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Höhere Risikobereitschaft und Genvarianten Größeres Risiko eingehen: Gene können ein Grund sein

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Halsbrecherische Kunststücke auf der Skipiste, den Sportwagen am Limit bewegen oder der 100-m-Bungee-Sprung: Einige Menschen nehmen Risiken in Kauf, die für andere nicht nachvollziehbar sind. In einer internationalen Studie mit mehr als einer Millionen Teilnehmern haben Wissenschaftler nun Genvarianten identifiziert, die mit einer erhöhten Risikobereitschaft korrelieren.

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Woran liegt, dass manche Menschen mehr Risiko eingehen als andere? Unsere Gene können ein Faktor dafür sein.
Woran liegt, dass manche Menschen mehr Risiko eingehen als andere? Unsere Gene können ein Faktor dafür sein.
(Bild: ©Jag_cz - stock.adobe.com)

Zürich/Schweiz – Vergleicht man die DNA von zwei Menschen, sind über 99 Prozent des genetischen Materials identisch, während weniger als 1 Prozent variiert. Die Bereiche, die sich unterscheiden, werden als genetische Varianten bezeichnet und geben den Ausschlag für verschiedene individuelle Merkmale der jeweiligen Person, etwa die Augenfarbe, die Körpergröße oder die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten. Einige dieser Genvarianten beeinflussen gewisse individuelle Merkmale direkt, die große Mehrheit führt jedoch bloß zu einer Veranlagung, die ein Merkmal mehr oder weniger wahrscheinlich macht.

Gene beeinflussen das Verhalten

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern, darunter Pietro Biroli, Christian Zünd und Ernst Fehr vom Institut für Volkswirtschaftslehre der UZH, identifizierte 124 bisher unbekannte Genvarianten in 99 Bereichen des menschlichen Genoms, die mit der Risikobereitschaft einer Person und ihrem Risikoverhalten verbunden sind. Um die ausschlaggebenden genetischen Varianten zu bestimmen, berücksichtigten die Forschenden einerseits die selbst eingeschätzte grundsätzliche Risikobereitschaft von knapp einer Million Studienteilnehmern und andererseits deren Risikoverhalten (u.a. Rauchen, Trinken, zu schnelles Autofahren, wechselnde Sexualpartner).

„Mit unserer Studie konnten wir die genetische Architektur der Risikobereitschaft bestimmen und ermitteln, an welchen Stellen sich die Neigung zu riskantem Verhalten in unserem Genom befindet“, erklärt UZH-Professor und Zweitautor Pietro Biroli, der die Studienanalysen geleitet hat. „Das bedeutet allerdings nicht, dass wir auf Basis der DNA einer Person sagen können, welches Risiko sie in einer bestimmten Situation eingehen wird. Denn während der Zusammenhang zwischen Genvarianten und konkretem Merkmal etwa bei der Augenfarbe sehr direkt ist, wird er im Falle der Risikobereitschaft auch von Umweltfaktoren beeinflusst.“

Fortschritte in der Genforschung

Die Studie des Forschungskonsortiums ist eine der bisher größten genetischen Studien: Sie enthält Informationen von über einer Million Individuen und ist eine der ersten Untersuchungen, die genetische Varianten mit Verhaltensweisen verknüpft, die für die sozialwissenschaftliche Forschung relevant sind. Im Vergleich zu früheren kleineren Studien in der Genetik sind die Ergebnisse stabil – wie ihre Bestätigung durch genetisches Material außerhalb der Stichprobe zeigte. Laut Pietro Biroli bietet die aktuelle Untersuchung „eine gute Grundlage, um in weiteren Studien das Verständnis für die Zusammenhänge zwischen genetischen Varianten und Verhaltensweisen zu verbessern.“

Originalpublikation: Richard Karlsson Linnér, Pietro Biroli et al. Genome-wide association analyses of risk tolerance and risky behaviors in over one million individuals identify hundreds of loci and shared genetic influences. Nature Genetics, 14 January 2019. DOI: 10.1038/s41588-018-0309-3

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