Worldwide China

Notduschen

Labor-Sicherheitsnotduschen im Test

| Autor / Redakteur: Das Gespräch führte LP-Chefredakteur Marc Platthaus / Dr. Ilka Ottleben

(Bild: Fraunhofer UMSICHT)

Wie effektiv spülen Notduschen Gefahrstoffe tatsächlich vom Körper? Dies hat man am Fraunhofer-Institut in Oberhausen untersucht. Warum die Ergebnisse einen Einfluss auf die aktuellen Normen haben sollten, erläutert Dr.-Ing. Ulrich Seifert im LP-Interview.

LABORPRAXIS: Herr Dr. Seifert, Notduschen im Labor helfen dabei, versehentliche Kontaminationen mit Gefahrstoffen schnellstmöglich und effizient abzuwaschen. Welche Normen müssen solche Notduschen erfüllen?

Dr.-Ing. Ulrich Seifert: An erster Stelle ist hier die Normenreihe DIN EN 15154 „Sicherheitsnotduschen“ zu nennen; Teil 1 beschreibt Anforderungen an Körperduschen mit Wasseranschluss für Laboratorien. Diese Norm ist eine Produktnorm, in der Anforderungen an die Beschaffenheit und Funktion von Körpernotduschen festgelegt sind, sie enthält aber auch Vorgaben für die Installation und Hinweise zum Betrieb von Notduschen. Die Norm beschreibt ein Baumusterprüfverfahren, das vorgibt, wie weit bzw. eng der Sprühkegel sein soll und wie das Wasser innerhalb dieses Sprühkegels verteilt sein soll. Zum Wasservolumenstrom findet man in DIN EN 15154-1 die Anmerkung, dass ein Volumenstrom von mindestens 60 l/min geeignet sei, wenn keine nationalen oder lokalen Regelwerke gelten. Hier wird es interessant, denn in Deutschland ist ein Mindestwert von 30 l/min festgelegt, und zwar in der TRGS 526 „Laboratorien“ und der BGI/GUV-I 850-0 „Sicheres Arbeiten in Laboratorien“. Ob ein größerer Volumenstrom bei Labornotduschen zur Dekontamination tatsächlich erforderlich ist oder zumindest eine wesentlich bessere Abspülwirkung erwarten lässt, war die Ausgangsfrage unserer Untersuchungen. Nebenbei bemerkt: Für Notduschen in Betrieben und Umschlaganlagen, also außerhalb von Laboratorien, findet man Anforderungen in Teil 3 der DIN 12899; darin sind auch Geräteklassen mit deutlich größerem Wasserdurchsatz beschrieben.

LABORPRAXIS: Bisher gab es keine detaillierten Studien, was das Abspülen von Gefahrstoffen angeht. Sie haben nun am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht in Oberhausen verschiedene Parameter für die Abspülwirkung von 15 Duschköpfen untersucht. Wie sind Sie hierbei vorgegangen?

Dr. Seifert: Wir haben uns der Frage nach der Abspülwirkung von Körpernotduschen in mehreren Schritten genähert und wurden dabei von einem erfahrenen Beraterkreis aus Forschung und Industrie unterstützt. Zunächst untersuchten wir praxisnahe Kontaminationsszenarios, um herauszufinden, wie groß die Chemikalienmenge ist, die bei einem Chemikalienunfall auf den Körper einer Person in Arbeitskleidung gelangen kann. Dies bildete die Grundlage zur Festlegung der Kontaminationsmenge für spätere Abspültests an einer Versuchspuppe. In einem zweiten Schritt sind wir von realen, wasserlöslichen Gefahrstoffen wie Säuren und Laugen unterschiedlicher Konzentration und Viskosität ausgegangen und haben Modellsubstanzen gesucht, die ein ähnliches Abspülverhalten zeigen und eine gefahrlose Messung der Konzentrationsabnahme am Körper einer lebensgroßen Versuchspuppe während des Abspülvorgangs erlauben. Wir haben uns nach Vorversuchen für Salzlösungen ohne und mit Verdickungsmittel entschieden. Den Kern der Untersuchungen bildeten Abspülversuche an der Versuchspuppe, deren Oberkörper wir mit der Modellsubstanz „kontaminierten“ und anschließend abduschten. Dafür haben wir insgesamt 15 in Deutschland gebrauchsübliche Notduschköpfe eingesetzt und den Abspülverlauf in einem weiten Volumenstrombereich von 20 l/min bis zu 110 l/min untersucht. Mehr als 30 Leitfähigkeitssensoren an der Körperoberfläche der Versuchspuppe gaben in jedem Einzelversuch ein zeitlich aufgelöstes Bild der fortschreitenden Entfernung bzw. Verdünnung der Modellkontamination. Hierfür haben wir eine spezielle Auswertemethodik entwickelt, die es uns ermöglicht, aus dem Verlauf der Leitfähigkeitsmessdaten jedes Abspülversuchs eine „charakteristische Abspülzeit“ zu ermitteln. Da die Bewegung einer Person unter einer Notdusche den Abspülverlauf beeinflussen kann, haben wir zusätzlich zur starren Anordnung von Duschkopf und Versuchspuppe auch eine Relativbewegung zwischen Dusche und Versuchspuppe realisiert.

Ergänzendes zum Thema
 
Zur Person: Dr.-Ing. Ulrich Seifert

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42282095 / Labortechnik)