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Chronisch entzündliche Darmerkrankungen Positiver Stress als Schutz für den Darm

Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen zu denen z.B. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zählen, betreffen in Deutschland rund 350.000 Menschen und führen zu erheblichen körperlichen Beschwerden und psychischen Belastungen. Nun konnte ein internationales Forscherteam einen bislang unbekannten Schutzmechanismus des Darms identifizieren, der auf positivem Stress basiert. Eine gezielte Beeinflussung dieses Mechanismus könnte in Zukunft die Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen verbessern.

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Dünndarmschleimhaut von keimfreien Mäusen mit IgA-produzierenden Plasmazellen (grün).
Dünndarmschleimhaut von keimfreien Mäusen mit IgA-produzierenden Plasmazellen (grün).
(Bild: Brigham & Women’s Hospital, Harvard Medical School)

Bern/Schweiz– Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulceros sind relativ junge Erkrankungen: Colitis ulcerosa wurde erstmals 1875 beschrieben, Morbus Crohn sogar erst 1932. Die schubweise verlaufenden Erkrankungen treten oft schon bei jungen Patienten auf und gehen mit körperlich wie seelisch stark beeinträchtigenden Symptomen wie Bauchschmerzen und chronischen Durchfällen, Fieber, oft begleitet von starker Abgeschlagenheit einher.

Die Erkrankungen galten lange als Erkrankungen der westlichen Welt, mittlerweile breiten sie sich aber stark rund um den Globus aus. Auffällig ist, dass die Erkrankungshäufigkeit parallel mit der ökonomischen Entwicklung der Länder zunimmt. In Deutschland ist laut Ärzteblatt Morbus Crohn mit 322 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner die häufigste chronisch entzündliche Darmerkrankung.

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Wie entstehen chronisch entzündliche Darmerkrankungen?

Unser Darm ist täglich einer Vielzahl von Umwelteinflüssen ausgesetzt. Einige dieser Faktoren, wie Nahrungsbestandteile, Bakterien oder Viren, können das empfindliche Gleichgewicht im Darm stören. Zusammen mit genetischen Faktoren können sie zu überschießenden Abwehrreaktionen führen, die sich als chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Inflammatory Bowel Diseases, IBD) äußern.

Ein Bestandteil innerhalb der Darmzellen, der besonders sensibel auf Umweltstressoren reagiert, ist das endoplasmatische Retikulum (ER). In diesem verzweigten Membrannetzwerk werden für die Zelle lebenswichtige Eiweiße hergestellt. In vorangegangenen Studien konnte bereits gezeigt werden, dass sogenannter ER-Stress für die Entstehung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eine wichtige Rolle spielt. Ob ER-Stress dagegen auch eine Darmentzündung hemmen kann, war bislang unklar.

Neueste Resultate von einem internationalen Forschungsteam mit maßgeblicher Beteiligung von Forschenden vom Department for Biomedical Research (DBMR) der Universität Bern und der Abteilung Gastroenterologie der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Inselspital Bern zeigen zum ersten Mal positive Effekte von ER-Stress bei Darmentzündungen: Durch diesen werden in der Darmschleimhaut gezielt Abwehrzellen aus der Bauchhöhle rekrutiert. Diese Zellen können über die Produktion von Antikörpern vom Typ Immunoglobulin A (IgA) die Schutzbarriere der empfindlichen Darmschleimhaut verstärken und damit vor überschießenden Entzündungsreaktionen schützen. Die Studie wurde im Journal „Science“ publiziert.

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