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Messsystem für Legionellen

Keimfrei duschen dank Legionellentest im Wasserrohr

| Redakteur: Christian Lüttmann

Fluoreszierende Legionellen
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Fluoreszierende Legionellen (Bild: Blue Lab)

In warmen Rohrleitungen können sich Legionellen schnell vermehren und zum Gesundheitsrisiko beim Duschen werden. Um diese Gefahr rechtzeitig zu erkennen, hat ein Tübinger Start-Up ein automatisiertes und schnelles Messsystem zum Nachweis von Legionellen entwickelt. Das kleine Gerät wird direkt vor Ort am Leitungssystem installiert und erlaubt so eine schnelle Analyse der Keimbelastung.

Tübingen – „Hallenbad vorübergehend geschlossen“ oder „Duschverbot in Mehrfamilienhaus“: Meldungen wie diese sind regelmäßig in den Zeitungen zu finden. Der Grund dafür sind oft Legionellen: Diese Bakterien können beim Menschen verschiedene Krankheiten verursachen, u.a. eine „Legionärskrankheit“ genannte spezielle Form der Lungenentzündung. Als natürlicher Bestandteil von Gewässern finden diese Mikroben in Rohrleitungssystemen von Gebäuden ideale Bedingungen und können sich in erwärmtem Wasser rasend schnell vermehren.

Übertragen werden die Krankheitserreger durch zerstäubtes Wasser, vor allem indem sie beim Duschen eingeatmet werden. Im Jahr 2017 erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO Legionellen zur größten Gesundheitsgefahr für den Menschen, unter allen im Wasser vorkommenden Krankheitserregern. Inzwischen hat die EU angekündigt, eine Pflicht zur Legionellen-Untersuchung einzuführen.

Vor-Ort-Untersuchung von Trinkwasseranlagen

Die deutsche Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) sieht bereits eine regelmäßige Untersuchung von Trinkwasseranlagen vor. Dazu werden vor Ort Proben entnommen und an akkreditierte Labore verschickt. Dort erfolgt die Kultivierung auf Agarplatten und Auszählung der Keimzahlen, deren Ergebnis der Vermieter oder Betreiber der Anlage nach etwa 14 Tagen erhält. „Viel zu umständlich und zu langsam“, fand Dr. Michael Jauss, Geschäftsführer eines Unternehmens, das Kunststoffteile für die Automobilindustrie herstellt, und entwickelte eine ganz neue Analysetechnologie. Der Ingenieur strebte ein wartungsfreies System an, das eine automatische Analyse vor Ort liefern und die Daten jederzeit an die Anlagenbetreiber melden kann. Was im ersten Moment nicht sonderlich kompliziert klingt, stellte sich jedoch als große technische Herausforderung heraus.

Das Messsystem unter einem Waschbecken
Das Messsystem unter einem Waschbecken (Bild: Blue Lab)

„Unter anderem musste der Temperatur- und Durchflusssensor für die Entnahmestelle neu angepasst werden“, sagt Jauss. „Wir haben die Antigen-Antikörper-Reaktion mit Fluoreszenz-Auswertung für das Analyseverfahren gewählt. Diese ist bereits etabliert. Zur Identifikation und Zählung der fluoreszenz-markierten Legionellen mussten wir jedoch ein ganz neues optisches Verfahren entwickeln, bei dem das Filtrat am Ende sozusagen fotografiert wird.“ Außerdem galt es, eine neue Rezeptur zu finden, um die Reagenzien im Testsystem haltbar zu machen.

Insgesamt entwickelte Jauss eine Technologie, die eine automatisierte Vor-Ort-Untersuchung von Trinkwasseranlagen auf Legionellenbefall ermöglicht und die Anlage gleichzeitig auf Risikofaktoren für eine Kontamination überwacht. Drei Patente hat der Ingenieur dafür inzwischen angemeldet.

Prüfanlage für jeden Gebäudetyp

Das Produkt-Konzept sieht vor, das Analysegerät als festen Bestandteil des Wassersystems an den Überwachungspunkten zu installieren. Das Gerät kommuniziert über Funktechnologie mit einem Server und stellt dem Betreiber relevante Daten in Echtzeit zur Verfügung. Da es nicht nur um Wohngebäude, sondern auch um Krankenhäuser, Hotels, Sporteinrichtungen, öffentliche und gewerbliche Gebäude geht, schätzt Jauss, dass allein in Deutschland etwa zwölf Millionen Prüfstellen in Intervallen zwischen drei Monaten (Krankenhäuser) und drei Jahren (Mietobjekte) untersucht werden müssen. So ist das Projekt für den Unternehmer längst keine Freizeitbeschäftigung mehr.

Preisverleihung: Die Finalisten des Innovationspreises des Arbeitskreises der Bio-Regionen in Deutschland, darunter auch Dr. Michael Jauss (hier mit Beinschiene)
Preisverleihung: Die Finalisten des Innovationspreises des Arbeitskreises der Bio-Regionen in Deutschland, darunter auch Dr. Michael Jauss (hier mit Beinschiene) (Bild: Andreas Grasser)

Nach dem „Proof of Concept“ gründete Jauss 2018 in Tübingen das Unternehmen Blue Lab Wasseranalysesysteme. Im April 2019 zeichnete der Arbeitskreis der Bio-Regionen in Deutschland Jauss mit dem Innovationspreis aus. Die Jury betonte das enorme Marktpotenzial des Verfahrens, das in der Lage sei, die bisherige Legionellen-Testung auf Agarplatten durch eine schnelle und spezifische Methode zu ersetzen, und hob insbesondere die digitale Verknüpfung biotechnologischer Diagnostik positiv hervor.

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