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Venusfliegenfalle Pflanzen können rechnen

| Autor / Redakteur: Robert Emmerich* / Dr. Ilka Ottleben

Die fleischfressende Venusfliegenfalle plant ihre Ernährung sorgfältig: Sie kann zählen, wie oft ein Insekt sie berührt, und sie berechnet daraus den Aufwand für die Verdauung. Das haben Pflanzenwissenschaftler der Universität Würzburg entdeckt.

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Insekt auf einer Venusfliegenfalle – noch ist sie nicht zugeklappt.
Insekt auf einer Venusfliegenfalle – noch ist sie nicht zugeklappt.
(Foto: Sönke Scherzer)

Würzburg – Normalerweise werden Pflanzen von Tieren und vom Menschen verspeist. Fleischfressende Pflanzen aber drehen den Spieß um: Sie sind auf Tiere als Zusatzernährung spezialisiert, um in Mooren oder an anderen nährstoffarmen Standorten überleben zu können. Die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) zum Beispiel: Sie hat ihre Blattspitzen zu tellerförmigen Fallen ausgebildet und sie mit Sensoren ausgestattet. Damit kann sie Fliegen und andere schnelle Insekten erkennen, fangen und verdauen.

Die Innenseite der Fallen ist mit einem Rasen aus rotgefärbten Drüsen bedeckt. Diese blütenartige Erscheinung lockt im Verein mit Fruchtdüften viele Insekten an. Auf der Suche nach Nektar kommen die Besucher meist unausweichlich mit den drei Sinneshaaren in Berührung, die auf jeder Fallenhälfte sitzen. Die Pflanze entscheidet dann anhand der Zahl der Berührungen, ob die Falle zuschnappt und ob die Verdauungssäfte fließen – sie kann also zählen.

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Das hat ein internationales Forschungsteam um den Biophysiker Professor Rainer Hedrich von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg herausgefunden. Die Arbeit des Teams ist in der renommierten Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht.

Bei „Zwei“ klappt die Venusfliegenfalle zu

Wird ein Sinneshaar auf der Venusfliegenfalle nur leicht bewegt, meldet es den ersten Beutekontakt über ein bio-elektrisches Signal. „Ein einzelnes Signal löst aber noch keine Reaktion aus – es könnte sich ja um einen Fehlalarm handeln“, sagt Hedrich. Doch schon bei der zweiten Bewegung klappt die Falle blitzschnell zu.

Würde ein Beutetier nun ruhig bleiben, gäbe es kein weiteres Signal. In diesem Fall öffnet sich die Falle nach einem halben Tag wieder. Weil die gefangenen Tiere sich aber heftig wehren, lösen sie dadurch ein wahres Signalfeuer aus, das ihr Schicksal endgültig besiegelt.

Denn die Venusfliegenfalle kann weiterzählen. Das fand Hedrichs Mitarbeiter Sönke Scherzer heraus. Er hat gemessen, dass ein gefangenes Insekt in der Falle rund 60 Signale pro Stunde auslöst. Um die Berührungsreize nachzuahmen, stieß Scherzer einzelne Sinneshaare ein bis 60 Mal pro Stunde an und prüfte, was passiert.

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