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Tragende Rolle von corallinen Rotalgen Seit Jahrmillionen bewährter Riffschutz: Korallen-Kitt

Redakteur: Christian Lüttmann

Ohne coralline Rotalgen, gäbe es keine Korallenriffe. Dies legt eine Studie von Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Universität Bayreuth nahe. Sie haben fossile Riffe aus 150 Millionen Jahren Erdgeschichte analysiert und bestätigen die lange vermutete Stützfunktion von corallinen Rotalgen.

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Coralline Rotalgen
Coralline Rotalgen
(Bild: Sebastian Teichert)

Erlangen, Bayreuth – Korallenriffe sind Hotspots der Biodiversität: Durch ihr dreidimensionales Gerüst bieten die Korallen vielen Tieren Unterschlupf. Allerdings sind die Skelette der Korallen häufig so fragil, dass sie schweren Stürmen allein kaum standhalten würden. Trotzdem bleiben sie stabil. Der Grund dafür wird schon lange in einer bestimmten Substanz vermutet. Doch erst jetzt hat ein Forscherteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Universität Bayreuth die Stützfunktion dieses Korallen-Kitts nachgewiesen: Coralline Rotalgen bilden ein hartes Kalkskelett und stabilisieren damit die Riffe.

Wettrüsten im Korallenriff

Um den Nachweis zu erbringen, dass coralline Rotalgen das überlebenswichtige Rückgrat der Riffe bilden, gingen die Forscher auf Spurensuche in 150 Millionen Jahren Erdgeschichte. Über 700 fossile Einzelriffe aus diesem Zeitraum analysierten sie und konnten darüber die lange vermutete Stützfunktion endgültig belegen. „Die corallinen Rotalgen bilden ein Kalkskelett und verkitten die Korallenriffe wie Zement“, sagt Dr. Sebastian Teichert vom Lehrstuhl für Paläoumwelt an der FAU. „Über die Jahrmillionen haben verschiedene Krisen sie jedoch immer wieder in dieser Funktion eingeschränkt.“

Coralline Rotalgen halfen Korallen durch so manche Kriese. Sie schützten die Korallen etwa vor Pflanzenfressern wie Seeigeln.
Coralline Rotalgen halfen Korallen durch so manche Kriese. Sie schützten die Korallen etwa vor Pflanzenfressern wie Seeigeln.
(Bild: Wolfgang Irber)

Zu diesen Krisen gehört zum Beispiel die Evolution pflanzenfressender Meerestiere, vor allem Seeigel und Papageienfische. Sie haben die corallinen Rotalgen im Verlauf der Zeit wiederholt dezimiert. Die Algen entwickelten jedoch Abwehrmechanismen wie besondere Wuchsformen, um sich gegen ihre Fressfeinde zu behaupten. „Die Algen haben sich so gut angepasst, dass sie mittlerweile sogar von den Pflanzenfressern profitieren“, sagt Teichert. „Die Pflanzenfresser befreien die Algen nämlich von schädlichem Aufwuchs, beispielsweise Grünalgen, sodass sie ungehindert wachsen können.“ Dadurch stützen coralline Rotalgen die Riffe heute erfolgreicher als jemals zuvor in der Erdgeschichte.

Herausforderung Klimawandel – Folgen noch unklar

Inwieweit der Klimawandel die Stützfunktion der corallinen Rotalgen beeinflusst, ist allerdings noch nicht geklärt. Wenn sich ihre Lebensbedingungen verschlechtern, würde dies jedoch nicht nur die Korallen und andere Riffbewohner treffen, sondern auch den Menschen: Korallenriffe sind nämlich wichtig für den Küstenschutz, da sie Sturmwellen abschwächen. Außerdem bieten sie eine Kinderstube für viele Speisefische und Meeresfrüchte. Weitere Erforschung zu den Korallenriffen bleibt also wichtig, um gezielte Maßnahmen zu deren Schutz entwickeln zu können.

Originalpublikation: Teichert S., Steinbauer M., Kiessling W.: A possible link between coral reef success, crustose coralline algae and the evolution of herbivory, Scientific Reports volume 10, Article number: 17748 (2020); DOI: 10.1038/s41598-020-73900-9

(ID:46950035)