.
Genau diese Lösung wollen die Partner innerhalb des Projekts finden, das im Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Das Konsortium setzt dabei auf in Mitteldeutschland bereits vorhandene Kompetenzen und Möglichkeiten. Neben dem Fraunhofer IMWS bringen sich die Glaconchemie und Polymer Service aus Merseburg ein, als assoziierte Partner werden das Folienwerk Wolfen, Expinos und das Reifenwerk Heidenau die im Forschungsvorhaben entstehenden Produktmuster testen.
Die Projektpartner setzen auf biobasierte Glycerinderivate, die im großtechnischen Maßstab beispielsweise aus Rapsöl gewonnen werden und speziell an die Anforderungen unterschiedlicher Polymerwerkstoffe angepasst werden können. Der neuartige Weichmacher soll ein verbessertes Migrationsverhalten in thermoplastischen und elastomeren Biopolymeren aufweisen, was Vorteile insbesondere für die Verarbeitbarkeit und die Dauergebrauchseigenschaften dieser Werkstoffe mit sich bringt. „Konkret wollen wir Alkohole aus diesem biobasierten Glycerin erzeugen, die dann mit speziellen Fettsäuren verestert werden. Im zweiten Schritt der Synthese werden deren Doppelbindungen epoxidiert“, schildert Hirsch den Ansatz. Die entwickelten biobasierten Weichmacher sollen anschließend in thermoplastische und elastomere Biopolymere eingearbeitet werden, etwa für Folien, Verpackungen oder Reifenmischungen.
Die Schwierigkeiten reichen dabei von der Wahl des eingesetzten Alkohols für Modellrezepturen über die Fettsäurezusammensetzung bis hin zur Modifizierung der Doppelbindungen der Fettsäuren. Zugleich führt jede neue Variante bei den Weichmachern zu spezifischen Wechselwirkungen im jeweiligen Polymer-System, damit auch zu unterschiedlichen Eigenschaften des Kunststoffs und zunächst unbekannten Auswirkungen auf die Verarbeitbarkeit. „Im Kern müssen wir erreichen, dass die neuartigen Weichmacher flexibel bleiben, aber ihre Migration einschränken, damit sie nicht Umwelt oder Gesundheit beeinträchtigen. Zudem müssen sie ideal mit den von uns gewählten Biopolymeren wechselwirken. Nicht zuletzt ist die wirtschaftliche Umsetzung sehr herausfordernd“, sagt Hirsch.
Das Fraunhofer IMWS wird sich, basierend auf seiner Expertise zu Struktur-Eigenschaftsbeziehungen von Materialien und zum Hochskalieren und Optimieren von Verarbeitungsprozessen, dabei insbesondere mit der Eigenschaftsmodifizierung von thermoplastischen Biopolymeren beschäftigen, die für Extrusionsanwendungen wie Folien oder Spritzgussanwendungen wie Verpackungen infrage kommen. So wird Elektronenmikroskopie für die morphologische Charakterisierung eingesetzt, die mechanischen und thermo-mechanischen Eigenschaften werden durch Zug-, Biege- und Kerbschlagversuche sowie dynamisch-mechanische Analyse ermittelt. Angestrebt wird zudem das Upscaling in den Technikumsmaßstab mit der Herstellung größerer Mengen der neuartigen Kunststoffe mittels Doppelschneckencompoundierung, wobei auch ein kontinuierliches Dosiersystem für das Einbringen der flüssigen Glycerinderivate in die Schmelzemische entwickelt werden soll.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Ziel sind vollständig biobasierte Materialsysteme und passende Herstellungsverfahren in industriellen Größenordnungen, die für weitere Biopolymere adaptierbar und in bestehenden Verarbeitungsmaschinen ohne Umbau einsetzbar sind. Hirsch: „Wenn das gelingt, haben wir einen sehr attraktiven Weichmacher, der viele derzeitige Lösungen ersetzen kann. Und wir schaffen in Mitteldeutschland regionale Wertschöpfungsketten vom pflanzlichen Rohstoff bis zum fertigen Biokunststoffbauteil.“
Diese Meldung erschien zuvor auf unserem Schwesterportal www.process.de.