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Krebstherapie Schnellere Antwort – Tumorzellen als Richtschnur für die Krebstherapie

| Autor/ Redakteur: Ulrich Pachmann* / Marc Platthaus

Wirkt die Chemotherapie? Das ist aus Sicht der Patienten sowie der behandelnden Ärzte die bange, aber entscheidende Frage in der Krebsbehandlung. Bislang wurde sie nur rückblickend, manchmal auch zu spät beantwortet. Innovative Labor-Verfahren schaffen nun frühzeitig Klarheit.

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Abb.1: Mikroskopaufnahme von zirkulierenden Tumorzellen. (Bild: Simfo)
Abb.1: Mikroskopaufnahme von zirkulierenden Tumorzellen. (Bild: Simfo)

Noch immer steigt in Deutschland die Zahl der Krebserkrankungen. Jährlich sind es laut Zahlen des Robert Koch Instituts rund 450 000. Für die Betroffenen bedeutet dies die Konfrontation mit einer Krankheit, die in ihrer Entstehung und ihrem Verlauf weiterhin Rätsel aufgibt. Doch auch wenn Krebs für viele Menschen mit einem Gefühl der Machtlosigkeit verbunden ist, gibt es relevante Fortschritte auf Seiten der medizinischen Forschung, die das Verständnis der Krankheit vertiefen und Patienten dank besserer Therapien in eine aussichtsreichere Position bringen.

Unter Medizinern hat sich dabei die Auffassung durchgesetzt, dass ein universell einsetzbares Standardverfahren zur Krebsbehandlung keine befriedigenden Erfolgsaussichten bietet. Vielmehr scheinen die besten Heilungschancen bei zielgerichteten, personalisierten Therapien zu liegen, da die individuellen Unterschiede sowohl zwischen den Patienten als auch zwischen den unterschiedlichen Krebserkrankungen zu groß sind, als dass eine Methode in allen Fällen hilfreich sein könnte.

Tumorzellen im Blut: Gefahr und Indikator

Für eine solche personalisierte Krebstherapie können Tumorzellen, die im Patientenblut zirkulieren, wichtige Aufschlüsse geben. Die von bösartigen Tumoren ins Blut ausgeschwemmten Zellen sind in der Lage, über Lymphe oder die Blutbahn in andere Regionen des Körpers zu gelangen und dort Metastasen zu bilden. Diese Metastasierungsfähigkeit, die früh beginnt und über die schon kleine Tumore verfügen, ist ausschlaggebend für die insgesamt hohe Sterblichkeit bei Krebs. Eine Behandlung ist also immer auch eine Frage der Zeit: Kann die gewählte Chemotherapie die zirkulierenden Tumorzellen rechtzeitig zerstören? Denn haben sich Metastasen erst einmal gebildet, sinken die Heilungschancen drastisch.

Daher ist es besonders schmerzhaft für Patienten mit einer unwirksamen Therapie Zeit und Kraft verloren zu haben. Welche Medikamente am besten wirken und ob die gewählte Chemotherapie überhaupt anschlägt, ließ sich bislang aber erst feststellen, wenn die Metastasen entdeckt wurden – oder eben ausblieben. Innovative Verfahren, die speziell zur Bestimmung der Aktivität von epithelialen, im Patientenblut zirkulierenden Tumorzellen entwickelt wurden, eröffnen der Krebsdiagnostik nun neue Möglichkeiten. Denn das Absinken der Zahl dieser Zellen – das belegen klinische Studien – ist ein verlässlicher, valider Indikator für die Wirksamkeit von Chemotherapeutika. Der Zusammenhang lässt sich einfach darstellen: Sinkt die Zahl der Tumorzellen im Blut, wirkt das Medikament. Steigt ihre Zahl jedoch an, ist keine Wirksamkeit gegeben. Der behandelnde Arzt kann in diesem Fall frühzeitig reagieren, die Therapie anpassen und gegebenenfalls andere Wirkstoffe einsetzen.

Aufspüren, zählen, isolieren und charakterisieren

Das neuartige Verfahren, das diese und weitere Analysen möglich macht, trägt den Namen Maintrac und wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Katharina Pachmann, Onkologin am Universitäts-Klinikum Jena, in mehrjähriger intensiver Forschungsarbeit entwickelt. Der entscheidende Qualitätssprung des Verfahrens besteht in seiner Genauigkeit bei der Identifizierung beziehungsweise Zählung der Tumorzellen im Blutbild und der daraus resultierenden Zuverlässigkeit und Präzision bei der Therapieüberwachung. Weitere Verfahren finden nur wenige Zellen und laufen daher Gefahr, einzelne Zellen zu übersehen. Die Anwendung bildgebender Verfahren erfasst Knoten ab einer Größe von ca. 1 cm, die bereits bis zu einer Milliarde Zellen enthalten. Das maintrac Verfahren hingegen erfasst bereits weniger als 50 000 im gesamten Blutkreislauf. Gerade beim frühzeitigen Nachweis von Tumoraktivität oder der Neigung zu Rezidiven zählt jede einzelne Tumorzelle. Diese hohe Sensitivität wird durch mikrofloumetrische Laser-Scanning-Cytometrie erzielt.

Sogar einzelne Zellen können isoliert und molekulargenetisch analysiert werden. In diesem Zusammenhang wird vom so genannten „single cell picking“ gesprochen.

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