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Leistungssteigerungen durch Spinat-Extrakt

Macht Spinat stark genug für die Dopingliste?

| Autor/ Redakteur: Carsten Wette / Dr. Ilka Ottleben

Spinat macht stark! Der zwischenzeitlich verloren geglaubte Mythos, den einst Popeye beschwor, gilt tatsächlich. In einer jüngst von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in Auftrag gegebenen Studie kommen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass ein Extrakt aus Spinat sogar so stark macht, dass er zu Leistungssteigerungen im Spitzensport führen kann. Die Substanz, die die Muskelkraft steigert, nennt sich Ecdysteron – ein sogenanntes Phytosteroid. Kommt Spinatextrakt nun gar auf die Dopingliste?

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Spinat macht stark – bei Popeye galt noch der irrtümlich zu hoch angesetzte Eisengehalt von Spinat als Stärkungsmittel. Doch nach Einschätzung von Wissenschaftlern beinhaltet das grüne Gemüse tatsächlich eine Substanz, die starke Effekte auf Muskelzellen hat: Ecdysteron – ein sogenanntes Phytosteroid. (Symbolbild)
Spinat macht stark – bei Popeye galt noch der irrtümlich zu hoch angesetzte Eisengehalt von Spinat als Stärkungsmittel. Doch nach Einschätzung von Wissenschaftlern beinhaltet das grüne Gemüse tatsächlich eine Substanz, die starke Effekte auf Muskelzellen hat: Ecdysteron – ein sogenanntes Phytosteroid. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Berlin – Ein Extrakt aus Spinat kann einer internationalen Studie unter Beteiligung der Freien Universität Berlin zufolge zu Leistungssteigerungen im Spitzensport führen. Wie die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA, abgekürzt nach dem englischsprachigen Namen World Anti-Doping Agency) in Auftrag gegebene Krafttrainingsuntersuchung ergab, hat die Substanz Ecdysteron – ein sogenanntes Phytosteroid – nach Einschätzung der beteiligten WissenschaftlerInnen starke Effekte auf Muskelzellen.

Gehört Spinatextrakt auf die Dopingliste?

Die ForscherInnen, darunter Maria Parr, Professorin für Pharmazeutische Chemie mit Schwerpunkt Analytik – Metabolismus von der Freien Universität Berlin, schlugen der WADA vor, die Aufnahme der Substanz in die Liste der verbotenen Substanzen zu prüfen. Phytosteroide sind Substanzen aus der chemischen Klasse von Sterolen, die natürlich in Pflanzen vorkommen. Chemisch leiten sich diese Substanzen von Cholesterol ab.

An der Studie beteiligt waren neben der Freien Universität die Deutsche Sporthochschule Köln (Prof. Patrick Diel), das Anti-Doping-Labor Rom (Prof. Francesco Botrè) und das Anti-Doping-Labor Sydney (Dr. Catrin Goebel).

Zunahme der Maximalkraft nach zehn Wochen

In der sogenannten doppelblinden Studie erhielten die ProbandInnen vom Forscherteam zehn Wochen lang kontrolliert Spinatextrakt oder eine Placebo-Substanz, ohne zu wissen, welcher Gruppe sie angehörten. Nach Abschluss der Studie hatten die Probanden, die Ecdysteron (verum) erhalten haben, einen signifikant stärkeren Zuwachs an Maximalkraft erreicht.

Ecdysteron aus Spinat wirkt in Versuchen stärker als anabol androgene Steroide

Bis zu vier Kilogramm Blattspinat pro Tag müsste man zehn Wochen lang jeden Tag essen, um dieselbe Menge Ecdysteron aufzunehmen wie einige Probanden in der vorliegenden Studie in Kapselform zu sich nahmen. Um die Wirkung der höheren verabreichten Dosis zu erreichen, müssten sogar ein bis 16 Kilo Spinat verzehrt werden. (Symbolbild)
Bis zu vier Kilogramm Blattspinat pro Tag müsste man zehn Wochen lang jeden Tag essen, um dieselbe Menge Ecdysteron aufzunehmen wie einige Probanden in der vorliegenden Studie in Kapselform zu sich nahmen. Um die Wirkung der höheren verabreichten Dosis zu erreichen, müssten sogar ein bis 16 Kilo Spinat verzehrt werden. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Ecdysteron ist Hauptinhaltsstoff in Spinatextrakt. Seine Wirkung wird nach Erkenntnissen des Forschungsteams über den Estrogen-Rezeptor beta vermittelt. Es gibt zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, die diesen Spinatextrakt enthalten. „Schon vor einigen Jahren wurde Ecdysteron als ‚the Russian Secret‘ für Leistungssteigerung im Sport bezeichnet“, erläutert Maria Parr. Es habe in vitro und in Tierversuchen stärkere Effekte auf Muskelzellen als anabol androgene Steroide, etwa die im Sport verbotene Substanz Metandienon.

Die Wissenschaftlerin betont: „Die geringere Dosis in unserem Versuch, also zwei Kapseln pro Tag, entsprechen je nach Sorte etwa 250 Gramm bis vier Kilogramm Blattspinat pro Tag. Diese Menge müsste man zehn Wochen lang jeden Tag essen, um dieselbe Menge aufzunehmen wie einige Probanden in unserer Studie. Um die Wirkung der höheren verabreichten Dosis zu erreichen, müssten sogar ein bis 16 Kilo Spinat verzehrt werden.“

Studien zu dem Themenkomplex:

Isenmann E, Ambrosio G, Joseph JF, Mazzarino M, De La Torre X, Zimmer P, Kazlauskas R, Goebel C, Botrè F, Diel P, Parr MK.: Ecdysteroids as non-conventional anabolic agent: performance enhancement by ecdysterone supplementation in humans. Arch Toxicology (2019) in press (doi: 10.1007/s00204-019-02490-x)

Parr MK, Botrè F, Naß A, Hengevoss J, Diel P, Wolber G. Ecdysteroids: A novel class of anabolic agents? Biol Sport 32 (2015) 169-173 (doi: 10.5604/20831862.1144420)

Parr MK, Zhao P, Haupt O, Ngueu ST, Hengevoss J, Fritzemeier KH, Piechotta M, Schlörer N, Muhn P, Zheng WY, Xie MY, Diel P.: Estrogen receptor beta is involved in skeletal muscle hypertrophy induced by the phytoecdysteroid ecdysterone. Mol Nutr Food Res 58 (2014) 1861-1872 (doi: 10.1002/mnfr.201300806)

* C. Wette: Freie Universität Berlin, 14195 Berlin

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