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Cannabinoid lindert Krankheitssymptome Marihuana gegen Parkinson?

| Autor / Redakteur: David Bullock* / Christian Lüttmann

Ein THC-ähnlicher Wirkstoff könnte Parkinson-Patienten Linderung verschaffen. Neurologen der Uniklinik Innsbruck haben in einer Studie untersucht, wie sich ein für die Chemotherapie bereits zugelassenes Cannabinoid auf Parkinson-Symptome auswirkt. Sie zeigten, dass einige nicht-motorische Symptome wie Schlafstörungen oder Angstzustände deutlich verbessert wurden.

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Ob sich Cannabinoide gegen Parkinson-Symptome einsetzen lassen, haben Forscher der Uni Innsbruck untersucht (Symbolbild).
Ob sich Cannabinoide gegen Parkinson-Symptome einsetzen lassen, haben Forscher der Uni Innsbruck untersucht (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, Esteban Lopez / Unsplash)

Innsbruck/Österreich – Es beginnt vielleicht mit einem kaum merklichen Zittern der Hand, kleineren Sprachstörungen – bestimmt nur Zeichen von Stress… Doch das Zittern wird über die Wochen und Monate stärker, plötzlich nimmt man Gerüche nicht mehr richtig wahr, hat oft Stimmungsschwankungen und einen unruhigen Schlaf. Mit diesen Symptomen kann eine Parkinsonerkrankung beginnen, die sich später vor allem durch starkes Muskelzittern (Tremor) zeigt.

Aber es gehören eben auch nicht-motorische Symptome (NMS) wie die genannte Geruchsstörung, Schlafstörung sowie Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen und Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit zum Krankheitsbild. „Viele davon können die typischen motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit um Jahre oder sogar Jahrzehnte vorwegnehmen“, erklärt Klaus Seppi von der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie. Die Belastung durch NMS nimmt im Allgemeinen während des Krankheitsverlaufs zu. „Es gibt jedoch nur wenige Daten aus kontrollierten klinischen Studien zur Behandlung der NMS. Die verfügbaren Behandlungsoptionen sind begrenzt bzw. die Ergebnisse oft unbefriedigend“, sagt Seppi. Aus diesem Grund haben er und weitere Neurologen in einer Studie die Wirkung von Cannabinoiden auf Parkinson untersucht.

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Therapeutische Wirkung

Dass Cannabinoide positiv auf motorische und nicht-motorische Störungen wirken können, ist auch bei vielen Betroffenen bereits bekannt. „Die potenzielle therapeutische Wirkung von Cannabinoiden auf Motorik und NMS bei Parkinson ist ein wichtiges Thema und wird häufig von Patientinnen und Patienten im Behandlungsraum angesprochen“, sagt die Erstautorin der Studie, Marina Peball. Bis zu 95% der Neurologen der Center of Excellence der National Parkinson Foundation, seien von Parkinson-Patienten um Verschreibung von medizinischem Marihuana gebeten worden, so die Ergebnisse einer von der Michael-J.- Fox-Stiftung für Parkinson-Forschung unterstützten online-Umfrage.

Wissenschaftlich fundierte Belege für die Anwendung von Cannabinoiden bei Parkinson gibt es allerdings nur wenige, da die verfügbaren Studien entweder zu klein oder unkontrolliert waren. „In unserer Studie haben wir die Wirkung von Nabilon auf die kontrollierte Behandlung von NMS bei Parkinson randomisiert und doppel-blind sowie Placebo-kontrolliert bei einer hohen Zahl an Patientinnen und Patienten untersucht“, sagt der Neurologe Seppi.

Zu diesem Zweck wurde ein Entzugsdesign verwendet, nachdem alle an der Studie teilgenommenen Patienten auf Nabilon eingestellt wurden. Nabilon ist ein synthetisches Analogon von Tetrahydrocannabinol (THC), der psychoaktiven Komponente von Cannabis, mit ähnlichen pharmakologischen Eigenschaften. In der Chemotherapie wird es bereits gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt.

Vielversprechendes Ergebnis

„Unsere Ergebnisse zeigen eine Verbesserung der gesamten NMS-Belastung mit Nabilon, was sich insbesondere in einer Verminderung der Angstzustände und Schlafstörungen widerspiegelt“, resümieren die Studienautoren. „Die Behandlung wurde gut vertragen. Diese Studie ergänzt den bisher begrenzten Nachweis zur Wirksamkeit einer Behandlung auf Cannabinoidbasis bei Patientinnen und Patienten mit störenden NMS bei Parkinson.“

Die Studienergebnisse zeigen den Autoren zufolge, dass Nabilon nichtmotorische Symptome bei Patientinnen und Patienten mit Parkinson verbessert. Insgesamt können die Ergebnisse zu einem besseren Verständnis des Werts von Cannabinoiden für die Behandlung von NMS bei Parkinson-Patienten beitragen. Nun müssen weitere größere Studien folgen, um eine Zulassung von Cannabinoiden wie Nabilon in der Parkinson-Behandlung zu prüfen.

Originalpublikation: Marina Peball MD, Florian Krismer PhD, Hans‐Günther Knaus MD, Atbin Djamshidian PhD, Mario Werkmann MD, Federico Carbone MD, Philipp Ellmerer MD, Beatrice Heim MD, Kathrin Marini MD, Dora Valent MSc, Georg Goebel PhD, Hanno Ulmer MD, Heike Stockner MD, Gregor K. Wenning PhD, Raphaela Stolz BSc, Kurt Krejcy MD, Werner Poewe MD, Klaus Seppi MD, Collaborators of the Parkinson's Disease Working Group Innsbruck: Non‐Motor Symptoms in Parkinson's Disease are Reduced by Nabilone, Annals of Neurology, Volume 88, Issue 4, October 2020, Pages 712-722; DOI: 10.1002/ana.25864

* D. Bullock, Medizinische Universität Innsbruck, 6020 Innsbruck/Österreich

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