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Mikrobiom- und Krebsforschung an der Universität Tübingen Neue Forschungsheimat für 200 Wissenschaftler

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Geht es nach den Vorschlägen des Wissenschaftsrates von Bund und Ländern so soll ab 2018 an der Universität Tübingen ein neues Forschungsinstitut mit den Schwerpunkten Mikrobiom- und Krebsforschung entstehen. Die gesamte Investitionssumme des bis 2022 fertig gestellten Areals beträgt rund 53 Millionen Euro.

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Das künftige M3-Forschungsinstitut soll auf dem Gelände des Universitätsklinikums auf dem Tübinger Schnarrenberg entstehen. Das Gebäude soll seinen Platz finden in unmittelbarer Nähe zu den Forschungsgebäuden der Neurowissenschaft und zur Medizinischen Universitätsklinik.
Das künftige M3-Forschungsinstitut soll auf dem Gelände des Universitätsklinikums auf dem Tübinger Schnarrenberg entstehen. Das Gebäude soll seinen Platz finden in unmittelbarer Nähe zu den Forschungsgebäuden der Neurowissenschaft und zur Medizinischen Universitätsklinik.
(Bild: Universität Tübingen)

Tübingen – Der Wissenschaftsrat von Bund und Ländern hat sich für den Aufbau eines Instituts für die Mikrobiom- und Krebsforschung ausgesprochen. Das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium befürwortete die Einrichtung des so genannten M3-Forschungsinstituts mit einem Investitionsvolumen von mehr als 53 Millionen Euro. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern muss dem Vorschlag am 23. Juni noch zustimmen.

Neubau mit 4.200 qm Nutzfläche

Für das neue Institut wird auf dem Gelände des Universitätsklinikums Tübingen auf dem Schnarrenberg ein Neubau mit rund 4.200 Quadratmetern Nutzfläche errichtet. Der Baubeginn ist für 2018, die Fertigstellung für 2022 geplant. Das künftige Institut soll 18 Forschungsgruppen mit insgesamt rund 200 Wissenschaftlern umfassen. Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer zeigte sich hoch erfreut über die gute Nachricht: „Das M3-Forschungsinstitut bedeutet eine enorme Unterstützung für die Expertise des Tübinger Universitätsklinikums in der personalisierten Medizin.“

M3 = Malignom, Metabolom und Mikrobiom

M3 steht stellvertretend für die Begriffe Malignom, Metabolom und Mikrobiom. Als Mikrobiom bezeichnen Wissenschaftler die Gesamtheit der den Körper besiedelnden Mikroben, als Metabolom die Summe der Stoffwechselprodukte. Als Malignome werden bösartige Tumore bezeichnet. „Wir wollen die Tumorforschung mit der Erforschung von Mikrobiom- und Stoffwechselveränderungen verknüpfen und so den Weg weisen für neue und bessere Therapien zur Behandlung von Krebserkrankungen“, sagte Professor Nisar Peter Malek, Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin I des Universitätsklinikums Tübingen und designierter medizinischer Leiter des M3-Instituts.

„Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, die Einführung von Hochdurchsatzverfahren zur Quantifizierung biologischer Prozesse und die Entwicklung neuer bildgebender Verfahren haben die Medizin in den vergangenen zwei Jahrzehnten revolutioniert“, sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät Tübingen, Professor Ingo Autenrieth. Auf der Basis dieser Technologien seien neue Medikamente und Tumortherapien entwickelt worden. Trotz dieser ersten Erfolge sei aber auch deutlich geworden, dass viele Krebsformen deutlich komplexer sind, als bisher gedacht: „Nach wie vor sind die für die Entstehung und den Verlauf von Erkrankung relevanten biologischen Systeme und ihre wechselseitige Beeinflussung unzureichend verstanden.“

Biologische Prozesse des Menschen betrachten

Malek verwies in diesem Zusammenhang auf die neu entdeckte Rolle des menschlichen Mikrobioms: „Der Mensch ist durch Billionen von Mikroben besiedelt, die durch eine Fülle von Metaboliten den menschlichen Stoffwechsel beeinflussen“, erklärte der Mediziner: „Der Mensch muss deshalb als `Superorganismus´ verstanden werden, einer komplexen Einheit aus dem menschlichen Genom und seinen Körperzellen sowie dem Mikrobiom.“ Kommunikation und Regulation dieses komplexen Systems erfolgen über eine Vielzahl von Stoffwechselprodukten, die unter anderem in das menschliche Immunsystem, aber auch in Krankheitsprozesse eingreifen, beispielsweise in Entzündungsreaktionen. „Diese Betrachtungsweise eröffnet eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten, um verschiedenste biologische Prozesse des Menschen gezielt zu verändern“, erklärte der Direktor der Medizinischen Klinik. „Diese reichen von diätetischen Maßnahmen über den Einsatz von lokal oder systemisch wirkenden Antibiotika bis hin zur Übertragung spezifischer Mikroorganismen.“

Das M3-Institut soll die Forschung auf diesem noch jungen wissenschaftlichen Feld vorantreiben. Die geplanten 18 Forschungsgruppen sollen zu drei Forschungsschwerpunkten zusammengefasst werden, die sich mit der Entwicklung neuer Modellsysteme, mathematischer Modellierung und systembiologischer Analyse sowie experimenteller Therapie befassen werden. Neben Experten aus der Krebsforschung werden an dem künftigen Institut Fachleute aus der Infektions- und Diabetesforschung, Bioinformatiker, Systembiologen und Pharmakologen der Universitäten Stuttgart und Tübingen beteiligt sein. Eine enge Kooperation ist zudem mit der Abteilung Mikrobiomforschung am Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie vereinbart.

3,8 Millionen für Erstausstattung und 7,5 Millionen Euro für Großgeräte

Das neue Institutsgebäude wird am Rande des Tübinger Schnarrenbergs, in unmittelbarer Nähe zu den Forschungsgebäuden der Neurologie entstehen. Von der Fördersumme von mehr als 53 Millionen Euro sind rund 42 Millionen Euro für den Neubau eingeplant. 3,8 Millionen Euro sind für die Erstausstattung von Büros und Laboren vorgesehen sowie weitere 7,5 Millionen Euro für die Anschaffung von Großgeräten. Das Land Baden-Württemberg und die Medizinische Fakultät über-nehmen jeweils 25 Prozent der Gesamtkosten.

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