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Betäubungsmittel Quantitative Bestimmung von Betäubungsmitteln in Kapillarblut

| Autor / Redakteur: Iris Gehard* / Dr. Ilka Ottleben

Die Bestimmung von Betäubungsmitteln in Patientenproben erfolgt bisher meist über den Urin. Eine Manipulation durch den Patienten muss dabei verhindert werden. Dieses Problem umgeht ein neues Verfahren zur quantitativen Bestimmung von Betäubungsmitteln aus Kapillarblutproben.

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(Bild: LADR MVZ Dr. Kramer und Kollegen)

Zur Bestimmung von Betäubungsmitteln und Pharmaka wird in der Regel Urin als Probenmaterial verwendet, ein Vorgehen, das allerdings eine Manipulation durch den Patienten ermöglicht. Die Spontanurinprobenahme muss daher unter Aufsicht erfolgen, was einerseits für Patient und Arzt sehr unangenehm ist und andererseits für die Praxen einen erhöhten Zeit- und Personalaufwand bedeutet. Zudem erlaubt die qualitative Nachweismethode im Urin keine Rückschlüsse auf eine pharmakologische Beeinflussung des Patienten. Dazu war bisher zusätzlich eine venöse Blutprobenentnahme notwendig, die jedoch aufgrund des häufig schlechten Venenzustandes der Patientengruppe schwierig ist. Die Abteilung Toxikologie der Laborärztlichen Arbeitsgemeinschaft für Diagnostik und Rationalisierung LADR Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) Dr. Kramer und Kollegen in Geesthacht hat daher ein Verfahren zur quantitativen Bestimmung von Betäubungsmitteln aus Kapillarblutproben entwickelt. Im Gegensatz zum Urin kann das Kapillarblut sofort mithilfe einer Sicherheitslanzette abgenommen werden, anschließend lassen sich mit der Methode circa 40 verschiedene Drogen und Medikamente qualitativ und quantitativ nachweisen. Da so auch Beikonsum nachweisbar ist, lässt sich durch die Analyseergebnisse auch die Behandlung von Suchtpatienten optimieren.

Immunchemischer Nachweis von Drogen im Urin

„In der Regel werden zur Feststellung von Drogen im Urin immunchemische Methoden angewandt, die dann durch chromatographische Analyseverfahren ergänzt oder bestätigt werden“, so Dr. Lars Wilhelm, Leiter der Abteilung Toxikologie bei der LADR. „Die immunchemischen Methoden sind nur hinweisgebend, außerdem lassen sich meist lediglich Substanzgruppen nachweisen.“ Da aus der Analyse im Urin ein rein qualitativer Nachweis möglich ist, von dem kein Rückschluss auf einen Wirkstoffspiegel im Blut gemacht werden kann, ist die kumulative Beurteilung der Befunde chronisch erkrankter Patienten hier deutlich erschwert. Auch die Analytik im Speichel oder Kopfhaar hilft nicht weiter. Zur quantitativen Analyse von Substanzen im Blut war bisher die Entnahme von venösem Blut erforderlich. „Das ist zum Beispiel auch beim therapeutischen Drug Monitoring von Methadon der Fall“, so Laborleiter Wilhelm weiter, der sich seit 1995 mit diesem Bereich beschäftigt. „Ein wesentlicher Nachteil dieses Vorgehens ist allerdings, dass die Entnahme aus der Vene bei IV-Drogenkonsum schwierig sein kann, was die Ärzte häufig abhält, den Methadonspiegel zu bestimmen.“

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