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Bestäubung Pflanzen fangen Insekten zur Bestäubung

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Pflanzen nutzen zahlreiche Mechanismen für ihre Bestäubung. Ein besonders ausgeklügeltes System hat jetzt ein internationale Forscher untersucht. Eine Pfeifenblume nutzt den Duft, den normalerweise verendende Wanzen abgeben, um Fliegen anzulocken, die dann die Pflanze bestäuben.

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Detailaufnahme einer Blüte von Aristolochia rotunda mit bestäubender Fliege.
Detailaufnahme einer Blüte von Aristolochia rotunda mit bestäubender Fliege.
(Bild: Birgit Oelschlägel/TU Dresden)

Dresden – Ein internationales Wissenschaftlerteam um Privatdozent Dr. Stefan Wanke und Dipl.-Biologin Birgit Oelschlägel vom Institut für Botanik der TU Dresden hat ein neues Bestäubungssystem entdeckt. Die untersuchte Pflanzenart (Aristolochia rotunda) lockt bestäubende Fliegen mit Duftstoffen an und täuscht damit Nahrungsquellen der Fliegen vor. Sind die Bestäuber angelockt, werden sie in einer Fallenblüte gefangen genommen. Das Faszinierende dabei ist, dass der abgegebene Blütenduft normalerweise von Wanzen abgegeben wird, wenn sich diese im Todeskampf befinden und gerade von einer Spinne oder Gottesanbeterin gefressen werden. Auf diesen Duft sind die Fliegen angewiesen, um Wanzen zu finden und anschließend daran zu saugen, während diese verspeist werden. „Genau diesen Duft des Todes imitiert die Pflanze“, hat Diplom-Biologin Birgit Oelschlägel für ihre Promotion an der TU Dresden herausgefunden.

Bestäubung von Pflanzen auf viele Weise möglich

Bestäubung von Blütenpflanzen ist extrem mannigfaltig und kann z.B. durch Wind, Wasser oder Tiere erfolgen. Dabei wird der Pollen einer Blüte auf die Narbe derselben oder einer anderen Blüte übertragen, die Eizellen befruchtet und der Samen kann sich entwickeln. Auf diese Weise werden die Weitergabe des Erbgutes an die nächste Generation sowie eine hohe genetische Variabilität sichergestellt. Tiere, vor allem Insekten, sind die häufigsten Bestäuber und übernehmen eine sehr wichtige Rolle im Ökosystem Erde. Meist profitieren beide Partner von der Bestäubung: Der Bestäuber erhält Nahrung z.B. in Form von Pollen oder Nektar und die Blüte erhält meist passiv den Pollen. Allerdings sind etwa 4 bis 6% aller Blütenpflanzen Betrüger. Sie locken die Bestäuber an, indem sie ihnen eine Belohnung suggerieren, die nicht gewährt wird.

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Erst wenn die Pflanze bestäubt ist, kann das Insekte die Falle verlassen

Die Pflanzengattung Aristolochia (Pfeifenwinden) ist ein Paradebeispiel für diese so genannten Täuschblumen. Die Evolution hat eine ausgeklügelte Fallenblüte dafür entworfen. Angelockte Insekten geraten in eine behaarte Kesselfalle, die sie erst wieder verlassen können, wenn sie die Blüte bestäubt haben und mit Pollen der Blüte bedeckt sind.

An der Studie, die neue Erkenntnisse zur Bestäubungsbiologie von Fallen- und Täuschblumen gewonnen hat, waren deutsche und österreichische Forscher beteiligt (TU Dresden, Universität Bielefeld, Dresdner Senckenberg Museum für Tierkunde, Universität Salzburg).

Der Botanische Garten der TU Dresden kultiviert nach eigenen Angaben die größte Sammlung von Pfeifenwinden weltweit und lädt alle Besucher ein, die außergewöhnlichen Blüten zu bewundern. Derzeit blüht z.B. im Tropenhaus der Neuen Welt Aristolochia chiapensis, eine Art, die im Regenwald im Grenzgebiet zwischen Guatemala und Mexiko entdeckt wurde.

Originalpublikation: Oelschlägel B, Nuss M, v. Tschirnhaus M, Pätzold C, Neinhuis C, Dötterl S, Wanke S (2014), The betrayed thief – the extraordinary strategy of Aristolochia rotunda to deceive its pollinators, New Phytologist. doi: 10.1111/nph.13210.

(ID:43117631)