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Opto-digitale Mikroskopie

Der Blick ins frühe Mittelalter

| Autor / Redakteur: Lutz Ruminski* und Heinz-Jürgen Zamzow* / Dr. Ilka Ottleben

Abb. 2: Für die Restauratorin Ina Schneebauer-Meißner bedeutet die Arbeit mit modernster Mikroskop-Technik eine erhebliche Arbeitserleichterung. Auf dem Bildschirm im Hintergrund zeichnet sich ein Webmuster ab – Überreste von fast 1.500 Jahre alten Textilfasern.
Abb. 2: Für die Restauratorin Ina Schneebauer-Meißner bedeutet die Arbeit mit modernster Mikroskop-Technik eine erhebliche Arbeitserleichterung. Auf dem Bildschirm im Hintergrund zeichnet sich ein Webmuster ab – Überreste von fast 1.500 Jahre alten Textilfasern. (Bild: L. Ruminski, Bremen)

Für den Laien sind es rostige Metallstücke, für Archäologen hingegen bieten die Fundstücke aus dem „bajuvarischen Reihengräberfeld von Petting“ einen umfassenden Einblick in den Alltag längst vergangener Jahrhunderte. Bei der Analyse der Fundstücke auf Reste von Geweben leistet derzeit ein opto-digitales Mikroskopsystem wertvolle Hilfe.

Was sich im ersten Moment wie eine interessante Übung anhören mag, ist für Altertumsforscher von handfestem Wert: „Wenn wir wissen, welche Art von Textilien die Menschen in früheren Zeiten getragen haben, können wir beispielsweise das Geschlecht, das Alter, den sozialen Status, ja selbst den Beruf und letztlich auch die damaligen Handelswege präziser nachvollziehen, als es uns bisher möglich war“, erklärt die Doktorandin Ina Schneebauer. Für die 32-Jährige bilden die Untersuchungen zugleich die Basis ihrer Dissertation am Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft der Technischen Universität München. In der Archäologischen Staatssammlung München ist sie zurzeit damit beschäftigt, die Überbleibsel aus dem frühen Mittelalter auf Reste von Textilien und anderen organischen Materialien hin zu untersuchen.

Textilien und Metall fest miteinander verbunden

Erst in der jüngeren Vergangenheit kamen Archäologen und Restauratoren – nicht zuletzt dank der Fortschritte auf dem Gebiet der Mikroskopie – auf die Idee, sich mit organischen Anhaftungen von Fundstücken zu beschäftigen. „Früher wurden mittelalterliche Grabbeigaben von den Kollegen sorgfältig gereinigt, damit das Metall auch möglichst schön glänzte“, erklärt Ina Schneebauer.

Viele Metallteile – zum Beispiel Gürtelschnallen oder Messer – befanden sich aber in Kontakt mit der Kleidung der Toten. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Textilien mit Metallionen regelrecht getränkt, dadurch zugleich konserviert und letztlich mit den metallischen Grabbeigaben regelrecht verklebt.

So geschah es auch in der Fundstätte am Waginger See im bayerischen Landkreis Traunstein, wo im Zuge von Bauarbeiten ein bedeutendes Gräberfeld entdeckt wurde. Zwischen 1991 und 1993 konnten Experten mehr als 700 Gräber bergen. Ina Schneebauer befasst sich nun speziell mit dem Teil der Fundstücke, der aus gut 100 Männergräbern ans Tageslicht befördert wurde.

„Zerklüftete Gebirgslandschaft“ als Oberflächenstruktur

Statt den „Schmutz“ von der Oberfläche der Fundstücke zu entfernen, wird die wenige Millimeter dicke Schicht aus Erd- und Textilresten nun weitaus sorgfältiger behandelt. Um beispielsweise den Textiltyp eines Kleidungsstückes exakt bestimmen zu können, setzten die Restauratoren noch vor kurzer Zeit einfache Stereomikroskope ein, was nur teilweise eine Arbeitserleichterung darstellte: „Auch mit den besten Geräten hat es immer sehr lange gedauert, bis wir die genaue Art der Textilien mit hinlänglicher Sicherheit erkennen konnten“, berichtet die Doktorandin. Bei Hunderten von Fundstücken hätte diese Art der Objektbehandlung Jahre in Anspruch genommen. Doch stattdessen ergab sich für Ina Schneebauer die Möglichkeit, das opto-digitale Mikroskop DSX 100 von Olympus einzusetzen. „Schon unter dem Stereomikroskop sieht die Oberfläche unserer Fundstücke bei geringer Vergrößerung wie eine zerklüftete Gebirgslandschaft aus, und mit herkömmlichen Methoden bekommen wir da nur schwer übersichtliche und durchweg scharfe Ansichten zustande“, erklärt Schneebauer. „Mit dem DSX 100 funktioniert das per Knopfdruck und mit ganz hervorragenden Ergebnissen.“

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