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Eismumie Ötzi DNA-Analyse beweist: Ötzi hatte Parodontose

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Der Bioinformatiker Thomas Rattei von der Universität Wien hat gemeinsam mit einem Bozner Forscher-Team die nichtmenschliche DNA der Eismumie Ötzi analysiert und Hinweise für den Parodontose-Erreger Treponema denticola gefunden.

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Der "Mann aus dem Eis" gehört zu den bekanntesten und bedeutendsten Mumien der Welt.
(Bild: Südtiroler Archäologiemuseum/EURAC/Samadelli/Staschit)

Wien/Österreich – Ötzis menschliches Erbgut ist entschlüsselt. Doch die 0,1g leichte Probe aus dem Beckenknochen der 5.300 Jahre alten Mumie gibt noch viel mehr her: Ein Forscher-Team der EURAC, der Europäischen Akademie Bozen, und der Universität Wien hat auch die nichtmenschliche DNA in der Probe analysiert. Die Wissenschafter fanden Hinweise für den Parodontose-Erreger Treponema denticola, und bekräftigten somit auf DNA-Ebene die CT-Diagnose aus dem Vorjahr, die dem Mann aus dem Eis Parodontitis bescheinigte.

Vieles, was wir über Ötzi wissen – über sein Aussehen etwa oder seine Laktoseintoleranz –, geht auf eine winzige Knochenprobe zurück, dank der sein menschliches Erbgut entschlüsselt werden konnte. „Neu ist jetzt, dass wir keine zielgerichtete DNA-Analyse durchgeführt, sondern vielmehr untersucht haben, was überhaupt alles an DNA da ist, wie viel und welche mögliche Funktion jeweils damit verbunden ist“, beschreibt Frank Maixner vom Bozner Eurac-Institut für Mumien und den Iceman den neuen Weg, den das Forscherteam eingeschlagen hat.

Nichtmenschliche DNA stammt von Bakterien

„Diese 'nichtmenschliche' DNA stammt großteils von Bakterien, die in und auf unserem Körper leben, was an und für sich nicht bedenklich ist. Erst das Zusammenspiel bestimmter Bakterien oder ein Ungleichgewicht in dieser Bakteriengemeinschaft kann jedoch zu Krankheiten führen. Daher ist es wichtig, die Zusammensetzung der bakteriellen Gemeinschaft im DNA-Gemisch zu rekonstruieren“, sagt der Bioinformatiker Thomas Rattei vom Department für Computational Systems Biology der Universität Wien.

5.000 Jahre alte Parodontose-Erreger

Die große Anzahl eines ganz bestimmten Bakteriums in der Probe stach dem Team aus Mikrobiologen und Bioinformatikern ins Auge: Treponema denticola, ein Erreger, der unter anderem in der Entstehung von Parodontose involviert ist. Damit unterstützt dieser Befund die Diagnose zu Ötzis Zahnproblemen, die ForscherInnen anhand einer Computertomographie im Vorjahr gestellt hatten. Die erstaunliche Erkenntnis in diesem Fall ist jedoch, dass die Analyse der winzigen Knochenbiopsie 5.300 Jahre später noch nachweisen kann, dass sich der Erreger über den Blutstrom aus dem Mund bis in den Beckenknochen verbreitet hat. Weitere Untersuchungen zeigen, dass es sich um alte Bakterien handelt, die vermutlich den toten Körper nicht erst später besiedelt haben.

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