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Klarspüler-Reste könnten Darmschutzschicht schädigen Sind gewerbliche Geschirrspüler eine Gefahr für den Darm?

Quelle: Pressemitteilung Universität Zürich

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Sauberes Geschirr in zwei Minuten – gewerbliche Geschirrspüler leisten Akkordarbeit. Doch der Einsatz von Klarspülern in vielen gewerblichen Spülmaschinen könnte eine Gesundheitsgefahr darstellen, warnt eine Studie aus der Schweiz: In Laborversuchen schädigte ein Zusatzstoff aus dem Klarspüler Darmzellen.

Klarspüler in gewerblichen Geschirrspülern enthalten oft Alkoholethoxylat. Diese Substanz kann das Darmepithel schädigen, was zu chronischen Krankheiten führen kann.
Klarspüler in gewerblichen Geschirrspülern enthalten oft Alkoholethoxylat. Diese Substanz kann das Darmepithel schädigen, was zu chronischen Krankheiten führen kann.
(Bild: U2M Brand - stock.adobe.com)

Ob Restaurant, Schule oder Kaserne: Professionelle Geschirrspülmaschinen sorgen dafür, dass Teller, Gläser und Besteck in nur wenigen Minuten wieder blitzsauber und trocken sind. Doch das praktische System ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Zu diesem Scluss kommen jedenfalls Forscher des mit der Universität Zürich (UZH) assoziierten Schweizerischen Instituts für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF) in ihrer Studie. Vor allem ein bestimmter Inhaltsstoff von gewerblichen Klarspülern habe einen toxischen Effekt auf den Magen-Darm-Trakt.

Frei von Essensresten, aber nicht von chemischen Rückständen

Im Gegensatz zu den Maschinen für den Gebrauch zu Hause, muss es bei gewerblichen Geschirrspülern viel schneller gehen. Bei einem typischen Waschgang in gewerblichen Geräten zirkuliert heißes Wasser und Spülmittel für etwa sechzig Sekunden bei hohem Druck in der Maschine. Danach erfolgt für weitere sechzig Sekunden ein Spül- und Trockengang unter Zugabe von Wasser und Klarspüler – und schon kann da Geschirr wieder verwendet werden.

„Besonders bedenklich ist, dass bei vielen Geräten dabei keine zusätzlichen Spülgänge zur Entfernung der Reste des Klarspülers durchgeführt werden“, sagt Studienleiter Cezmi Akdis, UZH-Professor für Experimentelle Allergologie und Immunologie und Direktor des SIAF. „Dadurch bleiben potenziell giftige Substanzen auf dem Geschirr zurück und trocknen ein.“ Bei der nächsten Verwendung des Geschirrs könnten sie so leicht in den Magen-Darm-Trakt gelangen.

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Ein geschädigter Darm als Startpunkt zahlreicher Krankheiten

Das Forschungsteam um Akdis hat deswegen untersucht, welche Auswirkungen die Inhaltsstoffe von gewerblichen Spülmitteln und Klarspülern auf das Darmepithel haben – die Zellschicht, die den Darm auskleidet und die kontrolliert, was in das Körperinnere gelangt. Ein Defekt in dieser Barriere wird mit diversen Krankheiten in Verbindung gebracht darunter Nahrungsmittelallergien, Gastritis, Diabetes, Fettleibigkeit, Leberzirrhose, rheumatoide Arthritis, multiple Sklerose, Autismus-Spektrum-Erkrankungen, chronische Depressionen und Alzheimer.

Ähnliche Schutzschichten gibt es auch auf der Haut und in der Lunge. Wie zahlreiche Studien gezeigt haben, können viele im Alltag verwendete Zusatzstoffe und Chemikalien diesen einen Schaden zufügen. „Wir nehmen an, dass defekte epitheliale Barrieren bei der Entstehung von zwei Milliarden chronischen Krankheiten eine Rolle spielen“, sagt Akdis. Diesen Zusammenhang erklärt die so genannte Epithelbarriere-Hypothese, die der Wissenschaftler im Laufe von mehr als zwanzig Jahren Forschung auf diesem Gebiet mitentwickelt hat.

Experimente an Darm-Organioden liefern bedenkliche Ergebnisse

Für ihre Untersuchung verwendeten die Forscher eine neu entwickelte, moderne Technologie: menschliche Darm-Organoide und Darmzellen auf Mikrochips. Das Gewebe bildet hierbei dreidimensionale Zellhäufchen, die dem menschlichen Darmepithel sehr ähnlich sind. Mit verschiedenen molekularbiologischen Methoden analysierten sie den Effekt, den gewerbliche Geschirrspüler und Klarspüler auf diese Darmzellen hatten. Hierbei setzten sie Verdünnungen ein, die in etwa der auf dem Geschirr getrockneten Menge entsprachen (1:10.000 bis 1:40.000).

Das Resultat: Bei niedrigeren Dosen (Verdünnung 1:40.000) wurde die Epithelbarriere durchlässiger, in einer hohen Dosis (Verdünnung 1:10.000) führte der Klarspüler sogar zum Tod der Darmepithelzellen. Zudem beobachteten die Wissenschaftler die Aktivierung mehrerer Gene und die Produktion von Signalstoffen, die Entzündungsreaktionen auslösen können. Eine genauere Analyse zeigte, dass vor allem einer der Inhaltsstoffe des Klarspülers für diese Reaktion verantwortlich war, nämlich Alkoholethoxylat. Allerdings fehlen in der vorliegenden Studie In-vivo-Daten. Um zu prüfen, ob ähnliche Mechanismen wie in den Laborversuchen mit Darm-Organoiden auch beim Menschen eine Rolle spielen, sind daher weitere Studien nötig.

Studienautor warnt, Industrieverband beschwichtigt

Laut Akdis sind die Erkenntnisse aber bereits jetzt wichtig für die öffentliche Gesundheit: „Die von uns nachgewiesenen Effekte können den Beginn der Störung des Darmepithels und vieler chronischer Krankheiten signalisieren.“ Er fordert deshalb die Ergreifung sofortiger Maßnahmen. „Es ist wichtig, die Öffentlichkeit auf diese Gefahr hinzuweisen, da Alkoholethoxylate offenbar häufig in gewerblichen Geschirrspülern verwendet werden.“

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Der Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz IHO reagierte im Dezember 2022 mit einer kurzen Stellungnahme auf die zuvor veröffentlichte Studie. Darin weisen die Hersteller von Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln darauf hin, dass die in den Experimenten von Akdis verwendeten Konzentrationen etwa tausendmal höher seien als die Konzentrationen, die bei der normalen Nutzung von maschinell gespültem Geschirr von Menschen aufgenommen werden können. Die untersuchten Alkoholethoxylate seien umfassend toxikologisch geprüft und bei sachgemäßer Anwendung z. B. in Klarspülern unbedenklich.  (clu)

Originalpublikation: Ismail Ogulur, Yagiz Pat, Tamer Aydin, Duygu Yazici, Beate Rückert, Yaqi Penq, Juno Kim, Urszula Radzikowska, Patrick Westermann, Milena Sokolowska, Raja Dhir, Mubeccel Akdis, Kari Nadeau, Cezmi A. Akdis: Gut epithelial barrier damage caused by dishwasher detergents and rinse aids, The Journal of Allergy and Clinical Immunology. 1 December 2022; DOI: 10.1016/j.jaci.2022.10.020

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