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Günstige Genvariante bei europäischen Frauen Neandertalers Erbe: Erhöhte Fruchtbarkeit bei jeder dritten Frau

Autor / Redakteur: Sandra Jacob* / Dr. Ilka Ottleben

Europäische Frauen, die eine bestimmte Neandertaler-Genvariante in ihrem Genom tragen, bringen offenbar mehr Kinder zur Welt. Wie eine aktuelle internationale Studie zeigt, hat eine von drei Frauen in Europa den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt - eine Genvariante, die mit erhöhter Fruchtbarkeit, weniger Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft und weniger Fehlgeburten in Verbindung steht.

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Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt und bringt mehr Kinder zur Welt. Der Rezeptor steht u.a. mit einer erhöhten Fruchtbarkeit in Zusammenhang.
Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt und bringt mehr Kinder zur Welt. Der Rezeptor steht u.a. mit einer erhöhten Fruchtbarkeit in Zusammenhang.
(Bild: ©milazvereva - stock.adobe.com)

Leipzig – „Der Progesteronrezeptor ist ein Beispiel dafür, wie günstige genetische Varianten, die durch die Vermischung mit Neandertalern auf den modernen Menschen übertragen wurden, Auswirkungen auf heute lebende Menschen haben können“, sagt Hugo Zeberg, Forscher am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig und am Karolinska Institutet in Schweden, der die aktuelle Studie gemeinsam mit Janet Kelso und Svante Pääbo durchgeführt hat.

Progesteron – wichtig bei Menstruation und Schwangerschaft

Progesteron ist ein Hormon, das im Menstruationszyklus und in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielt. Analysen von Biobankdaten von mehr als 450.000 Menschen – darunter 244.000 Frauen – zeigen, dass fast jede dritte Frau in Europa den Progesteronrezeptor von Neandertalern geerbt hat. 29 Prozent tragen ein Exemplar des Neandertaler-Rezeptors und drei Prozent haben zwei Exemplare.

Frauen mit Neandertal-Gen bringen mehr Kinder zur Welt

Szenario für die Vermischung zwischen modernen Menschen und Neandertalern: Neandertaler-DNA in heute außerhalb Afrikas lebenden Menschen stammt aus einer Vermischung vor 47.000-65.000 Jahren (grüner Pfeil). DNA moderner Menschen im Neandertaler ist wahrscheinlich das Ergebnis eines früheren Kontakts zwischen beiden Gruppen vor etwa 100.000 Jahren (roter Pfeil).
Szenario für die Vermischung zwischen modernen Menschen und Neandertalern: Neandertaler-DNA in heute außerhalb Afrikas lebenden Menschen stammt aus einer Vermischung vor 47.000-65.000 Jahren (grüner Pfeil). DNA moderner Menschen im Neandertaler ist wahrscheinlich das Ergebnis eines früheren Kontakts zwischen beiden Gruppen vor etwa 100.000 Jahren (roter Pfeil).
(Bild: © Ilan Gronau)

„Der Anteil der Frauen, die dieses Gen geerbt haben, ist etwa zehnmal so hoch wie bei den meisten anderen Neandertaler-Genvarianten“, sagt Hugo Zeberg. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Neandertaler-Variante des Rezeptors günstig auf die Fruchtbarkeit auswirkt“, sagt Hugo Zeberg.

Die Studie zeigt, dass Frauen, die die Neandertaler-Variante des Rezeptors besitzen, in der Regel weniger Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft und weniger Fehlgeburten haben. Darüber hinaus bringen sie mehr Kinder zur Welt. Molekulare Analysen ergaben, dass diese Frauen mehr Progesteronrezeptoren in ihren Zellen produzieren, was zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Progesteron und somit zum Schutz vor frühen Fehlgeburten und Blutungen führen kann.

Originalpublikation: Hugo Zeberg, Janet Kelso, Svante Pääbo: The Neandertal Progesterone Receptor; Molecular Biology and Evolution, 21 May 2020, https://doi.org/10.1093/molbev/msaa119

* S. Jacob: Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, 04103 Leipzig

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