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Chinesische Ginkgo-Bäume für deutsche Städte?

Oben ohne – Sommerhitze lässt die Blätter fallen

| Redakteur: Christian Lüttmann

Trockenstress bei Hitze wird heimische Arten durch Klimawandel öfter treffen.
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Trockenstress bei Hitze wird heimische Arten durch Klimawandel öfter treffen. (Bild: Prof. Andreas Roloff/TU Dresden)

Im Sommer ist es warm. Soweit so gut. Doch auch in Deutschland häufen sich Sommer mit extremen Hitzeperioden, die nicht nur den Menschen sondern auch den Pflanzen stark zusetzen: Viele Bäume werfen aufgrund der anhaltenden Trockenheit vorzeitig ihre Blätter ab. An der Technischen Universität Dresden suchen Botaniker daher nach widerstandsfähigen Bäumen, die die steigende Sommerhitze auch in Zukunft unbeschadet überstehen.

Dresden – Gelbe Laubfärbung, kahle Äste, herabfallende Blätter – wer im Sommer 2018 in die Baumwipfel schaut, könnte meinen, es ist schon Herbstzeit. Durch die anhaltende Hitzeperiode und den Wassermangel welken einige Bäume verfrüht. Vor allem jüngere und empfindliche großblättrige Bäume wie Bergahorn und Sommerlinde sind gefährdet.

Der Blätterfall soll aber nicht in jedem Fall beunruhigen, wie Prof. Andreas Roloff von der Professur Forstbotanik der TU Dresden sagt. Einige Baumarten wie etwa die Birke würden ihre Blätter pro forma zum Schutz abwerfen und nach Regen wieder austreiben. „Das ist der so genannte Johannistrieb“, erklärt Roloff. Sind die Knospen vor allem von jüngeren entlaubten Bäumen unterentwickelt, sei es dann besonders wichtig, dass der Johannistrieb noch genug Zeit findet, um vollwertige Knospen für das kommende Jahr zu bilden.

Junge Bäume trifft die Hitze am schlimmsten

Neben der hohen Temperatur und der Trockenheit können auch die direkte Sonnenstrahlung und die Ozonwerte die Baumkronen stressen. Nur ein geübtes Auge erkennt, ob die Hitze das verfrühte Welken verursacht. Roloff beobachtete bereits in den Hitzesommern 2003 und 2015, wie vor allem jüngere Bäume austrockneten, weil sie mit ihren noch nicht voll ausgebildeten Wurzeln das zur Neige gehende Bodenwasser nicht mehr erreichten. Besonders kritisch sieht er dies für die städtische Baumbepflanzung.

Auf bebauten Gebieten sei das Grundwasser oft abgesenkt und liege meist unter zwei bis drei Metern, wie der Botaniker schildert. Zudem würden Flächen versiegelt und verdichtet. Viele neu gepflanzte Bäume hätten dann Schwierigkeiten, aus ihrem Ballen heraus zu wurzeln. Oft werde laut Roloff bei schneller Pflanzung durch billige Anbieter wenig Sorge getragen, auch das Umfeld der Bäume zu berücksichtigen und dort den Boden vorzubereiten. Mit der Baumpflanzung sei aber in der Regel eine dreijährige Gewährleistung verbunden. Verantwortliche, die sich gründlich um die Anpflanzung kümmern, würden sich deshalb darum bemühen, dass die Bäume mindestens diese Zeit überleben.

Rettung aus China? Der Ginkgo-Baum

Damit Städte durch länger anhaltende Hitzeperioden im Zuge des Klimawandels in Zukunft nicht baumloser werden, rät Roloff den Stadtverwaltungen, die Auswahlkriterien für Bäume zu überdenken. „Wir weisen bereits seit zehn Jahren darauf hin, dass neben Winterhärte vor allem Hitze- und Trockengefährdung an erster und zweiter Stelle stehen müssen“, betont der Baumexperte.

Roloff sieht eine Lösung vor allem darin, gesunde, langlebige und adaptierte Bäume zu etablieren. Dafür forscht er seit über zehn Jahren in chinesischen Städten wie Peking, wo ein auch für Deutschland zu erwartendes Klima mit schnellem Frühlingsanfang und langen, heißen Sommern herrscht. Die Baumarten in China seien im Vergleich zu Nordamerika laut Roloff noch relativ unerforscht. Insbesondere sucht er nach Baumarten, die an Straßen gut wachsen. Bisher sei das zum Beispiel der Ginkgo. Roloff hofft, dass solche hitzeresistenten Baumarten in den nächsten 100 Jahren einheimische Baumarten an Extremstandorten zum Beispiel im Innenstadtbereich allmählich ersetzen werden – damit auch in zukünftigen extremen Sommern die Bäume nicht vertrocknen.

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