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LABORPRAXIS: Und welche Bedeutung kommt der Visualisierung der Berechnungsergebnisse zu?
Rothfuchs: Die Visualisierung der mit Computerprogrammen berechneten Ergebnisse, zum Beispiel von Temperaturverteilungen oder Gebirgsverformungen, soll nicht nur dem Wissenschaftler sondern auch der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Dem Wissenschaftler wird Virtus Möglichkeiten bieten, die Endlagerentwicklung schnell zu analysieren, gegebenenfalls zu optimieren und mithilfe der modernen 3D-Visualisierung besser zu verstehen. Dabei kann es beispielsweise um die Frage gehen, ob die gesetzlichen Anforderungen mit dem betrachteten Endlagerkonzept erfüllt werden oder ob Änderungen erforderlich sind.
Auf diese Weise lassen sich Endlagerkonzepte prinzipiell für jede beliebige Formation – neben Steinsalz kommen als Wirtsgesteine grundsätzlich auch Tonstein und Granit in Frage – prüfen beziehungsweise optimieren. Der Öffentlichkeit wiederum wollen wir mit der Software-Plattform Virtus ein Instrument zur Verfügung stellen, mit dem auf der Grundlage von anschaulichen Visualisierungen gezeigt werden kann, wie sich die Einlagerung radioaktiver Abfälle auf die geologische Formation beziehungsweise die Integrität des jeweiligen Wirtsgesteins auswirkt und ob es im Fall des Versagens von technischen Barrieren zu einer Freisetzung von Radionukliden kommen könnte und wenn ja, wie sich diese Freisetzung in der geologischen Endlagerformation darstellen würde.
LABORPRAXIS: Wie gelingt es Ihnen, mit den eben beschriebenen Computersimulationen realen Szenarien gerecht zu werden?
Rothfuchs: Die Methoden zur Entwicklung realitätsnaher Szenarien werden nicht im Rahmen des Projekts Virtus entwickelt. Sie müssen vorher oder parallel ermittelt und bereitgestellt werden, damit sie in den Computersimulationen berücksichtigt werden können und die Rechenergebnisse entsprechend belastbar sind. Für konkrete Endlagerprojekte müssen die Szenarien immer standort- und formationsspezifisch ermittelt werden. Das setzt Kenntnisse über die standortspezifischen Gegebenheiten voraus. Daher werden die Eigenschaften, Ereignisse und Prozesse am Standort zunächst umfassend analysiert.
Die Methoden zur Szenarienentwicklung entsprechen dabei dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik. Das stellen wir unter anderem durch unsere Beteiligung an Projekten internationaler Organisationen, wie zum Beispiel der Internationalen Atomenergie-Organisation oder der Kernenergieagentur der OECD, sicher.
Vielen Dank für das Gespräch Herr Rothfuchs.
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