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Manche Angststörung ist hormongemacht Depressionen durch Schilddrüsenunterfunktion

Redakteur: Christian Lüttmann

Unbehagen, diffuse Ängste oder gar Depressionen – was zunächst nach psychischen Störungen klingt, kann in vielen Fällen physiologische Ursachen haben: nämlich eine Schilddrüsenunterfunktion. Wie eine neue Metastudie zeigt, neigen Betroffene einer bestimmten Schilddrüsenerkrankung eher zu Angstzuständen. Die Entdeckung dieses Zusammenhangs eröffnet neue Therapiemöglichkeiten.

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Depressionen können durch eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen, wei eine neue Studie belegt. (Symbolbild)
Depressionen können durch eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen, wei eine neue Studie belegt. (Symbolbild)
(Bild: Pixabay/Snap_it (gemeinfrei) / CC0 )

Bonn, Erlangen – Depressionen und Angststörungen zählen weltweit zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Nun haben Forscher um Dr. Teja Wolfgang Grömer vom Lehrstuhl von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Bonn eine wichtige Entdeckung gemacht: In einer Metastudie mit über 35.000 Teilnehmern stießen sie auf einen starken Zusammenhang von Depression und Angsterkrankungen mit der Autoimmunthyreoiditis (AIT), einer chronischen Erkrankung der Schilddrüse.

Symptome verstecken sich in Wechseljahren

Rund zehn Prozent der Bevölkerung sind von AIT betroffen. Bei einer Autoimmunthyreoiditidis kommt es zu einer anhaltenden Entzündung und damit Unterfunktion der Schilddrüse. Deren Hormone beeinflussen sowohl den Stoffwechsel und zellulären Energiehaushalt als auch die gefühlte Energie und die Psyche. So führt AIT bei Betroffenen zu spezifischen psychischen Symptomen, unter anderem innerer Unruhe, Anspannung und Erschöpfung.

Das Problem: Der Zusammenhang zwischen den psychischen Symptomen und der Schilddrüsenunterfunktion wird oft übersehen. Denn meist erkranken Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr – Frauen deutlich häufiger als Männer – weshalb das psychische Ungleichgewicht fälschlich als „Wechseljahrsbeschwerden“ abgetan wird. Oder eben doch als reine Depression oder Angst fehlgedeutet wird. Die Tatsache, dass AIT üblicherweise schmerzfrei verläuft, trägt ebenfalls dazu bei, dass eine frühzeitige Diagnose oft ausbleibt.

Endlich Klarheit

Dass nun ein Zusammenhang zwischen AIT und Angststörungen nachgewiesen wurde, bringt den Betroffenen in der Regel Erleichterung, sagt Grömer: „Die meisten Patienten zeigten sich durch die Stellung der Diagnose befreit. Denn oft hatten sie vorher keine Erklärung für ihr Krankheitsbild.“ Die Ergebnisse der Studie ergaben, dass das Risiko für einen Patienten mit AIT für eine Depression 3,5-fach erhöht ist, bei der Diagnose Angst 2,3-fach. Dies klingt zunächst moderat. Da aber alle drei Erkrankungen sehr häufig sind, folgt daraus, dass mehr als 40 Prozent der Depressionen und 30 Prozent der Angsterkrankungen bei Patienten mit AIT vorkommen.

„Damit ergeben sich weitere wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse auf immunologische Mechanismen häufiger psychischer Erkrankungen wie Depression und Angst“, sagt Prof. Dr. Alexandra Philipsen von der Psychiatrischen Klinik des Universitätsklinikums Bonn. „Diese Befunde weisen uns nochmals auf die Notwendigkeit genauester klinischer Diagnostik hin.“

Heilbar ist AIT bisher zwar noch nicht. Aber mit entsprechenden Hormonpräparaten lässt sich die Schilddrüsenunterfunktion ausgleichen. So könnte eine damit einhergehende Depressionen oder Angststörung therapiert werden.

Originalpublikation: Eva-Maria Siegmann, Helge H. O. Müller, Caroline Luecke, et al.: Association of Depression and Anxiety Disorders With Autoimmune Thyroiditis – A Systemic Review and Meta-analysis. JAMA Psychiatry, May 2, 2018, DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2018.0190

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