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32 Treffer für „Megastroke“ Studie deckt Genorte für Schlaganfall auf

| Autor / Redakteur: Martin Thurau* / Christian Lüttmann

Wissenschaftler haben die genetischen Daten von einer halben Million Probanden untersucht, um Schlaganfall-Ursachen im Erbgut zu finden. Koordiniert wurde die „Megastroke“ genannte Studie von Münchner Forschern.

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Eine Meta-Studie liefert neue Erkenntnisse über genetische Risikofaktoren für einen Schlaganfall.
Eine Meta-Studie liefert neue Erkenntnisse über genetische Risikofaktoren für einen Schlaganfall.
(Bild: ©Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com)

München — Schlaganfall ist weltweit die Todesursache Nummer zwei, nach koronaren Herzerkrankungen wie Atherosklerose. Aber die molekularen Mechanismen und möglichen genetischen Ursachen des Schlaganfalls (engl. stroke) sind bisher noch nicht ausreichend erforscht. Das internationale Forschungskonsortium „Megastroke“ hat nun in einer genomweiten Studie das Erbgut von mehr als 520.000 Personen auf mögliche genetische Risikofaktoren untersucht. Für die Meta-Analyse wurden Daten aus 30 großen Einzelstudien vereint und neu ausgewertet. Dabei wurden insgesamt 32 Genorte identifiziert, die mit Schlaganfall in Verbindung stehen – rund dreimal so viele, wie bisher bekannt.

Daten von über 500.000 Probanden

Mit Megastroke liegt die weltweit größte Untersuchung ihrer Art zur genetischen Prädisposition für Schlaganfall vor, heißt es in einer Pressemittleilung. Forschungsgruppen um Prof. Dr. med. Martin Dichgans, Direktor des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sowie Forscher am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, und die Epidemiologie-Professorin Stephanie Debette von der Universität Bordeaux haben die Studie koordiniert, an der sich rund 180 Einrichtungen beteiligt haben. Von den gut einer halben Million Probanden waren etwa 67.000 Schlaganfallpatienten.

Die 32 Krisenherde im Genom

Schlaganfälle können ausgelöst werden durch Veränderungen in verschiedenen Teilen des Gefäßsystems: in den großen Arterien und den kleinen Gefäßen, dem Herzen und den venösen Gefäßen. „Aus der Untersuchung haben wir viel gelernt über die genetische Architektur, die der Entstehung des Schlaganfalls zugrunde liegt“, sagt LMU-Wissenschaftler Dichgans.

Die Forscher fanden heraus, dass viele der 32 Genorte in Teilen mit Erbgutabschnitten übereinstimmen, die mit anderen Erkrankungen assoziiert sind wie Bluthochdruck, Hyperlipidämie, Vorhofflimmern, koronarer Herzkrankheit und venösen Thrombosen. Genvarianten also, die beispielsweise zu Bluthochdruck führen, kommen auch als Auslöser eines Schlaganfalls in Frage. Da die Daten von Studien aus aller Welt stammen, können die Wissenschaftler auch zeigen, dass sich die Gewichtung der Risikofaktoren in verschiedenen Ethnien leicht unterscheidet.

Neue Zusammenhänge für neue Therapien

„Überraschend ist, dass sich für die Hälfte der 22 neu gefundenen Genorte keine Überlappung zu bisher bekannten Risikofaktoren finden lässt“, sagt Dichgans. Das deutet auf neue, bislang unbekannte Mechanismen hin, die einen Schlaganfall auslösen – und womöglich auf Zielpunkte neuer Therapien. So fanden die Forscher Überlappungen der Genorte, die zum Risiko für einen Schlaganfall infolge eines Gefäßverschlusses beitragen, und solche, die mit dem Riss eines Blutgefäßes assoziiert sind. Das deute den Forschern zufolge auf gemeinsame Entstehungsmechanismen hin, unabhängig von bekannten Risikofaktoren, wie beispielsweise einem Bluthochdruck.

Aus der Studie konnten die Wissenschaftler bereits erste Einblicke gewinnen, welche Gene, molekularen Mechanismen und Zelltypen das genetische Schlaganfall-Risiko der jetzt gefundenen Genorte ausmachen. Die Ergebnisse der Studie ließen sich „als ein erster Schritt zu einer personalisierten, evidenzbasierten Behandlung dieser hochkomplexen Erkrankung“ sehen, sagt Dr. Rainer Malik vom ISD, einer der Erstautoren der Studie.

Orginalpublikation: Rainer Malik, Ganesh Chauhan, et al.: Multiancestry genome-wide association study of 520,000 subjects identifies 32 loci associated with stroke and stroke subtypes. Nature Genetics (2018), doi:10.1038/s41588-018-0058-3

* Martin Thurau: Ludwig-Maximilians-Universität München, 80539 München

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