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Bundesinstitut warnt vor PFAS-Aufnahme Perfluorierte Alkyle: Manche Menschen nehmen zu viel auf

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen werden für diverse Produkte wie Funktionskleidung, Kosmetika oder Pfannen-Antihaftbeschichtungen genutzt. Experten des Bundesinstituts für Risikoforschung warnen nun davor, dass es Gruppen in der Bevölkerung gibt, die zu viel dieser Industriechemikalie über die Nahrung aufnehmen.

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Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen werden wegen ihrer wasserabweisenden Funktion für unter anderem für die Beschichtung von Outdoor-Bekleidungen verwendet.
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen werden wegen ihrer wasserabweisenden Funktion für unter anderem für die Beschichtung von Outdoor-Bekleidungen verwendet.
(Bild: ©Claudiu - stock.adobe.com)

Berlin – Einige Bevölkerungsgruppen in Deutschland überschreiten mit ihrer Ernährung den gesundheitsbasierten Richtwert für bestimmte industriell hergestellte per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Dies ist das Ergebnis einer Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „PFAS sind in Lebensmitteln unerwünscht“, sagt Professorin Dr. Tanja Schwerdtle, Vizepräsidentin des BfR. „Obwohl die PFAS-Gehalte im Blut der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen sind, weisen aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass auch die derzeitigen Gehalte noch zu hoch liegen.“ Es bestehen derzeit allerdings noch wissenschaftliche Unsicherheiten bei der Abschätzung, wieviel PFAS tatsächlich aufgenommen werden und welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. „Die Menschen in Deutschland können die Aufnahme von PFAS kaum beeinflussen. Umso wichtiger ist es, Datenlücken zu schließen und die Aufnahme von PFAS trotz des rückläufigen Trends weiter zu vermindern“, ergänzt Vizepräsidentin Schwerdtle.

Datenlage muss noch weiter untersucht werden

Die Gesamtschau der Ergebnisse zeigt, dass Teile der Bevölkerung in Deutschland gegenüber bestimmten PFAS oberhalb des gesundheitsbasierten Richtwerts exponiert sind. Betrifft dies Mütter, kann es bei ihren lange gestillten Säuglingen in den ersten Lebensjahren zu einer verminderten Konzentration an Impfantikörpern im Blutserum kommen. Bisher ist die Datenlage nicht ausreichend um zu beurteilen, ob für diese Kinder tatsächlich ein allgemein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Ebenfalls unzureichend ist gegenwärtig die Datenlage zur Frage, ob es bei entsprechender Expositionshöhe auch bei Erwachsenen und Jugendlichen zu Auswirkungen auf die Höhe der Konzentrationen von Impfantikörpern kommen kann. Möglichen Risiken durch eine verminderte Bildung von Impfantikörpern bei lange gestillten Kindern stehen die zahlreichen und gut untersuchten Vorteile langen Stillens für Kind und Mutter entgegen.

Hohe Gehalte bei Innereien, Wildtieren und bestimmten Fischen

Die mediane Exposition Erwachsener und Jugendlicher liegt im Bereich der tolerierbaren Aufnahmemenge für PFAS. Das heißt, dass bei etwa 50 Prozent der Erwachsenen und Jugendlichen die langfristige Aufnahme über die Ernährung den gesundheitsbasierten Richtwert von PFAS überschreitet. Besonders hohe Gehalte an PFAS wurden in Innereien, im Fleisch von Wildtieren und in bestimmten Fischarten nachgewiesen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA, European Food Safety Authority) hat im Jahr 2020 eine neue tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge publiziert. Das BfR hat in der aktuell vorliegenden Stellungnahme die Ableitung des neuen gesundheitsbasierten Richtwerts überprüft und empfiehlt, diesen für Risikobewertungen zukünftig anzuwenden.

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