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DNA-Analyse Identität von Vietnamkriegs-Opfern bestimmen

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Offizielle Zahlen der vietnamesischen Opfer des von 1955 bis 1975 dauerenden Vietnamkrieges variieren stark von zwei bis zu über fünf Millionen. Immer noch sind viele dieser Opfer nicht identifiziert. In einem groß angelegten Projekt will nun die vietnamesische Regierung Überreste dieser Kriegsopfer gentechnisch analysieren, um ihre Identität festzustellen.

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Oliver Krebs, Institut für Rechtsmedizin im Universitätsklinikum Eppendorf, bei der Schulung von jungen vietnamesischen Wissenschaftlern, die am 29. Februar ihr Training bei Bioglobe in Hamburg antraten.
Oliver Krebs, Institut für Rechtsmedizin im Universitätsklinikum Eppendorf, bei der Schulung von jungen vietnamesischen Wissenschaftlern, die am 29. Februar ihr Training bei Bioglobe in Hamburg antraten.
(Bild: Cornelia Krieger/Bioglobe)

Hamburg – Im bisher größten Identifizierungsprojekt will die vietnamesische Regierung die Opfer des Vietnamkrieges aus Massengräbern bergen, genetisch bestimmen und ihren Familien übergeben. Das Konzept für das so genannte „Project 150“ stammt aus Hamburg: Prof. Dr. Wolfgang Höppner, Gründer des genetischen Labors Bioglobe, hat bereits 2015 einen Vertrag unterzeichnet, der den Wissens- und Technologietransfer für die Umsetzung beinhaltet. Im Verlauf des Projektes sollen Labore in Hanoi mit deutscher Technologie ausgerüstet werden, sodass die genetischen Identifikationen im Land selbst vorgenommen werden können.

Schulung vietnamesischer Wissenschaftler in Hamburg

Katharina Fegebank, zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg, gratulierte heute den Projektbeteiligten. „Die Vergabe eines Projekts in dieser Größenordnung unterstreicht die Bedeutung Hamburgs als Life-Science-Standort", so Fegebank. „Vietnamesische Familien können nun ihre Angehörigen bestatten und Kriegsopfer finden eine würdige letzte Ruhe.“

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Project 150 startet mit der Schulung vietnamesischer Wissenschaftler bei Bioglobe in Hamburg. Anlässlich des Trainingsbeginns konnte Wolfgang Höppner heute Details des Projektes vorstellen. „Das hochsensible Vorhaben stellt für alle Beteiligten eine spannende Herausforderung dar", erläuterte er. "Die wissenschaftlichen, technologischen, aber auch kulturellen und sozialen Implikationen des Vorhabens sind immens.“

Beteiligung von Qiagen und Eppendorf

Für die Identifizierung des genetischen Materials ist komplexes forensisches Wissen sowie umfangreiche Erfahrung notwendig. Die International Commission on Missing Persons (ICMP), eine weltweit tätige Organisation, die das Schicksal Vermisster nach Naturkatastrophen oder Kriegen aufklärt, unterstützt Bioglobe und übernimmt einen Teil des Trainings. Das Konsortium, das an der Umsetzung beteiligt sein wird, besteht aus Bioglobe als Konzeptions- und Trainingspartner, dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Hamburg sowie mehreren Industriepartnern, darunter das global agierende Biotechnologie-Unternehmen Qiagen sowie die Hamburger Eppendorf AG. Beide liefern Technologie zur Analyse von Erbinformationen aus den Knochen der Kriegsopfer.

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