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Studiert – und was nun?!

Quo vadis – Karrierewege in den Life Sciences

| Autor/ Redakteur: Dr. Silke Boeffel, Dr. Andrea Sandmöller, Dr. Astrid Bruynck* / Dr. Ilka Ottleben

Forschung oder Vertrieb – diese beiden Optionen sah Birgit S., als sie mit ihrem Biologiestudium und der Promotion fertig wurde. Wie eingeschränkt und unvollständig dieses Bild war, hat sie erst viele Jahre später begriffen – und ist heute trotzdem sehr zufrieden mit ihrem Werdegang. Ein Überblick über die vielfältigen Karrierewege und ihre Anforderungen an Absolventen im Bereich Life Sciences.

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Abb. 1: Produktion, Forschung oder Bürojob – die Karrieremöglichkeiten für Absolventen im Bereich Life Sciences sind vielfältig.
Abb. 1: Produktion, Forschung oder Bürojob – die Karrieremöglichkeiten für Absolventen im Bereich Life Sciences sind vielfältig.
(Bild: ©WavebreakMediaMicro; ©Ivan Traimak; Gorodenkoff Productions OU - stock.adobe.com)

So wie Birgit geht es den meisten Absolventen, egal ob sie ein Studium oder eine Ausbildung in einem wissenschaftlich-technischen Bereich abschließen. Man wird v.a. an den deutschen Universitäten unzureichend auf mögliche Karrieren in der Industrie vorbereitet. Kollaborationen außerhalb der Uni gibt es nur wenige und Industriepraktika nur dann, wenn ein Student sich explizit selbst darum bemüht. Auch Themen wie „Die Entstehung eines neuen Medikaments von der Entwicklung bis zum Vertrieb“ sowie die Erörterung der Funktionen und Schritte dorthin fehlen in den meisten Lehrplänen der Biowissenschaften.

Ergänzendes zum Thema
Kurz-Lebenslauf von Birgit S.
  • Biologiestudium
  • Promotion + Post-Doc
  • Vertriebsinnendienst (2 Jahre)
  • Vertriebsaußendienst (2 Jahre)
  • Europ. Vertriebsleitung (4 Jahre)
  • Vertriebsberatung und -training

Dabei sind diese Funktionen nicht nur vielfältig, sondern auch ausgesprochen interessant: Die Betreuung klinischer Studien, die Qualitätskontrolle für Produkte sowie das Qualitätsmanagement ganzer Firmen, der ganze Bereich Zulassung und Arzneimittelsicherheit, Medical Writing und Medical Affairs, etc.

Was sich jeweils hinter diesen Bereichen an Aufgaben verbirgt, und welche Fähigkeiten und persönlichen Eigenschaften man mitbringen sollte, soll dieser Artikel beleuchten. Dabei greift er auf konkrete Lebensläufe zurück und beschreibt die Berufswege von realen Personen (alle Namen geändert), die von den Autoren überwiegend seit Jahren beruflich begleitet werden. Die Sichtweisen und Meinungen der Interviewten werden dabei ohne Wertung wiedergegeben.

Eher klassisch: Forschung & Entwicklung

Abb. 2: Funktionsbereiche in Life-Sciences-/
Pharmaunternehmen: Während der Entwicklung eines neuen Produktes bis zur Marktreife gibt es zahlreiche Funktionsbereiche, die ein unterschiedliches Maß an Kundenkontakt erfordern.
Abb. 2: Funktionsbereiche in Life-Sciences-/
Pharmaunternehmen: Während der Entwicklung eines neuen Produktes bis zur Marktreife gibt es zahlreiche Funktionsbereiche, die ein unterschiedliches Maß an Kundenkontakt erfordern.
(Bild: NotchDelta Executive Search)

Grundsätzlich durchläuft ein neues Produkt einen klassischen Entwicklungsprozess: in der Forschung wird es „erfunden“, in der Testphase geprüft und für gut befunden, in der Produktion hergestellt und dann durch Vertrieb und Marketing „gelauncht“ – d.h. auf den Markt gebracht. Natürlich ist das v.a. in der Medizinischen Forschung für neue Medikamente nicht ganz so trivial. Bevor ein neuer Wirkstoff zugelassen werden kann, muss er zunächst in präklinischen und klinischen Studien ausführlich getestet und auf seine Wirksamkeit und Sicherheit für den Patienten überprüft werden. Viele Jahre Arbeit und viel Verlust kennzeichnen diesen Weg.

