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Wie Schakale die Grippe bekommen

Grippegefahr für Afrikas Raubtiere

| Autor / Redakteur: Jan Zwilling* / Christian Lüttmann

Schakale beim Verzehr von Wasservögeln in Namibia
Schakale beim Verzehr von Wasservögeln in Namibia (Bild: Czirják/IZW)

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Grippeviren sind weit verbreitet und gut erforscht – jedenfalls beim Menschen. Über Infektionen bei wild lebenden Säugetieren weiß man deutlich weniger. In Afrika hat ein internationales Forscherteam nun untersucht, wie sich Tiere dort vorwiegend anstecken. Wissen, das auch für neue Strategien gegen die Übertragung der Viren von Tier zu Mensch wertvoll ist.

Berlin – Obwohl Influenzaviren weit verbreitet sind, weiß man überraschend wenig über Infektionen bei wild lebenden Säugetieren. Um die Auslöser und Ausbreitung von Influenza-A-Infektionen bei wilden Säugetieren besser zu verstehen, hat das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) gemeinsam mit Kollegen in Hannover, den Niederlanden und Namibia eine Studie aufgesetzt.

Das Forscherteam hat drei Hypothesen getestet, wie sich Influenza-A-Viren besonders effektiv unter den afrikanischen Säugetieren ausbreiten könnten:

  • Entweder hängen die Verwandtschaften zwischen Spezies der Häufigkeit und Variabilität der Viren,
  • oder das Sozialverhalten der Tierarten spielt eine wichtige Rolle,
  • oder aber die Zusammensetzung der Nahrung ist entscheidend.

Verwandtschaft und Sozialverhalten als Risikofaktoren geprüft

Grundsätzlich schien es sinnvoll anzunehmen, dass eng verwandte Tierarten ähnliche Reaktionen auf den Kontakt mit den Viren zeigten, da Rezeptoren und die Physiologie der Tiere vergleichbar sind. Die Daten der Forscher zeigten jedoch, dass dies statistisch keine signifikanten Auswirkungen auf das tatsächliche Vorkommen von Influenza-A-Viren hat.

Ebenso erwarteten die Wissenschaftler, dass besonders soziale Tiere – die beispielsweise in größeren Herden oder Gruppen zusammenleben – häufiger infiziert seien, da sich die Viren leichter verbreiten können als bei einzelgängerischen Tieren. Viele soziale Pflanzenfresser zeigten jedoch kaum Infektionen, womit auch dieser Faktor ausgeschlossen werden konnte.

Grippe geht durch den Magen

Mithilfe der 111 für die Studie untersuchten Serumproben unterschiedlicher Säugetierarten konnten die Forscher aber schließlich doch noch eine klare Tendenz erkennen. „Pflanzenfresser waren weitaus seltener und mit weniger verschiedenen Virusstämmen infiziert als Fleischfresser“, sagt Gábor Á. Czirják, Wissenschaftler am Leibniz-IZW. „Der gemeinsame Nenner für Häufigkeit und Diversität der Virentypen war eine vogelreiche Nahrung“, ergänzt Sanatana Soilemetzidou, Doktorandin und Erstautorin der Studie. „Insbesondere bei Tieren wie dem Schakal und dem Karakal, die sich hauptsächlich von Vögeln ernähren, fanden wir häufig viele verschiedene Influenza-A-Viren.“

Die Viren treten typischerweise bei Wasservögeln auf und werden häufig von Vögeln auf Säugetiere und Menschen übertragen. Oft verändert sich das Virus bei dieser Übertragung, indem es sich dem neuen Wirt anpasst. „Aus diesem Grund ist es erstaunlich, wie wenig bisher darüber bekannt war, welche Influenza-A-Stämme wilde Säugetierarten infizieren und warum“, sagt Alex Greenwood, Leiter der Leibniz-IZW-Abteilung Wildtierkrankheiten. „Wenn sich Virusstämme, die von Vögeln auf wilde Säugetiere übergehen, an diese neue Wirtsumgebung anpassen, könnte dieser Prozess ein Sprungbrett für die Infektion von Haus- und Nutztieren sowie des Menschen sein.“

Ergebnisse könnten über Afrika hinaus übertragbar sein

Die Studie wurde in Namibia durchgeführt, einem Land mit hohem Artenreichtum im Bereich der Säugetiere und einer Wasservogelpopulation, in denen Influenzaviren regelmäßig nachgewiesen werden. Darüber hinaus treffen wilde und gehaltene Tiere auf den großen Farmen häufig aufeinander. Nicht zuletzt führen mehrere Vogelzugrouten durch das Land, weshalb die hier gewonnenen Erkenntnisse mit hoher Wahrscheinlichkeit über das Land, möglicherweise auch über Afrika, hinaus übertragbar sind.

Originalpublikation: Soilemetzidou S, de Bruin E, Franz M, Aschenborn OHK, Rimmelzwaan GF, van Beek R, Koopmans M, Greenwood AD, Czirják GÁ : Diet may drive influenza A virus exposure in African mammals. J Infect Dis (2018)

* Jan Zwilling, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW), 10315 Berlin

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