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Kunstwerke im Stein

Forscher entschlüsseln Alter von Felsbildern

| Redakteur: Christian Lüttmann

In den Felsen der Hima-Region Saudi-Arabiens sind Zeichnungen unserer Vorfahren eingraviert. Die geheimnisumwobenen Bilder hat ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für Chemie nun erstmals genauer datiert. Wie alt die Kunstwerke sind, erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Die Felsbilder, auch Petroglyphen genannt, in der Region Hima im Südwesten Saudi-Arabiens beschäftigen seit Jahrzehnten Wissenschaftler aus der ganzen Welt.
Die Felsbilder, auch Petroglyphen genannt, in der Region Hima im Südwesten Saudi-Arabiens beschäftigen seit Jahrzehnten Wissenschaftler aus der ganzen Welt.
(Bild: M. Andreae)

Mainz – Jagdszenen, rituelle Tänze, mysteriöse menschenähnliche Figuren, deren Hände in den Himmel ragen: Die Felsbilder, auch Petroglyphen genannt, in der Region Hima im Südwesten Saudi-Arabiens beschäftigen seit Jahrzehnten Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Noch ist wenig über die Entstehung dieser Felsbilder in der Wüste bekannt. Bis heute sind sich die Archäologen nicht einig, wie alt die Abbildungen sind. Ein internationales Team unter Leitung von Professor Meinrat O. Andreae vom Max-Planck-Institut für Chemie hat nun die Felsbilder durch fluoreszenzspektroskopische Analyse der Mangan- und Eisenwerte genauer datiert.

Bilder unterm Wüstenlack

Die Forscher untersuchten den Wüstenlack in und rund um die Abbildungen. Wüstenlack ist ein dunkler Überzug, der auf Steinen und Felswänden auftritt. Die hauchdünne, manganreiche Kruste kommt auf fast allen Gesteinsarten vor. Den Erschaffern der Petroglyphen bot diese dunkle Oberfläche einen idealen Hintergrund für ihre Kunstwerke: Die frisch eingeschnittenen Bilder stachen im Vergleich zu der schwarzen Schicht deutlich heraus. Aus geochemischer Sicht sind Petroglyphen wichtig, weil man an ihnen die Entstehung des Wüstenlacks über einen Zeitraum von mehreren Tausend Jahren genauer untersuchen kann.

Alter der Petroglyphen

Mithilfe eines Röntgenfluoreszenz-Analysators in Form eines Handspektrometers maßen die Wissenschaftler direkt vor Ort die chemische Zusammensetzung der Bildoberfläche und des umgebenden Felsen. Des Weiteren untersuchten sie Proben mittels Femtosekunden-Laserablations-ICP-Massenspektrometrie im Labor. Die Daten haben die Forscher dann mit Messungen an Felsbildern verglichen, die aufgrund der verwendeten Schriftart oder eingravierter Jahreszahlen genauer datiert werden konnten.

Anhand der gemessenen Mangan- und Eisenwerte war es den MPIC-Forschern dann möglich, die Petroglyphen bisher unbekannten Alters in der Hima Region zu datieren. „Wir haben festgestellt, dass die Bilder fast durch das ganze Holozän entstanden sind“, sagt Andreae. Die ältesten unter ihnen sind etwa 7000 Jahre alt, die jüngsten sind vor wenigen hundert Jahren entstanden. „Unsere Datierungen stimmen mit dem kulturell oder ökologisch abgeleiteten Alter der in der Felsmalerei dargestellten Tier- und Menschenfiguren sowie mit den in verschiedenen Zeiträumen verwendeten Schriftstilen überein“, ergänzt der Wissenschaftler.

In einem nächsten Schritt will das Forscherteam die neue Methode zur Auswertung bereits gesammelter Daten aus einer anderen Region Saudi-Arabiens verwenden. In der Folge sind Expeditionen in Nordamerika und China geplant.

Originalpublikation: Dorothea S. Macholdt, Klaus Peter Jochum, Abdullah Al-Amri, Meinrat O. Andreae: Rock varnish on petroglyphs from the Hima region, southwestern Saudi Arabia: chemical composition, growth rates, and tentative ages. The Holocene, 1-19, 2019: DOI: 10.1177/0959683619846979

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