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Wie Insekten als Lebensmittel schmackhaft werden Insekten essen – zu welchem Preis?

| Redakteur: Christian Lüttmann

Insekten im Mittagessen? Bei diesem Gedanken stellen sich vielen Menschen in Europa vor Ekel die Nackenhaare auf. Dabei sind die kleinen Proteinsnacks zum Beispiel in Asien als Nahrungsmittel beliebt und verbreitet. Forscher der Universität Bern zeigen nun, dass der Preis der Insekten auf der Speisekarte eine große Rolle spielt, wenn es um deren Verzehr geht.

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Befremdlicher Anblick: Insekten als Nahrungsmittel sind hierzulande noch eher eine Kuriosität (Symbolbild).
Befremdlicher Anblick: Insekten als Nahrungsmittel sind hierzulande noch eher eine Kuriosität (Symbolbild).
(Bild: Pixabay/ioserg, gemeinfrei / CC0 )

Bern/Schweiz – Für viele Menschen in Deutschland, der Schweiz und darüber hinaus ist die Idee, Insekten zu essen, nicht besonders attraktiv. Insektenbasierte Lebensmittel haben jedoch erhebliche Vorteile für Umwelt und Gesundheit. Denn die Nahrungsmittelproduktion macht enorme 25% aller Treibhausgasemissionen des Menschen aus – die Viehzucht leistet einen großen Beitrag zu diesen Emissionen.

Forschende und politische Entscheidungsträger versuchen deshalb, nachhaltigere Methoden zur Herstellung von tierischem Eiweiß zu entwickeln und zu fördern. Eine in letzter Zeit vieldiskutierte, potenzielle Lösung sind Insekten auf dem Speiseplan – vorausgesetzt man überwindet die starke Ablehnung der Bevölkerung.

Vorbehalte überschatten die Vorteile

„Insekten haben als Proteinquelle zahlreiche gesundheitliche Vorteile und übertreffen herkömmliches Fleisch in Bezug auf die Treibhausgasemissionen deutlich“, sagt Prof. Dr. Sebastian Berger, Verhaltensforscher am Institut für Organisation und Personal an der Universität Bern. „Deshalb könnten insektenbasierte Lebensmittel im Kampf gegen den Klimawandel helfen.“

Trotz dieser Vorteile essen Menschen in westlichen Ländern nur selten Insekten. Teilweise sind sie vorsichtig oder sogar angewidert vom Gedanken, insektenbasierte Lebensmittel zu essen. „Da aber viele dieser Personen gerne Hummer oder Krebs essen, trotz des insektenartigen Aussehens, ist es möglich, dass sich diese negative Einstellung gegenüber dem Verzehr von Insekten ändern könnte“, meint Berger.

Qualität und Preis

Bisher wurde nur vereinzelt erforscht, wie Insekten als Nahrungsmittel am besten gefördert oder vermarktet werden können, um sie einer breiteren Öffentlichkeit schmackhafter zu machen. Berger und sein Team haben nun einen neuen Ansatz überprüft. Ihre Idee ist es, die Insekten als Lebensmittel im Luxuspreissegment anzusiedeln und ihnen so eine gefühlte Aufwertung beim Konsumenten zu verschaffen.

Denn generell gilt: Haben identische Produkte höhere Preise, erwarten die Verbraucher bessere Qualität. Diese Erwartungen stehen auch in einer Wechselbeziehung mit den Produktbeurteilungen. Ob dies auch für insektenbasierte Nahrung gilt, war aber bisher unklar.

Teure Insekten werden besser bewertet

Prof. Dr. Sebastian Berger, Institut für Organisation und Personal (IOP), Abteilung Organisation, Universität Bern
Prof. Dr. Sebastian Berger, Institut für Organisation und Personal (IOP), Abteilung Organisation, Universität Bern
(Bild: zvg )

Berger testete mit seinem Team daher in einer Reihe von konsumpsychologischen Experimenten, ob sich Preise dazu eignen, Erwartungen positiv zu beeinflussen. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass hochpreisige Insektenprodukte nicht nur besser bewertet werden, sondern diese Bewertungen auch auf weitere Insektenprodukte übertragen werden, für welche keinerlei Preisinformationen verfügbar sind“, fasst Berger die Ergebnisse zusammen.

Preise hätten eine derart starke Wirkung, dass sogar künstliche Preisreduktionen wie Subventionen negativ auf die erwartete Produktqualität wirken. „Hochpreisige Produkte könnten also dazu beitragen, die Einstellung von Konsumentinnen und Konsumenten zum Insektenverzehr zu ändern und eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion sowie gesündere Ernährung zu erreichen, auch wenn dies kurzfristig die Nachfrage drücken mag“, schließt Berger. Ob wir nun in Zukunft Heuschrecken in einem Atemzug mit Hummer und Krebs als Luxusnahrung aufzählen oder nicht – früher oder später werden Insekten wohl auch in der westlichen Welt endgültig Einzug in den Speiseplan halten.

Originalpublikation: Berger, S., Christandl, F., Schmidt, C. & Baertsch, C.: Price-based quality inferences for insects as food.British Food Journal, 120; 7: 1615-1627 ; DOI: 10.1108/BFJ-08-2017-0434

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