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Darmentzündungen und Darmkrebs

Die Suche nach dem Ursprung von Darmentzündungen

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Abb. 1: Mit Hilfe von Zellkulturmodellen untersucht Prof. Sebastian Zeißig die Ursachen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Darmkrebs.
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Abb. 1: Mit Hilfe von Zellkulturmodellen untersucht Prof. Sebastian Zeißig die Ursachen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Darmkrebs. (Bild: Ann-Kathrin Wenke, Copyright: EXC)

Lipid-Antigene als Auslöser von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Darmkrebs? Dieser Fragestellung geht Prof. Sebastian Zeißig, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Mitglied im Exzellenzcluster Entzündungsforschung, nach. Für sein Forschungsvorhaben rund um chronische Darmentzündungen erhält er jetzt eine Millionenförderung.

Kiel – 1,5 Millionen Euro Förderung für fünf Jahre des European Research Councils (ERC Starting Grant) sind dem Immunologen jetzt für sein Forschungsvorhaben IBDlipids zugesprochen worden. Das Projekt ist eines von insgesamt 287, die europaweit aus rund 3300 Anträgen für einen Starting Grant ausgewählt wurden. Nur 14 davon sind deutschlandweit im Bereich Life Science angesiedelt.

Das Besondere an Zeißigs Forschungsansatz: „Wir wollen den Ursprung der Entzündung bei Colitis ulcerosa identifizieren, um die Erkrankung an ihrem Ausgangspunkt zu blockieren und idealerweise gar prophylaktisch zu verhindern“, sagt Zeißig. Alle aktuellen Therapien setzen am Ende der Reaktionskette an und blockieren von Immunzellen produzierte Botenstoffe (Zytokine), die Entzündungsreaktionen auslösen. Da es jedoch eine Vielzahl solcher Botenstoffe gibt, sind die Therapien häufig nicht ausreichend wirksam. Darüber hinaus dienen Zytokine auch der Abwehr von Infektionen, sodass ihre medikamentöse Blockade mit Nebenwirkungen wie Infektionen assoziiert ist.

Lipid-Antigene als Auslöser von Darmentzündungen?

Das Immunsystem spielt bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eine wichtige Rolle und trägt über eine fortlaufende Immunreaktion gegen körpereigene oder mikrobielle Bestandteile wie die Darmflora zum Entzündungsprozess bei. „Wir haben seit langem Hinweise darauf, dass eine bestimmte Gruppe von Abwehrzellen in zentraler Weise an der Darmentzündung bei Colitis ulcerosa beteiligt ist“, erklärt Zeißig. Diese Zellen werden Natürliche Killer T (NKT)-Zellen genannt und unterscheiden sich von herkömmlichen T-Zellen darin, dass sie nicht Eiweiße, sondern Lipide (Fette) erkennen. Die zentrale Frage sei nun, welche Lipid-Antigene die NKT-Zell-vermittelte Darmentzündung bewirken. „Es könnten Lipide aus der Nahrung sein, körpereigene oder bakterielle Lipide“, sagt der Cluster-Wissenschaftler.

Krankheitsverlauf in sehr frühem Stadium blockieren

Die EU-Förderung ermöglicht es nun, die Herkunft dieser Lipid-Antigene aufzudecken. Zeißig und sein Team können ab November mit der Suche nach dem Ursprung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen beginnen. „Wenn wir die Auslöser der Entzündungen kennen, können wir diese gezielt hemmen und so den Krankheitsverlauf in einem ganz frühen Stadium blockieren“, sagt Zeißig. Dies sei notwendig, weil Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zusätzlich zur stark eingeschränkten Lebensqualität auch ein deutlich erhöhtes Risiko haben, im späteren Krankheitsverlauf an Darmkrebs zu erkranken.

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