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Bakterienbesiedlung im Bullauge Dem Mundgeruch von Waschmaschinen auf der Spur

| Autor / Redakteur: Jutta Neumann* / Christian Lüttmann

Der Duft von frischer Wäsche ist nicht immer das, was aus der Waschmaschine tatsächlich herauskommt. Denn dort tummeln sich hunderte Bakterienarten, die zum Teil unangenehme Gerüche verbreiten. Was gegen die Keimbelastung hilft und wie 60-Grad-Wäschen sich auf Bakterienkolonien auswirken, lesen Sie in diesem Beitrag.

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Susanne Jacksch und Prof. Dr. Markus Egert haben die Keimbelastung von Waschmaschinen untersucht.
Susanne Jacksch und Prof. Dr. Markus Egert haben die Keimbelastung von Waschmaschinen untersucht.
(Bild: Hochschule Furtwangen )

Furtwangen – In fast jeder Wohnung in Deutschland steht eine Waschmaschine. Diese elektrischen Haushaltshilfen sorgen aber nicht nur für ausreichend saubere Kleidung im Schrank, sie können auch massiv verkeimen: Feuchtigkeit, Wärme und ein großes Angebot an Nährstoffen schaffen ideale Lebensbedingungen für das Wachstum von Bakterien. Wer zudem besonders umweltbewusst bei niedrigen Temperaturen, mit Wassersparprogrammen und bleichefreiem Flüssigwaschmittel wäscht, begünstigt das Keimwachstum zusätzlich. Welche und wie viele Mikroben sich in der Waschmaschine tummeln, hat ein Team der Hochschule Furtwangen (HFU) untersucht.

Waschen für die Wissenschaft

„An welchen Stellen einer Maschine kommen welche Bakterien vor? Und welche Faktoren steuern diese Zusammensetzung? Das waren unsere Ausgangsfragen“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Markus Egert, der an der HFU Mikrobiologie und Hygiene lehrt. Mikroorganismen in der Waschmaschine können für Immungeschwächte tatsächlich ein gewisses Gesundheitsrisiko darstellen. Im häuslichen Alltag sind aber eher andere Phänomene spürbar, wie muffiger Maschinen- und Wäschegeruch.

In der Studie untersuchten die Forscher 50 Proben aus 13 Haushaltswaschmaschinen mit molekularbiologischen Methoden auf die Zusammensetzung ihrer Bakteriengemeinschaft. Sie testeten dabei jeweils die Einspülkammer, die Bullaugendichtung, den Pumpensumpfbehälter und Wäschefasern aus einer Testwäsche in der jeweiligen Maschine. Zudem befragten sie die Nutzer der Maschinen zu ihrem Waschverhalten.

Bakterienvielfalt von stinkig bis krank machend

In den dreizehn untersuchten Maschinen fanden die Forscher 229 verschiedene Arten von Bakterien. Unter den zehn am häufigsten gefundenen Arten pro Probenahmestelle stuften sie 30 bis 60% als pozentiell krankmachend ein. Dabei fand sich an jeder Probestelle eine eigene, charakteristische Mikrobengemeinschaft. Generell dominierten typische Wasserbakterien die Waschmaschinen, auf den Wäschefasern fanden die Forscher aber auch typische Hautbakterien. Die höchste Vielfalt von Bakterien zeigte die Einspülkammer.

Als eine Ursache für den muffigen Geruch fanden die Forscher u.a. das Bakterium Moraxella osloensis, das sie in neun der dreizehn Bullaugendichtungen nachwiesen. Hier zeigte es mit 12,5% auch seine höchste relative Häufigkeit. „Moraxella osloensis ist hart im Nehmen und hält die stark wechselnden Umweltbedingungen in der Bullaugendichtung anscheinend bestens aus. Um Wäsche- und Maschinengeruch vorzubeugen, sollte die Dichtung deshalb regelmäßig gereinigt und die Maschine zum Trocknen offen gelassen werden“, rät Egert.

Überraschende Folge von 60-Grad-Wäschen

Das Nutzerverhalten zeigte nur in einem Punkt einen signifikanten Zusammenhang mit der Waschmaschinenflora: Der Anzahl von heißen Waschgängen pro Monat. Doch fanden die Forscher hier nicht etwa weniger Bakterien, sondern sogar eine höhere Bakterienvielfalt in der Einspülkammer. Nichtsdestotrotz sei Waschen bei 60 °C und heißer für die Wäschehygiene aber nach wie vor das Beste, betont Egert. „Wärmeabstrahlung an andere Stellen der Maschine kann dort aber vielleicht das Keimwachstum fördern. Hier sind weitere Studien nötig. Die Waschmaschine hält sicherlich noch viele mikrobiologische Überraschungen bereit.“

Originalpublikation: Susanne Jacksch, Dominik Kaiser, Severin Weis, Mirko Weide, Stefan Ratering, Sylvia Schnell and Markus Egert: Influence of Sampling Site and other Environmental Factors on the Bacterial Community Composition of Domestic Washing Machines, Microorganisms 2020, 8(1), 30; DOI: 10.3390/microorganisms8010030

* J. Neumann, Hochschule Furtwangen, 78120 Furtwangen

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