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Stereomikroskopie Echt oder gefälscht – Spurensuche mit dem Stereomikroskop

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Ausweise, Führerscheine, Geburtsurkunden, Abiturklausuren – das Spektrum der Urkundenfälschungen, mit denen sich Kriminelle Vorteile verschaffen wollen, ist denkbar groß. Bei der Unterscheidung echter und gefälschter Dokumente helfen heute auch moderne Stereomikroskope.

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Abb. 1: Fälschung – Ein nachträglich eingesetztes Hologramm, dessen Ränder unter dem Mikroskop eindeutig erkennbar sind. (Bild: Martin Fischer)
Abb. 1: Fälschung – Ein nachträglich eingesetztes Hologramm, dessen Ränder unter dem Mikroskop eindeutig erkennbar sind. (Bild: Martin Fischer)

Je ausgefeilter die Sicherheitsstandards bestimmter Dokumente, desto besser müssen Sachverständige ausgerüstet sein, um echte und gefälschte Dokumente eindeutig unterscheiden zu können. In der kriminaltechnischen Untersuchungsstelle des Regierungspräsidiums Stuttgart hilft ein Stereomikroskop von Leica Microsystems, Urkundenfälschern auf die Spur zu kommen. Als Dienstleistung für die regionale Polizei und Staatsanwaltschaft werden jedes Jahr mehr als 1200 Verdachtsfälle untersucht und begutachtet.

Wenn Martin Fischer früh morgens in seine Dienststelle im Regierungspräsidium Stuttgart kommt, warten meist schon einige verdächtige Ausweise auf sein geschultes Auge. Die hat die Polizei bei ihren nächtlichen Kontrollen einbehalten, damit Fischer die Echtheit überprüft. Vor einem Jahr hat der Kriminalhauptkommissar seine Ausbildung zum zertifizierten Sachverständigen für Urkundenuntersuchungen abgeschlossen. „Alles, was in irgendeiner Form als Dokument auf Papier, Plastik oder Blech – wie beim Autokennzeichen – gedruckt, unterschrieben, oder mit einem Siegel versehen ist, was eine Berechtigung wiedergibt oder aus irgendeinem Grund der Vorteilsnahme ver- oder gefälscht werden kann, kann auf meinem Tisch landen“, sagt Fischer. „Um professionelle Fälschungen zu erkennen und um meine Gutachten wasserdicht zu begründen, muss ich immer auf dem neuesten Stand der Technik sein.“ Er kennt alle Herstellungsverfahren für Dokumente, vom klassischen Druck bis zum RFID-Chip und den neuesten Sicherheitsmerkmalen für Ausweise.

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Von Standard bis kurios

Ausweise und Fahrzeugpapiere aus den verschiedensten Ländern machen rund 80 Prozent seiner Arbeit aus, gefolgt von Geburtsurkunden und Staatsangehörigkeitsnachweisen. Aber es gibt immer wieder auch Kurioses und Exotisches. „Unlängst hatte ich ein Deutsch-Zertifikat eines ausländischen Goethe-Instituts zur Prüfung. Ebenso wenig alltäglich waren Prüfungsklausuren für ein Mathematik-Abitur, verknüpft mit der Frage, ob die Arbeiten nachträglich korrigiert wurden, um die Quote zu verbessern“, erzählt Fischer. „Aber mein bisher kuriosester Fall war eine senegalesische Ledigkeitsbescheinigung – ein langer, schmaler Papierstreifen beschrieben mit einer mir völlig unbekannten Schrift. Die Herausforderung beginnt schon damit, in Erfahrung zu bringen, wie ein derartiges Dokument aussehen muss, damit ich überhaupt eine Aussage treffen kann.“

Wie handwerklich geschickt und professionell Fälscher heutzutage ans Werk gehen, versetzt auch Experten wie Fischer immer wieder ins Staunen. Identitätskarten und Pässe sind (neben Banknoten) mit den höchsten Sicherheitsstandards ausgestattet. Doch je mehr High-Tech in einem Ausweis steckt, umso mehr rüsten die Fälscher auf – bis hin zu Versuchen, RFID-Chips, Hologramme und Mikroschrift zu fälschen oder spezielle Drucktechniken wie Irisdruck, Stichtiefdruck oder Lasergravur nachzuahmen. „Dennoch“, sagt Fischer, „kein Fälscher beherrscht alle Sicherheitsmerkmale gleich gut. Meist konzentrieren sie sich auf einige besonders auffällige Merkmale, die sie mit hohem technischen Aufwand versuchen, perfekt zu reproduzieren. Dafür unterlaufen ihnen in anderen Punkten dilettantische Fehler, die es mir dann leichter machen, die Fälschungen zu entlarven. Oft wird versucht, Hologramme, Chips oder andere Bestandteile aus echten Ausweisen einzukleben. Diese Kollagen sind mit bloßem Auge nicht immer leicht zu erkennen oder mit den Fingern zu ertasten.“

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