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Chemie im Alltag Fonds der chemischen Industrie verleiht Literaturpreis an Rostocker Chemiker

Redakteur: Alexander Stark

Professor Dr. Armin Börner vom Leibniz-Institut für Katalyse (Likat) in Rostock ist es in seinem Buch „Chemie – Verbindungen fürs Leben“ gelungen, viele Alltagsphänomene „chemisch“ zu erklären. Für sein Buch wurde er deshalb mit dem diesjährigen Literaturpreis des Fonds der Chemischen Industrie im Verband der Chemischen Industrie ausgezeichnet.

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Professor Dr. Armin Börner vom Leibniz-Institut für Katalyse (Likat) in Rostock.
Professor Dr. Armin Börner vom Leibniz-Institut für Katalyse (Likat) in Rostock.
(Bild: Boerner Fotografie Rostoc)

Rostock – Ein blauer Fleck kann in allen Regenbogenfarben schillern. Wieso? Weshalb scheitert eine Diät so oft? Und was haben Entscheidungen von Haftrichtern mit einem guten Frühstück zu tun? Armin Börner holt in seinem Buch „Chemie – Verbindungen fürs Leben“ die erstaunlichsten Erkenntnisse aus der Chemie in die Erfahrungswelt von Laien. Samt verschüttetem Wissen aus dem Chemie-Unterricht, der auch ihm als Schüler schwergefallen war: „Chemie habe ich selten verstanden. In Biologie hingegen war ich gut. Und beides hatte mein Lieblingslehrer unterrichtet.“

Die Probleme mit Chemie liegen für die meisten an der Art der Wissensvermittlung, der Didaktik, wie Professor Börner sagt. „Die ist weitgehend auf die akademischen Grundlagen und die Synthese-Chemie fernab der lebenden Natur ausgerichtet.“ Und das interessiere weder die Allgemeinheit, „noch gar Heranwachsende“. Da erleichtern vor allem Metaphern und Gleichnisse aus Alltag, Philosophie, Kunst und Gesellschaft den Zugang zu Formeln und Reaktionen.

Zum Beispiel jene Studie unter israelischen Richtern, die über vorzeitige Entlassungen von Häftlingen zu entscheiden hatten. Die Chance vorzeitig entlassen zu werden, lag umso höher, je früher am Morgen die Bewährungsrichter ihre Entscheidung fällten. „Man weiß, dass Menschen unter Kohlehydratmangel weniger risikofreudig sind“, sagt Armin Börner. Kurz nach dem Frühstück ist der richterliche Hirnstoffwechsel offenkundig noch ausreichend versorgt, um vorzeitige Haftentlassungen zu riskieren.

Für wen auch immer es zutrifft: Es kann helfen, seinem Haftrichter Zucker anzubieten, wie Armin Börner in seinem populärwissenschaftlichen Buch schreibt. Und schon ist das Publikum bereit, etwas über Glukose und ihre chemische „Verarbeitung“ im Körper zu erfahren. „Natur“, sagt Börner, „ist Chemie pur!“ Und die Beispiele dafür haben das Zeug, jede Party-Gesellschaft nach dem Lockdown bestens zu unterhalten.

Der Fonds der Chemischen Industrie betont in seiner Würdigung zur Verleihung des Literaturpreises 2021, dass Armin Börner seinem Publikum „einen vollkommen neuen Blick auf die Welt“ ermöglicht. Die Ehrung ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden, das Armin Börner für die Förderung von Studentinnen und Studenten zur Verfügung stellt. Börner, 2020 emeritiert, war zwei Jahrzehnte lang Chemie-Professor an der Rostocker Universität. Am Likat leitet er weiterhin die Abteilung Hydrierungen und Hydroformylierungen.

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