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Fischvergiftung Erbrechen, Durchfall und Kälteschmerz durch „tropische“ Fischvergiftung

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Der erste Ausbruch von Ciguatoxin-Vergiftungen nach Fischgenuss in Deutschland ist jetzt analytisch aufgeklärt. Auslöser für diese Form der Fischvergiftung sind Stoffwechselprodukte von Algen, die zu den sogenannten Dinoflagellaten gehören und auf Korallenriffen subtropischer und tropischer Meeresgebiete vorkommen.

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Nach dem Verzehr von Red Snapper-Filets wurden den Behörden Ende vergangenen Jahres 14 Fälle von Fischvergiftung mit Ciguatoxinen gemeldet.
Nach dem Verzehr von Red Snapper-Filets wurden den Behörden Ende vergangenen Jahres 14 Fälle von Fischvergiftung mit Ciguatoxinen gemeldet.
(Bild: redsnapper.com)

Berlin – Es beginnt in der Regel mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Bei den meisten Betroffenen kommen etwas später äußerst unangenehme Missempfindungen wie Brennen, Kribbeln und Schmerzen beim Kontakt mit Kälte hinzu, die wochen- oder sogar monatelang andauern können. Treten derartige Symptome nach dem Genuss einer Fischmahlzeit auf, dann liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Ciguatera vor, eine Vergiftung mit Ciguatoxinen. Vierzehn Fälle solcher Vergiftungen nach dem Verzehr von Red Snapper-Filets wurden dem Nationalen Referenzlabor für Marine Biotoxine und der Dokumentations- und Bewertungsstelle für Vergiftungen im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von amtlichen Überwachungslaboren, vom Giftinformationszentrum Nord und anderen Gesundheits- und Veterinärbehörden Ende 2012 gemeldet.

Auslöser sind Stoffwechselprodukte von Algen, die zu den sogenannten Dinoflagellaten gehören und auf Korallenriffen subtropischer und tropischer Meeresgebiete der Karibik, des Indischen Ozeans und des Pazifiks vorkommen. Diese Algen dienen pflanzenfressenden Fischen als Nahrung. Werden diese kleinen Fische wiederum von Raubfischen gefressen, können sich die Toxine anreichern und so in die Nahrungskette des Menschen gelangen.

Weltweiter Handel begünstigt durch Ciguatoxine ausgelöste Fischvergiftungen

„Ciguatoxin-Vergiftungen gehören zu den häufigsten Fischvergiftungen weltweit“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR, „Sie waren bisher aber auf bestimmte Regionen der Welt begrenzt. Bedingt durch den weltweiten Handel mit tropischem und subtropischem Fisch müssen wir auch bei uns mit einem vermehrten Auftreten solcher Vergiftungen rechnen.“ Reste aus den von Erkrankten verzehrten Fischgerichten sowie Nachproben der Fischchargen wurden vom Bundesinstitut für Risikobewertung an das Europäische Referenzlabor für Marine Biotoxine in Vigo (Spanien) gesandt. Mit der dort 2012 entwickelten Analysenmethode wurde bestätigt, dass die Fischproben Ciguatoxine enthielten.

Jährlich treten nach Schätzungen weltweit zwischen 50 bis 500 Tausend Fälle von Ciguatoxinvergiftungen auf. In Deutschland waren diese Fischvergiftungen bisher nur sehr selten als Reiseerkrankungen bei Touristen bekannt, die ihren Urlaub in tropischen und subtropischen Ländern verbrachten und dort Fischgerichte zu sich genommen hatten. Der jetzt beobachtete Ausbruch ist der erste, der auf dem Verzehr von Fisch beruht, der in Deutschland gekauft wurde. Dabei handelte es sich laut Auslobung um Filets vom Red Snapper, die von einem Deutschen Importeur über einen indischen Zwischenhändler bezogen wurden. Die betroffene Lieferung wurde sofort nach Bekanntwerden zurückgerufen.

Nachweis von Ciguatoxinen fordert Analysenmethoden heraus

Der Nachweis von Ciguatoxinen stellt sehr hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Analysenmethoden, da die Ciguatoxine in äußerst niedrigen Konzentrationen wirksam sind. Sie treten in vielen verschiedenen chemischen Strukturen auf, die zudem in Abhängigkeit von den territorialen Fanggebieten variieren können. Bis 2012 gab es keine Analysemethode, mit der Fisch auf Ciguatoxine im erforderlichen Konzentrationsbereich untersucht werden konnte.

Das Europäische Referenzlabor für Marine Biotoxine (EURL) in Vigo (Spanien) hatte 2012 eine Analysenmethode zum Nachweis der Ciguatoxine etabliert und konnte in den meisten Fischproben, die in Deutschland in Zusammenhang mit den Vergiftungsfällen gezogen worden waren, Ciguatoxine nachweisen. Für Routineuntersuchungen ist diese Nachweismethode jedoch derzeit noch nicht verfügbar.

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