Es geschieht nicht so oft, dass in den Naturwissenschaften grundlegende Durchbrüche geschehen. Nun ist Chemikern der Universität des Saarlandes jedoch nach eigenen Angaben ein großer Coup gelungen. Sie haben ein stabiles Molekül hergestellt, das Forschende weltweit jahrzehntelang erfolglos gejagt hatten. Ihre Entdeckung wurde in „Science“ veröffentlicht.
Ankur, Doktorand von Professor David Scheschkewitz, betrachtet die Probe mit Pentasilacyclopentadienid.
(Bild: Thorsten Mohr/UdS)
Aller Anfang ist schwer, gut Ding will Weile haben…: Wenn man möchte, könnte man wissenschaftlichen Fortschritt mit vielerlei Redewendungen zu umschreiben versuchen. Denn oft brauchen größere Durchbrüche ihre Zeit. Das erfahren derzeit auch David Scheschkewitz, Professor für Allgemeine und Anorganische Chemie an der Universität des Saarlandes, und sein Doktorand Ankur (der einem populären Trend seiner Heimat Indien folgend nur einen Namen trägt). Gemeinsam mit Bernd Morgenstern von der Servicestelle Röntgenbeugung der Universität des Saarlandes ist ihnen ein Durchbruch gelungen, der fast ein halbes Jahrhundert auf sich warten ließ. Und der nun standesgemäß an der Spitze der Pyramide wissenschaftlicher Fachmagazine veröffentlicht wurde: In Science.
Was ist ihnen gelungen? Sie haben Pentasilacyclopentadienid erzeugt. Wer jetzt nicht direkt sagt „Ah ja, das ist ja toll!“, sondern eher fragt: „Was, bitte, soll das sein?“: Keine Sorge, das dürfte wohl vielen Menschen so gehen. Im Prinzip kann man es herunterbrechen auf die Aussage, dass Scheschkewitz und seine Kollegen es geschafft haben, bei einer besonders stabilen Art von Molekülen aus der organischen Chemie die Kohlenstoffatome durch Siliziumatome zu ersetzen.
Tor zu einer neuen Welt chemischer Möglichkeiten geöffnet
In der Welt, die uns umgibt, spielen solche stabilen Moleküle eine überragende Rolle, etwa bei der Kunststoffherstellung. „In der Polyethylen- und Polypropylen-Herstellung sorgen derartige aromatische Verbindungen dafür, dass die Katalysatoren, die den chemischen Prozess für die Kunststoffherstellung gezielt ablaufen lassen, langlebiger und damit effektiver sind“, erklärt David Scheschkewitz. „Silizium ist viel metallartiger als Kohlenstoff und bindet Elektronen daher viel schlechter“, so der Chemiker weiter. Mit Silizium- statt Kohlenstoff-Atomen im Cyclopentadienid werden neue Verbindungen und Katalysatoren zugänglich, die ganz andere Eigenschaften aufweisen dürften. Es würde sich ein Tor zu einer neuen Welt chemischer Möglichkeiten öffnen. Und dieses Tor haben David Scheschkewitz, Ankur und Bernd Morgenstern nun weit aufgestoßen.
Herausforderung: Besondere Stabilität der Aromaten
Pentasilacyclopentadienid ist ein stabiles aromatisches Molekül, das das Tor zu einer neuen Welt chemischer Möglichkeiten öffnen könnte.
(Bild: Thorsten Mohr/UdS)
Weshalb es so schwierig war, wird klar, wenn man ein Stück weit in die Chemie eintaucht, die dahintersteckt. Cyclopentadienid, also das kohlenstoffhaltige Vorbild der nun erzeugten Silizium-Verbindung, ist ein aromatisches Kohlenwasserstoffmolekül. Das heißt, es ist flach (planar), die Kohlenstoffatome sind in einem Ring angeordnet und die Verbindung ist besonders stabil.
Das liegt daran, dass aromatische Verbindungen (die übrigens so heißen, weil die ersten Verbindungen dieser Art, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt wurden, besonders aromatische Gerüche aufweisen) eine Art „Elektronen-Sozialismus“ betreiben. „Wir sprechen davon, dass eine aromatische Verbindung eine bestimmte Anzahl gerecht geteilter Elektronen aufweist, die der sogenannten Hückel-Regel folgen“, erklärt David Scheschkewitz. Diese Regel, benannt nach dem deutschen Physiker Erich Hückel, besagt, dass die Zahl dieser geteilten Elektronen einem bestimmten Muster folgt. Die Elektronen verleihen dadurch, dass sie sich an jedem beliebigen Kohlenstoff-Atom des Rings aufhalten können, dem Molekül besonders hohe Stabilität.
Für Silizium gab es diese aromatischen Moleküle jahrzehntelang nur in einer einzigen Variante. 1981 gelang die Herstellung eines Silizium-Analogons von Cyclopropenylkation, einem aromatischen Molekül mit einem Ring aus drei Kohlenstoff- bzw. Siliziumatomen. Ansonsten: Viele Versuche, die allesamt erfolglos blieben. Bis jetzt, wo es Ankur, Bernd Morgenstern und David Scheschkewitz gelungen ist, ein fünfatomiges Molekül zu entwickeln, das diese komplexen Eigenschaften aufweist. Ironie der Geschichte: Praktisch zeitgleich wurde exakt die gleiche Verbindung im Labor von Takeaki Iwamoto an der Tohoku University in Sendai (Japan) entdeckt. In kollegialer Übereinkunft publizierten die saarländischen und japanischen Forschungsgruppen jetzt in derselben Ausgabe von „Science“.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Damit ist der Weg geebnet für ganz neue Materialien und Prozesse mit möglicherweise industrieller Relevanz. Der schwere Anfang ist gemacht!