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Interstellarer Besucher ist natürlichen Ursprungs

Oumuamua – Raumschiff oder nicht?

| Autor / Redakteur: Dr. Regine Panknin* / Christian Lüttmann

Oumuamua hat zwar seltsame Eigenschaften, ist aber kein außerirdisches Raumschiff.
Oumuamua hat zwar seltsame Eigenschaften, ist aber kein außerirdisches Raumschiff. (Bild: ESA/Hubble, NASA, ESO, M. Kornmesser)

Eine ungewöhnliche Sichtung erregte 2017 Aufmerksamkeit: „Oumuamua“ war das erste entdeckte interstellare Objekt und wies seltsame Eigenschaften auf. Dies führte sogar zu Spekulationen, es könne sich um ein Alienraumschiff handeln. Neue Erkenntnisse eines internationalen Forscherteams deuten jedoch darauf hin, dass Oumuamua natürlichen Ursprungs ist. Mehr darüber und über die Besonderheiten des „Besuchers“ lesen Sie im folgenden Beitrag.

Jülich – Schon lange beobachten die Menschen die Sterne. Doch obwohl die Astronomie seit Erfindung des Teleskops 1608 zahlreiche Entdeckungen am Sternenhimmel gemacht hat, hält der Weltraum noch immer viele Rätsel bereit. Eines dieser Rätsel kam am 19. Oktober 2017 vor die Linse des „PanSTARRS1“ Teleskops (Panoramic Survey Telescope and Rapid Response System 1) der Universität von Hawaii: Oumuamua – was auf Hawaiianisch so etwas wie „Pfadfinder“ bedeutet.

Was Oumuamua so besonders macht ist, dass es das erste Objekt ist, das beim Durchqueren des Sonnensystems beobachtet werden konnte – ein so genanntes interstellares Objekt. „Astronominnen und Astronomen haben schon lange gehofft, ein solches interstellares Objekt zu sehen, das unser Sonnensystem durchkreuzt“, sagt Susanne Pfalzner, Astrophysikerin am Jülich Supercomputing Centre.

Der in unser Sonnensystem gedriftete Gesteinsbrocken war aber noch in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich, unterschieden sich die aufgezeichneten Daten doch von denen aller zuvor beobachteten Objekte: Oumuamua zeigt Eigenschaften sowohl von Asteroiden als auch von Kometen auf und ähnelt auch in anderen Punkten keinen bisher von den Forschern analysierten Himmelskörpern. Diese Eigenart veranlasste manche Wissenschaftler sogar zu der Spekulation, dass es sich dabei um ein außerirdisches Raumschiff handeln könnte.

Ein rötlicher Besucher verblüfft Astronomen

Was Oumuamua mit vielen Körpern im Sonnensystem gemein hat, ist seine rötliche Farbe. „Ansonsten unterscheidet er sich maßgeblich: Auch wenn man es mit den gesammelten Daten nicht komplett belegen kann, hat der Asteroid wahrscheinlich eine längliche Form und ein auffälliges Bewegungsmuster“, sagt Pfalzner. „Besonders rätselhaft ist seine Laufbahn durch unser Sonnensystem.“ Es scheint, dass Oumuamua in Richtung dieser Laufbahn beschleunigt – typisch für Kometen. Doch konnten die Astronomen keine der dafür typischen Gasemissionen beobachten.

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14 Wissenschaftler aus Europa und den USA arbeiteten zusammen, um die gesammelten Oumuamua-Daten zu analysieren. Matthew Knight von der University of Maryland stellte dafür ein Team von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. „Dies führte zu der ersten umfassenden Analyse und der derzeit besten Gesamtübersicht über alles, was wir über das Objekt wissen“, sagt Knight. „Wir neigen dazu, zu glauben, dass physikalische Prozesse, die wir hier bei uns beobachten, allgemeingültig sind. Und so ein Objekt wie Oumuamua haben wir bisher noch nicht beobachtet. Es ist ungewöhnlich und schwer zu erklären. Doch das bedeutet nicht, dass es keine natürlichen Phänomene gibt, die sein Verhalten erklären könnten.“

In diesem NASA-Video werden einige Hintergründe zu Oumuamua erklärt:

Suche nach weiteren „Pfadfindern“ in Vorbereitung

Oumuamua gibt noch immer Rätsel auf, doch die Astrophysikerin Pfalzner denkt nicht, dass dies zu Spekulationen über Außerirdische verleiten sollte: „Es ist nur natürlich, dass Oumuamua ungewöhnliche Eigenschaften hat. Unsere Analyse deutet darauf hin, dass es natürliche Phänomene gibt, die dies erklären könnten. Aber natürlich bedeutet das auch, dass noch viel über den Weltraum jenseits unseres Sonnensystems erforscht werden muss.“

Pfalzner und ihre Kollegen haben eine Reihe von Mechanismen in Betracht gezogen, durch die Omuamua seinem Heimatsystem entkommen sein könnte. Eine Möglichkeit wäre, dass der Himmelskörper von einem Gasriesen in einem anderen Sternsystem ausgestoßen wurde. „Nach bestehenden Modellen ist die Oortsche Wolke am äußeren Rand unseres Sonnensystems auf diese Weise durch Bruchstücke des Jupiter entstanden“, vergleicht Pfalzner. Diese Wolke ist eine Art Mantel aus Kometen, der vielen Theorien zufolge das äußere Sonnensystem umschließt. „Manche solcher Objekte könnten der Anziehungskraft ihres Heimatsterns entkommen und so zu interstellaren Reisenden geworden sein.“

Die Forscher vermuten, dass Oumuamua nur der erste Besucher aus einem anderen Sonnensystem ist. Ab 2022 wird das seit 2011 im Bau befindliche Large Synoptic Survey Telescope (LSST) von einem Berggipfel im nördlichen Chile aus Daten aufzeichnen können. Die Wissenschaftler hoffen, dann noch weitere interstellare Objekte zu entdecken. Erst dann wird sich sagen lassen, ob Oumuamua wirklich so ungewöhnlich ist, wie er jetzt scheint.

Weitere Informationen über den rätselhaften Besucher Oumuamua finden Sie auf den Seiten der NASA (englisch).

Originalpublikation: ‘Oumuamua ISSI Team: Michele T. Bannister, Asmita Bhandare, Piotr A. Dybczyński, Alan Fitzsimmons, Aurélie Guilbert-Lepoutre, Robert Jedicke, Matthew M. Knight, Karen J. Meech, Andrew McNeill, Susanne Pfalzner, Sean N. Raymond, Colin Snodgrass, David E. Trilling & Quanzhi Ye: The natural history of ‘Oumuamua, Nature Methods (2019). DOI: 10.1038/s41550-019-0816-x

* Dr. R. Panknin, Forschungszentrum Jülich, 52428 Jülich

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