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Chemie-Tarifrunde 2015 Streik in der Chemieindustrie in letzter Sekunde abgewendet

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Es stand Spitz auf Knopf in den Tarifverhandlungen der chemischen Industrie in Deutschland. In der vierten und letztmöglichen Verhandlungsrunde haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite doch noch geeinigt. Die Entgelte der 550.000 Beschäftigten in den 1900 Betrieben der chemischen und pharmazeutischen Industrie steigen nach einen Leermonat um 2,8 %.

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BAVC-Vertreter Hans-Carsten Hansen (li.) und IG BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann haben sich geeinigt und verkünden den Abschluss vor der Presse.
BAVC-Vertreter Hans-Carsten Hansen (li.) und IG BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann haben sich geeinigt und verkünden den Abschluss vor der Presse.
(Bild: IG BCE / Sebastian Berger)

Stuttgart; Würzburg – Es wäre der erste Streik in der Chemieindustrie seit 1971 gewesen: In allerletzte Minute konnten sich Verhandlungsführer von BAVC und IG BCE in Stuttgart auf einen Tarifabschluss einigen. Die Entgelte der 550.000 Beschäftigten steigen um 2,8 % die Ausbildungsvergütungen um 40 Euro. Außerdem wird der betriebliche Demografiefonds von 338 auf 750 Euro pro Beschäftigten und Jahr aufgestockt.

Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis unterstrich: „Wir haben in der chemischen Industrie wieder einmal gezeigt, dass eine starke Gewerkschaft tragfähige Ergebnisse für die Beschäftigten erzielt. Wir haben in einer schwierigen Gesamtsituation nicht nur für deutliche Einkommenszuwächse gesorgt, sondern auch den Demografie-Tarifvertrag fortgeschrieben und gestärkt. Das ist wichtig für die Menschen und die Branche, das ist eine echte Investition in die Zukunft.“

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Der Arbeitnehmer-Verhandlungsführer Peter Hausmann wertet den Abschluss als einen „tragfähigen Kompromiss. Wir haben eine außergewöhnliche Tarifrunde hinter uns, die gewiss nicht in jedem Jahr zu einer Wiederholung geeignet ist. Über 100.000 Menschen haben auf den Straßen und Plätzen Flagge gezeigt. So konnten wir am Ende ein faires Ergebnis erzielen, das Gesamtvolumen geht in Ordnung. Uns ist gelungen, neue Spielräume für gleitende Übergänge in den Ruhestand zu öffnen.“

„Brücke der Sozialpartnerschaft hat getragen“

„Die Sozialpartnerschaft in der Chemie ist stark, das zeigt sich heute erneut”, erklärte Margret Suckale, Präsidentin der Chemie-Arbeitgeber. „Die Verhandlungen waren in diesem Jahr schwieriger als beim letzten Mal, weil die Positionen weiter auseinander lagen und das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld besonders herausfordernd ist. Aber am Ende hat die Brücke der Sozialpartnerschaft getragen. Beide Seiten konnten so aufeinander zugehen. Der Abschluss behält die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen genauso im Blick wie die Interessen der Arbeitnehmer, die ein spürbares Reallohnplus erhalten. Außerdem haben wir unsere Vorreiterrolle beim Thema Demografie weiter ausgebaut.”

BAVC-Verhandlungsführer Hans-Carsten Hansen wertete die Einigung als einen „für die Unternehmen und die Beschäftigten fairen Kompromiss”. Hansen weiter: „Wir haben hart und intensiv verhandelt. Dabei sind die Arbeitgeber bis an die Schmerzgrenze gegangen.” Auch in einer teils sehr scharfen Auseinandersetzung haben beide Seiten den Blick für das Wesentliche nicht verloren. „In der Demografiefrage haben wir uns auf eine tragbare Lösung verständigt. Die Kostenbelastung aus Entgelterhöhung und Demografiebetrag ist für die Unternehmen leistbar. Über eine längere Laufzeit und die Flexibilität zu Beginn der Tariferhöhung ist dieser Abschluss für alle Unternehmen in der Fläche noch verkraftbar.”

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