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Effekt von Züchtung und Klimawandel auf Getreidesorten Was bringt den Winterweizen zur früheren Blüte?

| Redakteur: Christian Lüttmann

Weizen blüht immer früher. Daran ist nicht allein die Erderwärmung durch den Klimawandel Schuld, sondern auch die Züchtung der modernen Getreidesorten. Göttinger Agrarwissenschaftler zeigen, dass neue Züchtungen bis zu zwei Wochen vor älteren Sorten blühen.

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Die zunehmend frühere Blüte von Winterweizen ist gleichsam auf Klimawandel wie auf neue Züchtungen zurückzuführen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Göttingen.
Die zunehmend frühere Blüte von Winterweizen ist gleichsam auf Klimawandel wie auf neue Züchtungen zurückzuführen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Göttingen.
(Bild: ©uweruhrmann - stock.adobe.com)

Göttingen – Verschiebungen der Entwicklungsstadien von Pflanzen im Jahresverlauf gelten als wichtiger Indikator für den Klimawandel. Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen haben in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Bonn untersucht, wie sich der Blühzeitpunkt von Winterweizen in den vergangenen 60 Jahren in Deutschland verändert hat.

Die Auswertung von fast 500.000 Beobachtungen der Pflanzenentwicklung ergab, dass der Winterweizen heute etwa 14 Tage früher blüht als vor 60 Jahren. Experimentell konnten die Forscher nachweisen, dass nicht nur die gestiegenen Temperaturen, sondern auch die Veränderung der Sorten durch Züchtung zu dem früheren Blühzeitpunkt beitragen.

Ihre Daten gewannen die Wissenschaftler durch phänologische Beobachtungen von 4.824 Standorten in Deutschland aus dem Zeitraum von 1952 bis 2013. Zusätzlich bauten sie repräsentative Sorten von Winterweizen an, die in den vergangenen sechs Jahrzehnten in der Landwirtschaft verbreitet waren, und verglichen zwei Jahre lang deren Entwicklung im Jahresverlauf.

Neue Sorten blühen früher

Als Folge der Erderwärmung blühen die meisten Pflanzen immer früher im Jahr, so auch der Winterweizen. Bislang ist aber kaum bekannt, wie sich der Zeitpunkt der Aussaat und die genetischen Veränderungen durch Züchtung langfristig auf die Pflanzenentwicklung auswirken.

„Wir konnten zeigen, dass die Einflüsse von Klimawandel und von Sortenveränderungen durch Züchtung auf den Blühzeitpunkt in dem betrachteten Zeitraum etwa gleich groß sind und in dieselbe Richtung wirken“, so der Erstautor der Studie Dr. Ehsan Eyshi Rezaei aus der Abteilung Pflanzenbau. „Denn die jüngeren Sorten benötigen im Zeitraum zwischen Feldaufgang und Blüte 14 bis 18 Prozent weniger Wärmesumme als Sorten aus den 1950er und 1960er Jahren.“ Deutliche Effekte einer früheren oder späteren Aussaat auf den Blühzeitpunkt konnten den Forschern zufolge dagegen nicht nachgewiesen werden.

Einfluss des Klimawandels auf Weizen überschätzt

Die Ergebnisse der Agrarwissenschaftler zeigen deutlich, dass die Züchtung eine große Rolle bei der Verkürzung der Zeit bis zur Blüte spielt. Durch diesen Effekt sei der tatsächliche Einfluss der Erderwärmung auf den Winterweizen in der Vergangenheit überschätzt worden, meint Prof. Dr. Stefan Siebert, der die Abteilung Pflanzenbau leitet. „Zukünftige Studien und Projektionen des Einflusses des Klimawandels sollten daher die Weiterentwicklung der Sorten berücksichtigen.“

Das LABORPRAXIS-Klimadossier In unserem Dossier „Klimaforschung“ finden Sie weitere Forschungsprojekte und -ergebnisse rund um das Klima.

Orginalpublikation: Ehsan Eyshi Rezaei et al.: Climate change effect on wheat phenology depends on cultivar change. Scientific Reports volume 8, Article number: 4891 (2018), DOI: 10.1038/s41598-018-23101-2

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