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Schlafstörungen Was sagt die Genetik über Ursachen der Schlaflosigkeit?

Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Eine große internationale Studie hat den Einfluss der Gene auf das Schlafverhalten untersucht. Im Rahmen dieser Kooperation zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM), dass mehrere Gene eine wichtige Rolle bei Schlafstörungen spielen. Eines davon steht auch mit dem Restless Legs Syndrom in Verbindung.

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Schätzungen zufolge sind in der EU rund sieben Prozent der Bürgerinnen und Bürger von Schlafstörungen betroffen.
Schätzungen zufolge sind in der EU rund sieben Prozent der Bürgerinnen und Bürger von Schlafstörungen betroffen.
(Bild: © Focus Pocus LTD - stock.adobe.com; fotolia.com)

Neuherberg – Schlaflosigkeit oder Insomnie, wie es in der Medizin heißt, ist weit verbreitet: Schätzungen zufolge sind in der EU rund sieben Prozent der Bürgerinnen und Bürger von Ein- oder Durchschlafstörungen betroffen (Quelle: Wittchen, H. U. et al. (2011): The size and burden of mental disorders and other disorders of the brain in Europe 2010. European Neuropsychopharmacology, DOI: 10.1016/j.euroneuro.2011.07.018). Andere Studien legen sogar deutlich höhere Zahlen von bis zu 22 Prozent vor (siehe Fachpublikation).

„Das ist vor allem mit Blick auf mögliche Folgeerkrankungen beunruhigend“, erklärt Prof. Dr. Konrad Oexle, Wissenschaftler am Institut für Neurogenomik des Helmholtz Zentrums München. „Insomnie führt nicht nur unmittelbar zu einem Leistungsabfall, sondern ist langfristig auch ein Risikofaktor für Depressionen, Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Fettleibigkeit.“

Schlaflosigkeit bei Frauen in rund 60 Prozent der Fälle vererbbar

Dabei zeigte sich in der Vergangenheit, dass nicht nur der Stress des Tages dafür verantwortlich ist, dass man nachts kein Auge zu bekommt: Bei Frauen scheint das Problem in rund 60 Prozent der Fälle vererbbar zu sein, bei Männern sind es rund 40 Prozent. Um herauszufinden, welche Gene konkret für Schlaflosigkeit verantwortlich sind, haben Wissenschaftler um Oexle gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden und Island eine groß angelegte Studie unternommen.

Mehr als 100.000 Probanden untersucht

Sie untersuchten das Erbgut von 113.006 Probandinnen und Probanden der UK Biobank und suchten nach Besonderheiten bei jenen, die unter Schlafstörungen litten. Dabei fielen den Autoren sieben Gene und drei weitere Stellen im Erbgut auf. Diese Kandidaten testeten sie dann statistisch an Daten von weiteren 7.565 Probanden und konnten so insgesamt sechs Bereiche im Genom als relevant bestätigen.

Zusammenhang mit Restless Legs Syndrom?

Ein Gen stelle sich dabei als besonders interessant heraus. „Unser Top-Kandidat MEIS1 spielt mit größter Wahrscheinlichkeit eine tragende Rolle bei Schlaflosigkeit“, erklärt Prof. Dr. Juliane Winkelmann, Direktorin des Instituts für Neurogenomik sowie Inhaberin des Lehrstuhls für Neurogenetik an der TUM und Mitautorin der Studie. „Das ist auch deshalb interessant, weil das Gen MEIS1 auch mit dem Restless Legs Syndrom in Verbindung steht, mit dem wir uns seit Jahren befassen.“

Juliane Winkelmann beforscht das Thema Restless Legs Syndrom schon lange. Inwiefern die Ursachen der rastlosen Beine und des rastlosen Geistes übereinstimmen, lässt sie aktuell noch offen. Weiterhin identifizierten die Wissenschaftler genetische Ähnlichkeiten zu anderen psychischen Beschwerden wie Angstzuständen oder Depressionen.

Untersuchungen zur Entstehung und Behandlung der Schlaflosigkeit

Konrad Oexle blickt in die Zukunft: „Unsere Studie kann als konkreter Ausgangspunkt für neue molekularbiologische Untersuchungen zur Entstehung und Behandlung der Insomnie dienen.“ Langfristig wollen die Wissenschaftler dem immer größer werdenden Anteil der Bevölkerung, der unter Schlafstörungen leidet, neue Therapiemöglichkeiten eröffnen. In ihren Augen würden zu wenige Studien zur Ursachenforschung betrieben – gerade in Anbetracht der Begleit- und Folgeerkrankungen. Oexle: „Das Problem wird zu oft nur in der Psyche der Betroffenen gesucht, unsere Studie zeigt aber: es liegt auch in den Genen.“

Neben Konrad Oexle leiteten Danielle Posthuma und Eus van Somerern aus den Niederlanden die Studie. Die Daten stammten aus der sogenannten UK Biobank. Dieses groß angelegte Projekt sammelt Gesundheitsdaten von 500.000 freiwilligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vereinigten Königreich, um die Prävention, Diagnose und Behandlung zahlreicher Krankheiten zu verbessern. Darunter fallen beispielsweise auch Diabetes, Demenz, Krebs und andere Volkskrankheiten.

Originalpublikation: Hammerschlag, A.R. et al. (2017): Genome-wide association analysis of insomnia complaints identifies risk genes and genetic overlap with psychiatric and metabolic traits. Nature Genetics, DOI: 10.1038/ng.3888

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