Markus J. hat seine Karriere klassisch in der Entwicklung bei einem Pharmakonzern begonnen. Dort hat er gelernt, wie „Firmen ticken“ und welche Abläufe und Strukturen es gibt. „Junge Leute sollten immer zunächst mal in einer großen Firma arbeiten, um sich ein wirtschaftliches Grundwissen anzueignen“, meint er. Die Entwicklung und Methodenvalidierung war für ihn als analytischen und neugierigen Menschen dabei ein guter Einstieg.

Ergänzendes zum Thema
Kurz-Lebenslauf von Markus J.
  • Chemiestudium
  • Promotion
  • F&E Mitarbeiter (5 Jahre)
  • Vize-Präsident eines kleinen Technologie Joint-Ventures (3 Jahre)
  • M&A und Corporate Financing (10 Jahre)
  • Leiter F&E (3 Jahre)
  • Manager Pharmazeutische Entwicklung

Sein Verständnis für das Business und „wie das Geld in Pharma verdient wird“, hat er in seiner späteren Rolle bei Merger & Acquisition (M&A) Deals und in der Finanzierung von kleineren Unternehmen einbringen können. Inzwischen ist er aber wieder zu den Wurzeln zurückgekehrt und koordiniert bei einem Generikaunternehmen die externen Produktentwicklungen durch CDMOs (Contract Develoment & Manufacturing Organizations).

Karrierewege abseits des Labors

Neue und bessere Medikamente entwickeln und testen zu können, war für Sabine V. immer der Hauptantrieb für ihre tägliche Arbeit im Bereich klinischer Studien. Sie schätzt dabei die vielen Interaktionen mit Kollegen und Partnern im In- und Ausland. Für ihre Arbeit benötigt sie v.a. ein hohes Maß an Organisationstalent, gute Kommunikationsfähigkeit und Sorgfalt. „Es wird immer schwieriger Patienten zu finden, die bereit sind, an einer Studie teilzunehmen“, sagt sie. Da braucht es schon viel Durchhaltevermögen und eine hohe Frustrationstoleranz, bis eine Studie wirklich steht.

Ergänzendes zum Thema
Kurz-Lebenslauf von Sabine V.
  • Arzthelferin
  • Studium Medizinische Biochemie
  • Promotion
  • Laborleitung (9 Jahre)
  • Teamleitung klin. Studien bei CRO (8 Jahre)
  • Klinische Projektleitung

Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Arbeit anderer zu koordinieren, Berichte zu schreiben und sich mit den gesetzlichen Vorgaben auseinander zu setzen. Im Labor arbeitet sie kaum noch. Sie vermisst es aber auch nicht, denn sie kommt durch die Vielzahl der Medikamente und Indikationen immer wieder mit wissenschaftlichen Fragestellungen in Berührung.

Anna S. hat der Laborarbeit bewusst den Rücken gekehrt. Sie hat schon während des Studiums gemerkt, dass ihr das Schreiben von Protokollen und der Masterarbeit sehr viel mehr Spaß macht als die praktische Arbeit an der Bench. Ein Volontariat bei einem Fachverlag war eine logische Konsequenz und bot ihr die Möglichkeit, ihr medizinisch-wissenschaftliches Fachwissen mit dem Schreiben zu verbinden.

Ergänzendes zum Thema
Kurz-Lebenslauf von Anna S.
  • Studium Human- und Molekularbiologie
  • Volontariat (2 Jahre)
  • Redakteurin Print-Bereich (1/2 Jahr)
  • Online Medizin-Redaktion (1 Jahr)
  • Medical Communications Manager

Heute arbeitet sie als Medical Communications Manager in einem Pharmakonzern. Aus wissenschaftlichen Daten, v.a. aus klinischen Studien, arbeitet sie die relevanten Botschaften prägnant heraus und vermittelt diese an die Zielgruppen. Die breite Vielfalt an wissenschaftlichen Themen und ihre Freiheitsgrade in der Vorgehensweise schätzt sie besonders an ihrer Arbeit. Dass ihr der Weg zurück ins Labor nach mehreren Jahren wahrscheinlich versperrt ist, stört sie nicht.

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