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Immunsystem Starke Impfreaktion, starker Schutz? Ein Faktencheck

Redakteur: Christian Lüttmann

Die einen sind für Tage ausgeknockt, die anderen merken nicht einmal den typischen schweren „Impf-Arm“. Das Immunsystem reagiert scheinbar höchst unterschiedlich auf die Corona-Impfungen. Doch haben Geimpfte, die von Müdigkeit und Fieber verschont bleiben, deswegen einen schlechteren Impfschutz? Eine Expertin vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung übernimmt den Faktencheck.

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Nach der Impfung, reagieren Menschen unterschiedlich stark mit Fieber oder anderen Nebenwirkungen. Sagt das etwas über die Stärke des Impfschutzes aus?
Nach der Impfung, reagieren Menschen unterschiedlich stark mit Fieber oder anderen Nebenwirkungen. Sagt das etwas über die Stärke des Impfschutzes aus?
(Bild: gemeinfrei, CDC / Unsplash)

Berlin (dpa) – Viele Menschen haben nach der Impfung gegen Covid-19 unangenehme Reaktionen. Sie klagen etwa über Muskelschmerzen, Fieber, Kopfschmerzen oder Müdigkeit. Andere fühlen nach der Spritze aber überhaupt keine Veränderung – und machen sich Sorgen, ob sie deshalb nur einen schwachen Impfschutz haben. Zu dieser Sorge gibt es aber keinen Grund.

Impfreaktionen sagen nichts über die Stärke des Impfschutzes aus

Es stimmt zwar, dass z. B. Fieber und Müdigkeit ein Zeichen dafür sind, dass der Körper sich wehrt und das Immunsystem „angesprungen“ ist. Die Symptome kommen aber i. d. R. aus einem bestimmten Teil des Immunsystems, dem „angeborenen Immunsystem“. Das werde nach einer Impfung als erstes aktiviert und signalisiere dem Körper eine potenzielle Gefahr durch einen fremden Eindringling, erklärt Peggy Riese, Expertin für Impfungen am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Nach einer Impfung ist für diesen Teil des Immunsystems der Impfstoff ein derartiger Eindringling. Als solchen nehme es nicht nur das Virus-Antigen wahr, mit dem die Schutzwirkung ausgelöst werde, sondern auch etwa Wirkstoffverstärker oder Hilfsstoffe wie Stabilisatoren, erklärt Riese.

Das angeborene Immunsystem reagiert also sofort, aber eher allgemein. Warum manche Menschen eher zu Impfreaktionen neigen, während andere kaum etwas spüren, ist laut Riese noch nicht vollständig verstanden.

Dem erworbenen Immunsystem genügt ein unmerklicher Impuls

Der spezifische Schutz gegen den SARS-CoV-2-Erreger wird dagegen erst mit der Zeit von den Zellen des so genannten „erworbenen Immunsystems“ erzeugt. Dabei lernt der Körper, bei einer Infektion auch in Zukunft passgenaue Antikörper zu bilden und etwa mithilfe spezieller T-Zellen, den Killerzellen, infizierte Körperzellen abzutöten.

Beide Arten des Immunsystems stehen in einem komplexen, noch nicht komplett erforschten Austausch miteinander. Tatsächlich gibt die Impfreaktion des angeborenen Immunsystems wohl den Anstoß, damit das erworbene System aktiv wird – dieser Impuls ist aber häufig gar nicht oder kaum spürbar.

Kein Gradmesser für die Stärke des Impfschutzes

Dass man für einen starken Schutz gegen das Coronavirus auch eine stark spürbare Impfreaktion braucht, ist also nicht der Fall. „Auch wenn man keine oder nur sehr milde Nebenwirkungen wie leichte Schmerzen an der Injektionsstelle oder Kopfschmerzen bekommt, ist man mit der gleichen Wahrscheinlichkeit geschützt wie Menschen, die stärkere Impfreaktionen wie Fieber, Unwohlsein und Gelenkschmerzen aufzeigen“, erklärt Impfexpertin Riese.

Symptome nach einer Impfung seien „kein Gradmesser für die Stärke des Impfschutzes“, bestätigt auch Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Menschen könnten komplett symptomfrei sein und dennoch einen starken Schutz ausbilden. Umgekehrt hätten in Studien zur Zulassung der Covid-19-Impfstoffe aber auch Menschen Impf-Symptome gezeigt, die nur ein Placebo bekommen hatten.

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