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Sexualpheromon Sexualpheromon hilft Parasiten bei der Partnersuche

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Ein spezielles Sexualpheromon ermöglicht es Fächerflüglerweibchen, die als Parasiten in anderen Insekten leben, ihre Männchen anzulocken. Die Wirkungsweise dieses Aldehyds haben nun Wissenschaftler der Universität Bayreuth näher untersucht.

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Fächerflügler der Art Stylops melittae befallen verschiedene Arten von Sandbienen: Das Foto zeigteine Weidensandbiene, aus deren Hinterleib der gelb-rötliche Kopfbereich eines Fächerflügler-Weibchensheraussteht.
Fächerflügler der Art Stylops melittae befallen verschiedene Arten von Sandbienen: Das Foto zeigteine Weidensandbiene, aus deren Hinterleib der gelb-rötliche Kopfbereich eines Fächerflügler-Weibchensheraussteht.
(Bild: Dr. Heiko Bellmann)

Bayreuth – Fächerflügler sind äußerst ungewöhnliche Insekten, die als Parasiten in anderen Insekten leben. Sie befallen unter anderem Wildbienen, die im Unterschied zu Honigbienen vereinzelt vorkommen und keine Bienenstaaten bilden.

Ein Team mit Wissenschaftlern der Universität Bayreuth hat jetzt erstmals einen sexuellen Lockstoff – ein sogenanntes Sexualpheromon – identifiziert, mit dem das in der Biene lebende Fächerflügler-Weibchen ein Männchen von außen anlockt und damit die Fortpflanzung sichert.

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Weibchen leben parasitär und locken Männchen an

In der unmittelbaren Umgebung von Bayreuth haben die Biologen Dr. Siegfried Kehl und Dr. Stefan Dötterl Fächerflügler der Art Stylops melittae beobachtet. Die ausgewachsenen Weibchen verbringen ihre gesamte Lebenszeit in ihren Wirtsbienen, wobei sie fast keine der für Insekten typischen Merkmale aufweisen. Ihr Körper besteht im Wesentlichen aus einem lang gestreckten weißlichen Hinterleib, der die Biene nie verlässt, und einem Kopfbereich, mit dem sich das Weibchen aus dem Hinterleib der Biene herausbohrt. Dies geschieht kurz vor der Geschlechtsreife. Die geschlechtsreifen Männchen hingegen befreien sich völlig aus der Wirtsbiene. Sie sind mit großen, fächerartig zusammenfaltbaren Hinterflügeln ausgestattet und leben frei in der Natur, ohne dabei Nahrung aufzunehmen. Ihre Lebenszeit ist sehr gering, sie umfasst meistens nur wenige Stunden. Denn die geschlechtsreifen Männchen haben nur eine Funktion: sich mit geschlechtsreifen Weibchen zu paaren.

Sexualphermon erleichtert dem Männchen die Suche

Die Paarung kommt dadurch zustande, dass das Weibchen, das im Hinterleib der Biene steckt, aus dem Kopfbereich ein Sexualpheromon ausstößt. Diesen Lockstoff nehmen die Männchen mit ihren großen, verzweigten Fühlern wahr. Wie hochempfindlich ihre Fühler auf den Lockstoff reagieren, haben die Bayreuther Forscher mithilfe von elektrophysiologischen Messungen nachgewiesen. Die Wahrnehmung des Pheromons löst nun bei jedem Fächerflügler-Männchen den Impuls aus, der Spur des Pheromons zu folgen. Ist es bei der Wildbiene angekommen, findet es das Fächerflügler-Weibchen vor, das aus dem Hinterleib der Biene heraussteht und daher von außen zugänglich ist. Mit seinem dolchartigen Begattungsorgan durchsticht das Männchen das Gewebe im Kopfbereich des Weibchens und pumpt seine Spermien hinein. Auf diesem Weg gelangen die Spermien in den Hinterleib des Fächerflügler-Weibchens, wo sie dessen Eier befruchten.

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