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Rudolf Mößbauer Physik-Nobelpreisträger Rudolf Mößbauer gestorben

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Die Technische Universität München (TUM) trauert um Physik-Nobelpreisträger Professor Rudolf Mößbauer. Der frühere Ordinarius für Experimentalphysik der TUM (1965-1997) starb am 14. September im Alter von 82 Jahren. Die nach ihm benannte Mößbauer-Spektroskopie wird in vielen Bereichen wie etwa der Katalysatorentwicklung oder der Supraleiter-Forschung eingesetzt.

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Der Physik-Nobelpreisträger Rudolf Mößbauer ist am 14. September im Alter von 82 Jahren gestorben. (Bild: TUM)
Der Physik-Nobelpreisträger Rudolf Mößbauer ist am 14. September im Alter von 82 Jahren gestorben. (Bild: TUM)

München – Prof. Rudolf Mößbauer erhielt die höchste wissenschaftliche Auszeichnung 1961 für den experimentellen Nachweis der rückstoßfreien Kernresonanzabsoprtion. Das „Mößbauer-Spektrometer“, mit dem die chemische Umgebung bestimmter Elemente ermittelt werden kann, wurde später etwa bei Marsmissionen eingesetzt. Der herausragende Wissenschaftler baute in den 60er Jahren an der TUM das Physikdepartment nach amerikanischem Vorbild auf. TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann sagte: „Wir haben eine wahrhaft große, international hoch angesehene Wissenschaftspersönlichkeit verloren.“

„Als leidenschaftlicher Forscher und als äußerst bescheidener Mensch hat Rudolf Mößbauer dem wissenschaftlichen Fortschritt gedient“, sagte Herrmann. „Mit Vehemenz hat er sich zudem für bessere Bedingungen für Forschung und Lehre eingesetzt. Zum weltweit hohen Renommee der Technischen Universität München als exzellenter und modern organisierter Hochschule hat Mößbauer mit seiner Rückkehr aus den USA und der damit verbundenen Einführung der Department-Struktur wesentlich beigetragen. Unser tief empfundenes Beileid gilt seiner Familie, seinen Freunden und Schülern.“

Mößbauer-Spektrometer – Von der Katalysatorforschung bis zu Mars-Missionen

Die von Rudolf Mößbauer entwickelte Spektroskopie wird in vielen Bereichen der Forschung eingesetzt. Mit ihrer Hilfe werden Katalysatoren weiterentwickelt und Supraleiter untersucht. Auch die vor einigen Jahren auf dem Mars gelandeten Roboter „Spirit“ und „Opportunity“ haben unter anderem Mößbauer-Spektrometer an Bord. Mit diesen entdeckten die Rover auf ihren kilometerlangen Touren unter anderem Minerale, die nur in Gegenwart von Wasser entstehen und konnten so beweisen, dass es auf dem Mars einst nicht nur Wasser sondern auch eine viel sauerstoffreichere Atmosphäre als heute gegeben haben muss.

Den Mößbauer-Effekt kann man mit einem Vergleich erklären: Will ein Junge von einem kleinen Boot an Land springen, so landet er im Wasser, weil das Boot durch den Rückstoß beim Absprung nach hinten weg fährt. Liegt das Boot in einem zugefrorenen See, so kann das Boot nicht weg und der Junge landet sicher am Ufer. Die Rolle des Bootes haben in Mößbauers Experimenten Iridium-191-Atome, die Gammastrahlung aussenden. Wie der Junge überträgt das davon eilende Gamma-Teilchen einen gewaltigen Stoß auf das Atom und verliert dabei etwas Energie. Ist das Atom fest in einen Kristall eingebaut, geht es dem Lichtteilchen unter bestimmten Bedingungen wie dem Jungen auf dem zugefrorenen See: Es kann seine ganze Energie mitnehmen. Trifft es nun auf ein exakt gleichartiges Atom, kann es diese Energie übertragen.

Anwendungen für Eisen, Zinn, Antimon und Tellur

Das Mößbauer-Spektroskop nutzt diesen Effekt: Um beispielsweise die chemische Bindung des Eisenatoms in unserem roten Blutfarbstoff zu untersuchen, benutzt man Kobalt-57, das bei seiner Umwandlung in Eisen-57 Gamma-Strahlung aussendet. Doch die Eisenatome im Hämoglobin und in der Gamma-Quelle haben unterschiedliche chemische Umgebungen. Der winzige Unterschied reicht aus, um die Energieübertragung vom Gamma-Teilchen zum Eisenatom in der Probe zu verhindern.

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