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Aktuelles Konjunkturbarometer für Laborbranche Coronakrise – schwere Zeiten auch im Laborsektor

| Autor / Redakteur: Marilena Hantke* / Christian Lüttmann

Die Laborbranche ist nicht gefeit vor den Folgen der Corona-Krise. In fast allen Marktsegmenten melden die Unternehmen Umsatzeinbrüche. Die Zukunftsaussichten für die kommenden Monate sind dementsprechend pessimistisch. Zu diesen Ergebnissen kommt das aktuelle Konjunkturbarometer des Deutschen Verbandes Unabhängiger Prüflaboratorien (VUP) vom April 2020.

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Die Corona-Krise setzt auch dem Laborsektor zu (Symbolbild).
Die Corona-Krise setzt auch dem Laborsektor zu (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, MasterTux / Pixabay )

Gießen – Schlechte Aussichten in der Laborbranche zeichnen sich im aktuellen Konjunkturbarometer des Deutschen Verbands Unabhängiger Prüflaboratorien (VUP) ab. Was vielen ohnehin längst bewusst ist, bestätigt sich auch in den Befragungen des VUP: Durch die Corona-Pandemie sind zahlreiche Branchen und Betriebe stark betroffen und sehen sich mit erheblichen Auftragseinbrüchen und wirtschaftlichen Einbußen konfrontiert. Seit der ersten Erhebung im Herbst 2018 sind die Rückmeldungen der befragten Laboratorien erstmals fast ausnahmslos pessimistisch.

Der Gesamtindes des VUP-Konunkturbarometers gibt an, wie die Laboratorien die aktuelle Stimmungs-/Auftragslage bewerten. Mit der Corona-Krise ist der Indexwert deutlich unter Null gefallen
Der Gesamtindes des VUP-Konunkturbarometers gibt an, wie die Laboratorien die aktuelle Stimmungs-/Auftragslage bewerten. Mit der Corona-Krise ist der Indexwert deutlich unter Null gefallen
(Bild: LABORPRAXIS; Daten: VUP)

Bei der aktuellen Abfrage zur allgemeinen Auftrags- und Stimmungslage im Laborsektor liegt das Ergebnis zum ersten Mal im negativen Bereich (-0,8), seitdem das VUP-Konjunkturbarometer erhoben wird. Im Herbst 2019 lag der Wert noch bei +0,9 und im Jahr davor bei +1,1 auf einer Skala zwischen +2 (sehr gut) und -2 (sehr schlecht). Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Erwartungen der privatwirtschaftlichen Laboratorien für die nächsten sechs Monate. Der Wert fiel von +0,2 im Herbst des Vorjahres auf nun -0,5.

Nur medizinische Laboratorien sind noch positiv gestimmt

Selbst Laboratorien aus dem Pharma- und Medizinprodukte-Bereich, bei denen eine positive Bewertung noch am ehesten zu erwarten war, urteilen im Durchschnitt nur mit einem neutralen Indexwert von +0. Medizinische Laboratorien geben noch leicht positive Erwartungen an (+0,1).

Wesentlich schlechter ist die Erwartungshaltung in den anderen Marktsegmenten: Verbraucherschutz & Lebensmittel sowie Industrieanalytik verzeichnen hier einen Wert von -0,3, Umweltanalytik sowie physikalische Messung & Kalibrierwesen -0,4. All diese Werte lagen bei den vorherigen Erhebungen noch im positiven Bereich.

Die Grafik veranschaulicht, wie die verschiedenen Branchen des Laborsektors die Auftragslage in Zeiten der Coronakrise bewerten. Nur medizinische Labore beurteilen sie leicht positiv.
Die Grafik veranschaulicht, wie die verschiedenen Branchen des Laborsektors die Auftragslage in Zeiten der Coronakrise bewerten. Nur medizinische Labore beurteilen sie leicht positiv.
(Bild: LABORPRAXIS; Daten: VUP)

Umsatzentwicklung: Deutliches Minus erwartet

Zum ersten Mal wurden im aktuellen auch Erwartungen hinsichtlich der Umsatzentwicklung in den nächsten sechs Monaten abgefragt. Die Ergebnisse machen das Ausmaß der Covid19-Krise in der Branche deutlich: Laborunternehmen rechnen im kommenden halben Jahr mit einem Umsatzrückgang in Höhe von 7,5%.

Investitionsbereitschaft stark gesunken

In der aktuellen Situation ist nachvollziehbar, dass auch die Investitionsbereitschaft abnimmt. Gaben im Herbst 2019 die Labore noch überwiegend eine hohe Investitionsbereitschaft an (Indexwert: +0,5) so ist der Wert nun mit -0,4 deutlich zurückgegangen.

Die Unternehmen wollen bzw. können weniger investieren als noch vor einem halben Jahr geplant. Lediglich im IT-Bereich planen die Unternehmen laut VUP-Konjunkturbarometer noch Investitionen in den kommenden Monaten.

Die Index-Werte der Investitionsbereitschaft im Einzelnen:

  • Immobilien (einschließlich Anlagetechnik): -0,6
  • Analysetechnik: -0,3
  • Werbung: -0,4
  • IT: +0,2

Vorerst kaum neue Arbeitsplätze in den Laboren zu erwarten

Zurückhaltend sind die Unternehmen auch beim Thema Personal und der Erweiterung von Arbeitsplätzen. Mehr als 80 % der Teilnehmer geben an, lediglich den Status-Quo beibehalten zu wollen oder sogar Arbeitsplatzabbau zu planen (Wert -0,2). Im Herbst des Vorjahres planten Unternehmen dagegen noch mit mehr Mitarbeitern (+0,2). Weiterhin ein schwieriges Thema in der Branche ist die Verfügbarkeit von Arbeitskräften auf dem Markt. Sie wird zwar besser bewertet als im Herbst 2019 (-1,0), liegt mit einem Wert von -0,5 aber immer noch deutlich im negativen Bereich.

Ergänzendes zum Thema
Konjunkturbarometer und VUP-Benchmarking

Mit dem VUP-Konjunkturbarometer werden halbjährlich rund 2500 privatwirtschaftliche Laboratorien in den Marktsegmenten Verbraucherschutz/Lebensmittelanalytik, Umwelt, Industrieanalytik, Pharma-/Medizinprodukte/Labormedizin und Physikalische Messungen/Kalibrierwesen befragt. Eine Übersicht der bisherigen Konjunkturbarometer ist auf den Internetseiten des Branchenverbandes ersichtlich. Verbandsmitgliedern erhalten zudem auch eine ausführliche, detaillierte Analyse.

Im Rahmen seiner Marktstudien erhebt der Verband seit 2018 in einem weiteren Projekt Unternehmens- und Branchenkennzahlen. Die auch hier anonymisierte Auswertung ermöglicht den Teilnehmern u.a. eine Einstufung Ihres Unternehmens im Branchenvergleich mit dem VUP-Benchmarking .

* M. Hantke, VUP Verband unabhängiger Prüflaboratorien, 35394 Gießen

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